Einzelhandel in Calw
: Der Abschied fällt schwer – aber ermöglicht Neues

In Calws Geschäftswelt kommt wieder einmal Bewegung: „Photo Gulyas“ schließt im August. Warum, das berichtet Fotografin Madeleine Gulyas im Gespräch mit unserer Redaktion. Trotz der Schließung gibt es auch eine gute Nachricht.
Von
Verena Parage
Oberndorf
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Madeleine Gulyas

Photo Gulyas

Die einen kommen, die anderen gehen – das gilt auch für die Calwer Innenstadt: Im August schließt „Photo Gulyas“ in der Marktstraße. Für Fotografin Madeleine Gulyas geht damit eine Ära zu Ende. Die 35-Jährige hat ihr ganzes bisheriges Berufsleben in der Hesse-Stadt verbracht.

Anfänge 2010, direkt nach ihrer Ausbildung, die sie am „Photo+Medienforum Kiel“ absolviert hatte, übernahm sie das Geschäft. Ihr Vater Laci Gulyas, selbst Fotograf, hatte es damals von Friedrich Wirth gekauft. Für den Betrieb allein verantwortlich war von Anfang an die Tochter.

Aus Foto Wirth wurde Photo Gulyas: Die junge Frau, damals gerade einmal 20, wollte frischen Wind ins Studio bringen. Deshalb entschied sie sich für die englische Schreibweise von „Photo“ und für einen englischen Slogan.

Der Start war holprig

Das kam nicht bei allen Calwern gut an. So mancher sei zu ihr ins Geschäft gekommen und habe sie gefragt, was denn das solle, erinnert sich Gulyas mit einem Schmunzeln. So holprig der Start war, so herzlich ist die Beziehung zu vielen Calwern – Kunden wie anderen Geschäftsleuten – längst geworden. „Calw ist ein Dorf“, meint Madeleine Gulyas. „Und es wurde irgendwann zu meinem Dorf.“ Auch, weil sie zehn Jahre lang direkt über dem Studio gewohnt hat, mitten in der Stadt.

Erfahrungen Beruflich war die Zeit in Calw prägend, weil sie in dem kleinen Betrieb für alles zuständig ist und sehr viel gelernt hat, auch von Kollegen. Sie erlebt aber auch, dass die Selbstständigkeit eine dauernde Herausforderung ist– unter anderem, weil Personal schwer zu bekommen ist. Eine große Ausnahme ist Rita Schwarzkopf, die „treue Seele“ des Fotostudios – sie ist fast von Anfang an mit dabei und geht nun in den Ruhestand.

Trotz aller Herausforderungen hat Madeleine Gulyas den Schritt in die Selbstständigkeit und vor allem die Entscheidung für Calw nie bereut.

Dass sie ihr Geschäft im August schließt, hat familiäre Gründe. Mit ihrer Familie ist sie vor vier Jahren zurück in ihren Heimatort bei Pforzheim gezogen. Doch bei der täglichen Fahrt durchs Nagoldtal bleibt zu viel Zeit auf der Strecke. Zeit, die Gulyas lieber mit ihrer vierjährigen Tochter verbringen möchte.

Am September arbeitet sie in Pforzheim

Ihrer Arbeit aber bleibt sie treu. So schwierig es für professionelle Fotografen ist, sich gegen all die Konkurrenz etwa aus dem Internet zu behaupten: Gulyas mag ihren Beruf. „Ich hab mich nie eingeengt gefühlt“, immer habe es Entwicklungsmöglichkeiten gegeben.

Die 35-Jährige fotografiert Hochzeiten, Kindergartenkinder, Bankvorstände und andere Geschäftsleute genauso wie die Seniorin, die sich traut, für Aktaufnahmen die Hüllen fallen zu lassen. „Du kannst jeden schön fotografieren“, findet Gulyas. Wichtig ist es, auf die Menschen zuzugehen. Manche Familien begleitet sie seit etlichen Jahren – von den Hochzeitsaufnahmen über Neugeborenenshootings bis zu Familienporträts.

Ab September steigt Madeleine Gulyas im Fotostudio ihres Vaters in Pforzheim mit ein. Die Verbindung nach Calw reißt dennoch nicht ab: Weil sie manche ihrer Kunden „mitnimmt“ in die Goldstadt, und sie für Fototermine immer wieder in die Hesse-Stadt kommen wird. Zumal ihre Schwiegereltern hier leben.

Ausblick Wo Madeleine Gulyas bald die Tür zu ihrem Fotostudio zuschließen wird, da öffnet sich die Tür für Melanie Wolff. Die Wimbergerin wird mit „WolffKids“ in der Marktstraße 10 einziehen. 2018 hat sich die Diplom-Bankbetriebswirtin den Traum vom eigenen Unternehmen erfüllt. Sie fertigt und verkauft seither Magnettafeln und passende Magnete: „Wir helfen Kindern, den Tages- und Wochenablauf zu planen.“ Wie in einem Kalender können dank der Magnete mit passenden Illustrationen die Kleinen den Tag mitgestalten und verstehen, was wann dran ist. So gibt es beispielsweise einen Magneten mit einer Zahnbürste und einer Zahnpastatube darauf. Oder mit einer Badewanne.

Melanie Wolff

Foto: Wolff

Die Idee dazu hatte Melanie Wolff als ihre Tochter, damals zweieinhalb, nicht damit klarkam, dass Mama an manchen Tagen arbeiten ging. Das änderte sich, als Melanie Wolff der Kleinen einen Wochenkalender mit Fotos nähte – die Tochter sah also auf einen Blick, was an welchem Tag dran war. Daraus entwickelte sich „WolffKids“.

Bisher gibt’s lediglich einen Onlineshop

Bisher betreibt die Unternehmerin nur einen Onlineshop. Zu ihren Kunden zählen neben Familien auch Kindergärten oder Logopädiepraxen. In der Marktstraße 10 will die 44-Jährige die Magnete künftig nicht nur in einer Art gläserner Produktion herstellen – bisher werden sie in Berlin gefertigt – und im Laden verkaufen, sondern ihr Sortiment auch um Spielzeug erweitern.

Wie Madeleine Gulyas hat sie den Weg in die Selbstständigkeit nie bereut – „auch wenn ich jetzt viel mehr arbeite“. Dafür hat Wolff viel mehr Freiheiten und kann ihre Kreativität ausleben.

Ab September erst einmal bei der Renovierung der Räume in der Marktstraße.

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