Fackeln in Altensteig
: An Heiligabend lebt die alte Tradition wieder auf

Nach der coronabedingten Zwangspause ist es in Altensteig an Heiligabend wieder soweit: In Altensteigdorf, Berneck und in der Kernstadt wird nach altem Brauch "gefackelt". Und auch in Walddorf lodern die Flammen.
Von
Manfred Köncke
Oberndorf
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Zu einer Abschlussbesprechung trafen sich die Tälemer im und vor dem Holzschopf.

Köncke

Altensteig - Wenn am 24. Dezember um 18 Uhr die Glocken der evangelischen und katholischen Kirche erklingen, stecken die "Tälemer" und die "Tannenbergler" hoch über der Stadt jeweils einen riesigen Holzstoß in Brand.

Handfackeln der Zuschauer verwandeln den Schloss- und Hellesberg in ein Lichtermeer. Viele machen sich zu Fuß auf den Weg, andere stellen ihr Fahrzeug an den Zufahrtsstraßen im Gewerbegebiet Turmfeld ab.

Die Tannenbergler haben sich wiederholt an der Abzweigung Egenhauser Straße/Reitstall getroffen, das gesammelte Holz geschlitzt und zum Trocknen in ihrer Hütte aufbewahrt.

Besonders aktiv sind die Tälemer mit dem Vorsitzenden Manfred "Mandes" Keller. Ihr Schopf steht auf halber Höhe des Schlossbergs. Das Holz stammte früher größtenteils aus dem Stadtwald, heute profitiert der Verein von Hausabbrüchen. 30 bis 40 Raummeter werden stets benötigt.

Weil das Ereignis in den vergangenen beiden Jahren wegen der Pandemie ausgefallen ist und trotzdem Vorbereitungen getroffen werden mussten, war die Lagerstätte bereits vorher gut gefüllt.

Am Montagabend dieser Woche hatte der "Tälesschultes" – die jährliche Proklamation des Oberhaupts vom Unteren Altensteiger Tal findet immer am dritten Samstag im Oktober in einem Gasthaus statt, diesmal im Bistro "Rose" – seine Mitglieder zur Abschlussbesprechung in die warme Stube des Schopfs geladen, um bei Roten Würsten und Bier den Ablaufplan für die nächsten Tage zu besprechen.

Am Tag vor Heiligabend wird aufgeschichtet

Am 23. Dezember werden die Scheiter ab 7 Uhr verladen. An Heiligabend heißt es ebenfalls früh aufstehen. Pünktlich um 6 Uhr will man mit dem Aufsetzen der Holzschichten beginnen. Freiwillige Helfer sind willkommen. Zur Belohnung gibt es ein herzhaftes Vesper.

Traditionell wird das Ende der Arbeiten am Kriegerdenkmal durch mehrere Böller mitgeteilt. Sobald am Abend um 18 Uhr die Glocken der evangelischen Stadt- und der katholischen Heilig-Geist-Kirche ertönen, wird die ausgelegte Holzwolle mit Benzin übergossen und angezündet. Die Spur führt direkt zum Holzstoß.

Kurze Zeit später steht der Turm in hellen Flammen. Nach alter Tradition werden die mitgebrachten Wachsfackeln angesteckt und verwandeln den Berghang in ein stimmungsvolles Ambiente.

Nach der Coronakrise werden sich wahrscheinlich besonders viele Zuschauer auf den Weg machen. Um das Spektakel live mitzuerleben, ist das Fackeln an Heiligabend doch ein beliebter Treffpunkt – auch von weggezogenen Freunden und Bekannten, welche es an den Weihnachtsfeiertage in die Heimat zurückzieht.

Gefackelt wird an Heiligabend nicht nur in der Kernstadt. In Altensteigdorf versammeln sich von Jahr zu Jahr mehr Schaulustige – auch von der Altensteiger Oberstadt. Angesteuert wird die Wiese beim Kirchweg. Traditionell geht eine Hälfte der Fackler rechts und die andere Hälfte links um den Holzstoß; treffen sie aufeinander, kann es losgehen.

Abordnung der Stadtkapelle

Voraussichtlich wird Punsch und Glühwein ausgeschenkt und eine kleine Abordnung der Stadtkapelle spielt Weihnachtslieder. In Berneck ist der Ausgangspunkt um 17.45 Uhr auf dem Marktplatz. Es wird voraussichtlich eine kurze Ansprache geben und der heimische Männervhor singt.

Anschließend wird gemeinsam in Richtung Thann gewandert. Auf halber Höhe haben dort Fackelbuben einen großen Holzstoß aufgebaut. Die Besucher werden mit Getränken bewirtet.

In Walddorf wird gegen 18 Uhr, kurz nach dem Ende des Gottesdienstes in der evangelischen Johanneskirche, auf einer Wiese unweit des Sportplatzes ein Holzgerüst abgebrannt.

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