Fahrzeug für Bad Liebenzeller Feuerwehr: „Pervers, wie sich die Sache entwickelt“

Die Feuerwehr in Möttlingen braucht ein Löschfahrzeug.
KraushaarDie Freiwillige Feuerwehr hat vor eineinhalb Jahren ein Fahrzeugkonzept erarbeitet. Darin hat sie detailliert dargestellt, wann für welches Fahrzeug Ersatz besorgt werden muss – und wie dieser aussehen soll. Denn das oberste Ziel ist, dass die Feuerwehr ihre vielfältigen Aufgaben in den Einsätzen bewältigen kann.
Die Feuerwehr ist eine Pflichtaufgabe der Kommune. Die in der Stadt gerade allseits gesuchten Einsparpotenziale sind hier also eher nicht zu finden.
Sechsköpfige Besatzung
An der Zeit Laut Konzept benötigt die Feuerwehr eine neues mittleres Löschfahrzeug (MLF). Dieses soll ein Bestandsfahrzeug ablösen, das 32 Jahre alt ist. „Es ist an der Zeit“, sagte Marcus Frank von FSG Beratungen aus Schömberg im Gemeinderat. Er hat die Liebenzeller Feuerwehr bei der Ausschreibung des MLF unterstützt. Dieses soll eine sechsköpfige Besatzung transportieren können, einen 1000-Liter-Tank für Löschwasser mit Pumpe sowie einen Lichtmasten haben und das Einsatzmaterial in einem Kastenaufbau mitführen.
Nur eine Firma Wie Frank erklärte, hat sich bloß eine Firma auf die Ausschreibung gemeldet. Die verlangt für das Fahrgestell von MAN etwa 128 000 Euro. Der Auf- und Ausbau soll noch mal knapp 210 000 Euro kosten. Dazu kommen für einen Frontsprühbalken zusätzlich 4000 Euro. Insgesamt beliefe sich der Preis für das MLF also auf etwa 342 000 Euro. Und das ist noch nicht alles. Denn es fehlt noch die Beladung, welche Frank auf etwa 60 000 Euro taxierte. Ursprünglich hatte die Feuerwehr mal mit Kosten in Höhe von 300 000 Euro gerechnet.
Lieferzeit Das Fahrzeug würde die Möttlinger Feuerwehr zudem nicht einmal zeitnah bekommen. Denn laut Frank betrage die Lieferzeit mindestens 24 Monate. Und selbst diese Vorgabe sei ein „hehres Ziel“. Die Realität zeige, dass Feuerwehren auf neue Fahrzeuge eher 36 Monate warten. In Calw hätten die Kameraden auf ein Fahrzeug sogar 42 Monate gewartet. „Das ist eine fatale Entwicklung“, so Frank.
Komplett überlaufen Die Anbieter seien komplett überlaufen. Das sei auch der Grund, warum man kein Angebot für die Beladung erhalten habe. „Es ist nicht unbedingt gerade lustig“, sagte er. Auch zur generellen Preisentwicklung hatte Frank eine klare Meinung: „Es ist pervers, wie sich die Sache entwickelt.“ Er hatte Beispiele parat. Dem MLF vergleichbare Fahrzeuge ohne Beladung hätten 2018 noch etwa 210 000 Euro gekostet, 2023 schon 290 000 Euro. Er sehe nicht, dass es mittelfristig günstiger werde. Deshalb lohne es sich auch nicht, die Fahrzeugbeschaffung zu schieben. Zumal das Bestandsfahrzeug in Möttlingen schon sehr alt sei.
Nicht so lange warten
Günstigere Alternative? Aber es gibt etwas Hoffnung. Denn die Firma, welche sich auf die Ausschreibung gemeldet hat, hat zwei ähnliche Fahrgestelle bereits auf dem Hof stehen. Die entsprächen zwar nicht ganz genau den Anforderungen in der Ausschreibung, würden aber trotzdem nach Möttlingen passen, so Frank. Etwa 27 000 Euro ließen sich so einsparen. Außerdem müsse man wohl nicht so lange auf das fertige Fahrzeug warten. Denn das Fahrgestell gebe es ja schon.
Nachgefragt Ekkehard Häberle (ZBL) erkundigte sich nach den Spezifikationen dieser Fahrgestelle und wollte wissen, warum gerade dieser Fahrzeugtyp ausgewählt wurde. Der stellvertretende Kommandant Jens Schlotz erklärte, dass das mit der Förderung durch das Land zu tun habe. Die betrage 70 000 Euro, aber nur, wenn das Fahrzeug nicht über neun Tonnen komme.
Fritz Steininger (UL) wollte wissen, ob es in Europa nicht andere – und vor allem billigere – Anbieter gebe. „Wir haben europaweit ausgeschrieben“, so Frank.
Es gebe diese Anbieter schon. Aber zur Ausschreibung gehöre auch, dass der Anbieter ein gutes Werkstattnetz habe. Es bringe nichts, wenn die nächste Werkstatt in Frankreich sei. Zudem produzierten viele Firmen keine Fahrgestelle, die für den MLF taugten. Volvo und Scania stiegen erst bei 18 Tonnen ein. Die Technik bei Mercedes sei veraltet.
Beste Lösung
Sebastian Kopp (UL) sah die Beschaffung des MLF trotz der gestiegenen Kosten als alternativlos. Das Fahrzeug passe ins Konzept. Er lobte, dass die Feuerwehr nach Einsparpotenzialen suche.
„Die Zahlen sind exorbitant“, so Martin Hirschberger (CDU). Die Feuerwehr solle aber die für sie beste Lösung finden. Dem stimmt das Gremium zu. Die Feuerwehr geht nun mit der Firma in Verhandlungen. Und vielleicht bekommt sie ja eines der günstigeren Modelle.