Bildung in Bad Teinach-Zavelstein
: Schulsozialarbeit soll in der Krokusschule unterstützen

An der Grundschule in Bad Teinach-Zavelstein soll 2026 Schulsozialarbeit eingeführt werden. Die Relevanz dafür sieht nicht nur die Schulleiterin.
Von
Ralf Recklies
Oberndorf
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Im Juni kommenden Jahres bekommt die Krokusschule nun auch Schulsozialarbeit mit einer halben Stelle.

Wolfgang Krokauer

Noch im Schuljahr 2025/2026 soll die Bruderhaus Diakonie Calw die Lehrer der Grundschule mit Schulsozialarbeit unterstützen. Zunächst ist eine halbe Stelle geplant.

An der Krokusschule in Zavelstein soll ab Juni 2026 Schulsozialarbeit angeboten werden. Der Bad Teinacher Gemeinderat hat auf Vorschlag der Verwaltung einstimmig dafür votiert. Für Renate Urban-Traub, die Rektorin der Krokus-Grundschule in Zavelstein, wie sie bei der Sitzung ausführte, steht außer Frage: „Wir sind keine Insel der Glückseligen mehr.“ Als sie vor zehn Jahren ihren Dienst als Schulleiterin in Zavelstein angetreten habe, sei das Thema Schulsozialarbeit „noch ganz weit weg gewesen“, so Urban-Traub bei der jüngsten Bad Teinacher Gemeinderatssitzung.

Auch im ländlichen Raum ist Bedarf

Inzwischen müsse man selbst in ländlichen Bildungseinrichtungen auf die Unterstützung von Schulsozialarbeitern setzen, da das Lehrerkollegium mit immer mehr Themen konfrontiert werde und es längst nicht mehr nur um den Bildungsauftrag und der damit verbundenen Wissensvermittlung gehe.

Früher habe man als Lehrerin zwar auch mit Themen wie Leistungsdruck oder der Angst von Schülern vor Klassenarbeiten zu tun gehabt. Viele andere Themen, die heute den Schulalltag bestimmten, hätten aber keine oder nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Ob körperliche Auseinandersetzungen oder fehlende Strukturen, Ausgrenzungserfahrungen oder psychische Probleme, Respektlosigkeit gegenüber den Lehrern und Mitschülern oder Bedrohungen: das Lehrerkollegium ist laut Urban-Traub heute an vielen Ecken gefordert. Dazu kämen Sprachprobleme, schwierige familiäre Verhältnisse oder Trennungen „und in jeder Klasse gibt es mindestens ein Kind, das nur nach der Einnahme von Medikamenten beschulbar ist“.

Nicht immer könne angesichts der teils erforderlichen Einzelfallhilfe der Schulalltag nach Plan gestaltet werden. Es sei daher Unterstützung durch Schulsozialarbeit erforderlich. Dies auch, da Schulsozialarbeiter mitunter einen anderen Zugang zu den Kindern fänden als Lehrer. Die Informationen, die vertraulich zwischen Schülern und Schulsozialarbeiter ausgetauscht würden, unterlägen zudem der Schweigepflicht – „außer es geht vielleicht um Kindeswohlgefährdung“, so Urban-Traub.

Begrenzte Möglichkeiten zum Handeln

Dass es für Lehrer gerade wegen der immer mehr um sich greifenden Respektlosigkeit heute mitunter schwieriger sei, als noch vor wenigen Jahren, liege auch daran, dass man als Lehrer sehr begrenzte Möglichkeiten zum Handeln habe. Wenn man einen Schüler nach einem Vorfall des Klassenzimmers verweisen wolle, der Schüler dieses aber nicht verlasse, könne man nichts machen. „Wir können ihn dann ja nicht einfach packen und raus tragen.“

Da es für Kinder mit Problemen wichtig sei, dass man jemanden an der Schule habe, der bei persönlichen Problemen zuhöre und Tipps gebe, macht sich Urban-Traub für die Einführung der Schulsozialarbeit stark. Schulsozialarbeit helfe, schwierige Situationen früh zu erkennen und unkompliziert aufzufangen.

Und eine Schule mit Schulsozialarbeit zeige, dass sie sich um das Wohl der Kinder kümmere, Beziehungen ernst nehme und vorbeugend arbeite. „Schulsozialarbeit ist heute ein Qualitätsmerkmal“, so Urban-Traub. Sie sei eine Hilfe für Schüler, aber auch für Eltern und Lehrer.

Auch von den Eltern muss mehr verlangt werden

Markus Wendel sieht das nicht anders. Allerdings verwies er auch darauf, dass mitunter in den Familien das eine oder andere bei der Erziehung versäumt werde. „Wir müssen auch von den Eltern mehr verlangen“, so Wendel.

Mit der Bruderhaus Diakonie Calw habe die Verwaltung bereits über die mögliche Übernahme der Schulsozialarbeit mit einer halben Stelle einen Partner gefunden. Die Stadt selbst sieht sich nicht imstande, selbst als Arbeitgeber aufzutreten. Da sei ein Partner mit Erfahrung die richtige Lösung. Und über Erfahrung verfüge die Bruderhaus Diakonie, die in verschiedenen Kommunen im Kreis Calw Schulsozialarbeit anbietet.

Im kommenden Jahr rechnet die Stadtverwaltung mit einem Start Anfang Juni mit Kosten in Höhe von 22 000 Euro. Im Folgejahr kalkuliert die Stadt mit Kosten von 38 500 Euro.

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