Ausbildung im Nordschwarzwald: So sehen die Zahlen, Daten und Fakten zum Ausbildungsmarkt aus

Bei den Top Ten der gemeldeten Ausbildungsstellen sind auch die Köche vertreten.
Sebastian Gollnow/dpaDie Chefin der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim, Martina Lehmann, zieht eine gemischte Bilanz für das Anfang September begonnene Ausbildungsjahr: „Einerseits ist die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen deutlich zurückgegangen, andererseits interessieren sich wieder mehr junge Menschen für eine betriebliche Berufsausbildung, das ist gut. Wir haben nach wie vor einen bewerberfreundlichen Ausbildungsmarkt mit mehr gemeldeten Ausbildungsstellen als Bewerberinnen und Bewerbern.“
Ausbildungsstellen Von Oktober 2024 bis September 2025 wurden dem Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim insgesamt 3497 Ausbildungsstellen gemeldet, 443 (11,2 Prozent) weniger als im Vorjahreszeitraum.
„Mir ist bewusst, dass es für unsere Unternehmen derzeit nicht leicht ist, Ausbildungsplätze anzubieten. Ich bin deshalb dankbar, dass viele weiterhin auf die eigene Ausbildung zur Sicherung ihres zukünftigen Fachkräftebedarfs setzen und appelliere an alle Ausbildungsbetriebe, bei ihren Ausbildungsbemühungen nicht nachzulassen, um auch zukünftig Wettbewerbsfähigkeit zu sein,“ so Lehmann.

Bestand an gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern und gemeldeten Ausbildungsstellen im Berufsberatungsjahr 2024/2025
Foto: Agentur für ArbeitDie Top Ten der gemeldeten Ausbildungsstellen führen die Kaufleute im Einzelhandel (420) an, gefolgt von den Verkäufern (217), den Fachwirtinnen – Handel (179), den Industriekaufleuten (129), den Industriemechanikerinnen (102) und den Köchen (99).
Freie Ausbildungsstellen
Von den gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen waren Ende September noch 588 unbesetzt. Gegenüber dem Vorjahr waren das 129 (18 Prozent) weniger. Die meisten freien Ausbildungsstellen gab es bei den Kaufleuten im Einzelhandel (38), Köchinnen (36), Hotelfachleuten (36), Fachleuten für Restaurants- und Veranstaltungsgastronomie (32) und Verkäufern (25).
Bewerber Einen Ausbildungsplatz mit Unterstützung der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim suchten 2924 Bewerberinnen und Bewerber, 178 (6,5 Prozent) mehr als vor einem Jahr. „Das Interesse an einer betrieblichen Berufsausbildung ist aktuell bei Jugendlichen wieder hoch, das war nicht immer so. Diese Entwicklung kommt zur richtigen Zeit, denn in den kommenden Jahren werden Unternehmen und Betriebe aufgrund der demografischen Entwicklung mehr denn je auf gut ausgebildeten Nachwuchs angewiesen sein“, so Lehmann weiter.
Berufsberatung Auch im vergangenen Berichtsjahr haben die Berufsberaterinnen und Berufsberater der Arbeitsagentur wieder daran gearbeitet, die Attraktivität der dualen Berufsausbildung ins Bewusstsein der Jugendlichen zu rücken. „Um die Jugendlichen gut zu erreichen, setzten wir beispielsweise wieder auf unsere große Ausbildungs- und Studienmesse ,Beruf aktuell’ im CongressCentrum Pforzheim (CCP) und natürlich auf unsere niederschwelligen Beratungsangebote in Schulen, Freibädern oder Jugendhäusern, aber auch auf die Top Job Messen in Calw, Nagold und Freudenstadt sowie die Ausbildungsmesse in Mühlacker,“ erläutert Lehmann.
Praktikumsangebote
Auch Praktikumsangebote wie etwa die landesweiten Praktikumswochen haben den Jugendlichen Einblicke in verschiedene Berufsfelder ermöglicht und so das Interesse an einer betrieblichen Ausbildung geweckt.
Berufswünsche
Hauptberufswünsche der Jugendlichen waren Kraftfahrzeugmechatroniker – Pkw-Technik (164), Industriekauffrau (145), Kaufmann für Büromanagement (138), Industriemechaniker (108), Medizinische Fachangestellte (107 ) und Kaufmann im Einzelhandel (93).
Abschlüsse 23,8 Prozent aller bei der Arbeitsagentur gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber hatten einen Hauptschulabschluss, 52,6 Prozent hatten einen mittleren Schulabschluss, 18,4 Prozent hatten die Fachhochschul- oder Hochschulreife. Nur 1,4 Prozent verfügten über keinen Schulabschluss.
Duale Ausbildung Das wachsende Interesse an einer dualen Ausbildung ist auch auf junge Menschen zurückzuführen, die keine deutsche Staatsangehörigkeit haben. Die Zahl der Bewerber mit deutscher Staatsangehörigkeit ist gegenüber dem Vorjahr lediglich um 69 (3,2 Prozent) gestiegen, bei ausländischen Bewerbern gab es dagegen eine Zunahme um 109 (18,5 Prozent). „Diese jungen Menschen müssen wir intensiv unterstützen und tun das auch. Alles andere wäre fahrlässig,“ betont die Agenturchefin.
Unbesetzt Zum Ende des Berichtsjahres gab es deutlich mehr unbesetzte Ausbildungsstellen (588) als unversorgte Bewerber (82). Trotzdem ist es nicht allen Bewerbern gelungen, einen Ausbildungsplatz zu finden. Angebot und Nachfrage passen oftmals regional, berufsfachlich oder qualifikatorisch nicht zusammenpassen. Auf 100 unbesetzte Berufsausbildungsstellen kommen 14 unversorgte Bewerber. Vor einem Jahr waren es nur neun unversorgte Bewerber auf 100 unbesetzte Ausbildungsstellen.
Flexibilität
Um Ausbildungsstellen zu besetzen oder den passenden Ausbildungsplatz zu finden, ist Flexibilität auf beiden Seiten gefragt. „Wenn sich eine Chance abzeichnet, unbedingt nutzen, auch wenn die angebotene Stelle oder, aus der Sicht der Unternehmen, die Bewerberinnen und Bewerber auf den ersten Blick nicht zu 100 Prozent den Vorstellungen entsprechen“, betont Lehmann.
Nachvermittlung Um die noch unversorgten Bewerberinnen und Bewerber mit den noch unbesetzten Ausbildungsstellen zusammenzubringen, wird die Arbeitsagentur ihre Vermittlungsanstrengungen bis mindestens Ende des Jahres fortsetzen. Viele Unternehmen suchen auch jetzt noch Nachwuchs, auch wenn das Ausbildungsjahr bereits begonnen hat. „Wer noch einen Ausbildungsplatz sucht und dabei professionelle Unterstützung möchte, sollte keine Zeit verstreichen lassen und ganz schnell Kontakt zur Berufsberatung aufnehmen,“ empfiehlt Lehmann.
Kostenfreie Servicenummer
Unter der kostenfreien Servicerufnummer 0800/455 55 00 erhalten Jugendliche auch kurzfristig Termine bei der Berufsberatung.