Calw
: Vom Informatiker zum Altenpfleger

Wirtschaft: Dirk Ortolf macht sich mit ambulantem Pflegedienst "Sonnenschein" selbstständig
Von
Bianca Rousek
Oberndorf
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Dirk Ortolf (von links), Andrea Neuman, Janos Fenyvesi, Kati Mehle, Brigitte Ortolf und Klaus Ortolf sind das Team des ambulanten Pflegediensts "Sonnenschein". Foto: Privat

Schwarzwälder Bote

Es ist ein ungewöhnlicher Weg, den Dirk Ortolf aus Calw eingeschlagen hat. Er macht eine Ausbildung, studiert Informatik – und beginnt dann im Alter von 37 Jahren noch eine Ausbildung zum Altenpfleger. Nun macht er sich mit einem ambulanten Pflegedienst selbstständig. Warum? "Das ist einfach meine Berufung."

Calw-Wimberg. Seit Anfang Januar ist Dirk Ortolf selbstständig mit seinem ambulanten Pflegedienst Sonnenschein. Die Selbstständigkeit ist ein lang gehegter Traum von ihm. Nur dass es eines Tages die Altenpflege sein würde, die ihm dazu verhilft, war so nicht zu erwarten.

Ortolf schlug nach der Schule zunächst einen ganz anderen Weg ein. Er absolvierte eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann, merkte aber ziemlich schnell, dass das eigentlich gar nichts für ihn war. Trotzdem war er auch nach dem Ende der Ausbildung einige Jahre in diesem Beruf tätig. Später begann er mit einem Studium der technischen Informatik. Immer noch lockte die Selbstständigkeit – in der IT, ohne nennenswertes Netzwerk und ohne eine herausragende Idee

jedoch ein schwieriges Unterfangen. Ungefähr zur gleichen Zeit ereilte ein Schicksalsschlag die Familie Ortolf. Die Großmutter des heute 40-Jährigen erlitt einen Schlaganfall, wurde in der Folge zu einem Pflegefall. Sie zog ins Elternhaus von Ortolf, wo sich allen voran seine Mutter Brigitte um die Oma kümmerte. Aber auch Dirk Ortolf half mit. "Dabei habe ich festgestellt, dass es genau das ist, was mir Spaß macht", erzählt er. Zwar habe er immer schon eine soziale Ader gehabt, aber Altenpflege? "Das hätte ich mir früher gar nicht vorstellen können."

Ebenso erging es seiner Mutter. Als die Oma von Dirk Ortolf starb, nahm Brigitte Ortolf einen Mini-Job bei einem Pflegedienst an. Als dieser zumachte, seien viele Kunden traurig gewesen. "Daraufhin haben wir uns entschlossen, einen privaten Pflegedienst ins Leben zu rufen", sagt Dirk Ortolf. Dabei können die Leistungen jedoch nicht mit den Krankenkassen abgerechnet werden. Daher fiel die Entscheidung, einen ambulanten Pflegedienst zu gründen. "Und so hat es begonnen." Mit 37 Jahren fing er eine Ausbildung zum Altenpfleger im Haus Nagoldtal in Hirsau an. "Am Anfang war es schon komisch, wieder die Schulbank zu drücken", sagt er. Aber im Grunde müsse er sich daran gewöhnen – schließlich hat Ortolf noch viele Weiterbildungen vor sich, beispielsweise die zur Pflegedienstleitung, zum Ausbilder und mehr. Im Oktober schloss Dirk Ortolf seine Grundausbildung ab, schon im Januar eröffnete er seinen eigenen ambulanten Pflegedienst. Mit weiteren zwei Vollzeitkräften, einer Teilzeitkraft und der Unterstützung seiner Eltern. Die Pflegedienstleitung übernimmt Kati Mehle. Sie ist seit 20 Jahren in der Pflege tätig, war im Haus Nagoldtal die Ausbilderin von Ortolf. Extra für ihre neue Stelle beim ambulanten Pflegedienst Sonnenschein machte sie die Weiterbildung zur Pflegedienstleitung. "Das war mein persönliches Ziel."

Für Ortolf ist Mehle ein Glücksfall. "Pflegekräfte zu finden, ist schwer, eine Pflegedienstleitung praktisch unmöglich." Was auch an dem schlechten Ruf der Branche liegt. "Die Anerkennung in der Gesellschaft ist sehr schlecht", bedauert er. Die Schuld dafür gibt er sowohl der Politik, den Medien, wie auch der Branche selbst. "Immer sind die unangenehmen Themen im Fokus." Natürlich sei es ein anspruchsvoller Beruf – geistig und körperlich. Was auch dadurch deutlich wird, dass von ursprünglich 30 Berufsschülern, die mit Ortolf die Ausbildung machten, nur zehn überhaupt zur Abschlussprüfung angetreten sind. "Aber für mich ist es mehr als ein Beruf. Jeden Tag fahre ich mit einem Lächeln ins Büro."

Doch woher kommt eigentlich der Name des Pflegedienstes "Sonnenschein"? Auch hier ist es die Oma, die für die Idee verantwortlich ist. "Immer wenn ich in den Raum kam, sagte sie: ›Da kommt mein Sonnenschein‹", erzählt er gerührt. So sollte auch das Unternehmen ­heißen.

Zu den Aufgaben des ambulanten Pflegedienstes Sonnenschein gehören das Geben von Medikamenten, Waschen, auch mal kleinere Tätigkeiten im Haushalt. Die Pflegekräfte fahren morgens von Kunde zu Kunde, abends noch einmal. Für die Zukunft kann sich Dirk Ortolf aber noch viel mehr vorstellen. Ein größeres Gebiet, vielleicht sogar eine Tagespflege. "Aber das sind alles noch Visionen", meint er. Nun müsse erst einmal die Basis gelegt werden.

Dazu gehört auch, Bekanntschaften zu schließen. Deshalb gibt es am Samstag, 26. Januar, ab 10 Uhr einen Tag der offenen Tür im Stadthofweg 1 auf dem Wimberg. Die Leute sollen laut Ortolf sehen, wer dahintersteckt. Und vor allem, wie viel Leidenschaft.

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