Aus der Neuweiler Geschichte: Einst gab es drei Männergesangvereine

Das war 1955 der Fest- und Rummelplatz beim vom Liederkranz Breitenberg ausgerichteten Gau-Sängerfest mit 75-jährigem Vereinsjubiläum.
Digitalarchiv SchabertVerstärkt durch auswärtige Sänger kam der MGV „Frohsinn“ Neuweiler jüngst unter Dirigent Michael Kalmbach beim Neujahrsempfang der Gemeinde Neuweiler in der Waldschulhalle mit gekonnt präsentierten Liedern gut an. An der Spitze des Vereins steht seit 2002 Vorsitzender Werner Bauschert aus Zwerenberg. Patenverein des am 28. März 1953 im Goldenen Lamm gegründeten Vereins war der 1880 entstandene Liederkranz Breitenberg. Eigentlich war es die Wiedergründung eines fast vergessenen Vorgängers.
Im Calwer Wochenblatt ist am 21. Oktober 1899 über die offizielle Einweihung der Schwarzwaldwasserversorgung zu lesen, wie beim Besuch des Innenministers Johann von Pieschek (1843-1916) zum „Fest, wie hier noch keines gewesen, […] der Gesangverein, der gerade ein Jahr besteht“, die Gäste aus diesem Anlass musikalisch willkommen hieß.
Das Dorf putzt sich heraus
Beschrieben wird, wie „Ehrenpforten, Kränze und Gewinde an den Häusern, Tannen an den Straßen, Fahnen- und Flaggenschmuck“ das Dorf herausputzten. „Zum Empfang der Gäste standen die Feuerwehrmänner sowie die Grabarbeiter der Wasserleitung mit Pickel und Schaufel Spalier“, ist festgehalten. „Während des Festmahls“, habe der Gesangverein noch manches Lied erschallen lassen, „zuweilen abgelöst vom unverdrossenen Chor der Schüler“. Beide Chöre leitete Schullehrer Pfrommer aus Neuweiler, ein geborener Calwer, wie explizit vermerkt ist. Er habe überhaupt „mit rastlosem Eifer und selbstloser Hingabe“ sich der Organisation des Programms angenommen, bei dem am Ende „die Strahlen der Hydranten in bengalischer Beleuchtung“ spielten.

Zum 60-jährigen Bestehen des MGV „Frohsinn“ Neuweiler bildeten die Sänger des Vereins zusammen mit denen des unter sie gemischten Zylinderchors vom FC Neuweiler 2013 einen Projektchor.
Foto: Digitalarchiv SchabertDer Chor vom Liederkranz Breitenberg wurde mangels Nachwuchses 1974 aufgelöst. Die wenigen noch aktiven Sänger wechselten zum „Patenkind“ MGV Frohsinn Neuweiler. So richtig zur Ruhe gesetzt wurde der Breitenberger Männergesangverein im Jahr 1989. Ein Protokoll der damals an einer Zusammenkunft unter der Regie von Altbürgermeister Johannes Kübler (1911-1999) beteiligten 14 Mitglieder verrät: „Der Verein soll ruhen, jedoch nicht aufgelöst werden.“
Mit einem Ausflug, in den damals das restliche Vereinsvermögen von 1331,63 D-Mark und was nach Fertigung eines Schaukastens übrig blieb investiert wurde, endete das aktive Vereinsleben. Der Schaukasten diente der Präsentation der Vereinsfahne im einstigen Vereinslokal „Krone“.
Allen Grund zum Feiern
Groß wurde 1955 das 75-jährige Bestehen des Liederkranzes begangen. Vom 16. bis 18. Juli war dies wohl die größte Veranstaltung, die Breitenberg je sah: Gekoppelt mit seinem 75-jährigen Jubiläum – die Sängervereinigung wäre jetzt also 146 Jahre alt – wurde das Gau-Sängerfest des Kniebis-Nagold-Gaus veranstaltet. Der Festzelt und ein kleiner Rummelplatz fanden auf einer Wiese im Teilort Vorderweiler Platz, wo heute zwischen der Hauptstraße 103 und dem Weg Hauswiesen Wohnhäuser stehen. Vom Rathaus führte ein Umzug zum Festplatz, den hinter Festreitern der Musikverein Stammheim mit anführte. Noch lange haben Musiker, Sänger, Breitenberger Festdamen der Jahrgänge 1936 bis 1938 und Zuschauer davon geschwärmt.
Reges Vereinsleben
In Zwerenberg hatte sich 1896 unter der Regie von Oberlehrer Betz ein Männerchor zusammengefunden, der in seinem Gründungsjahr an Weihnachten erstmals auftrat. Zum regen Vereinsleben gehörten Auftritte bei weltlichen und kirchlichen Anlässen, gemeinsame Ausflüge sowie das Spiel einer Theatergruppe. Den hohen Blutzoll des Ersten Weltkriegs verkraftete der Männergesangverein noch, als aber im Zweiten Weltkrieg alle Tenöre fielen, erfolgte der Übergang in einen gemischten Chor. Dieser mündete später in den Kirchenchor, den 1977 der einheimische junge Dirigent Ulrich Seeger übernahm. Aus Mitgliedern von diesem und unter Hinzugewinnung von Studienkollegen entwickelte der zum Friedberger Kantor gewordene Seeger ab 1979 die bekannten Zwerenberger Kirchenkonzerte.