Tiere in Balingen: Mikesch wird vermisst - wurde der Kater entführt?

Kater Mikesch ist spurlos verschwunden.
KalkbrennerMikesch räkelt sich im Waschbecken, Mikesch sitzt auf der Werkbank, Mikesch hat es sich auf dem Rahmen des geöffneten Fensters gemütlich gemacht: Armin Kalkbrenner zeigt Handyfotos seines schwarz-weiß gefleckten Katers.
Dabei merkt man dem hoch gewachsenen Mann mit den Tätowierungen an, wie verzweifelt er ist. Seit mehr als zwei Wochen fehlt von dem Kater jede Spur.
„Ich lebe alleine“, berichtet Kalkbrenner. „Mikesch ist der Einzige, der sich freut, wenn ich nach Hause komme.“ Der Kater erwarte seinen „Dosenöffner“ meist schon auf der Gartenmauer sitzend, schnurrend und auf ein Leckerli und eine Streicheleinheit wartend.
„Nirgends war Mikesch eingesperrt“
Klar komme es immer mal wieder vor, dass eine Katze ein paar Tage lang verschwunden sei. Im Fall von Mikesch halten aber sowohl er, als auch seine Nachbarn das für völlig unwahrscheinlich. Und auch, dass das starke Gewitter in der vergangenen Woche das Tier nicht nach Hause gespült hat – Mikesch hasst Regen – verursacht Kalkbrenner Bauchschmerzen.
Er hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, die ihm eingefallen sind: Kalkbrenner hat Zettel mit Suchmeldungen an Laternenpfosten angebracht, er hat ganz Roßwangen zu Fuß und mit dem E-Bike abgesucht und er hat quasi an jedem Haus geklingelt. „Alle haben mir die Garagen oder Schuppen geöffnet, aber nirgends war Mikesch eingesperrt.“
„Es sind schon mehrere Katzen verschwunden“
Vor wenigen Tagen bekam er einen Tipp, dass das Tier womöglich im Haus eines jüngst verstorbenen Mannes marschiert und dort noch sein könnte. Die Dorfgemeinschaft hat sich gekümmert und nachgeschaut – erfolglos.
Auch in den sozialen Netzwerken, bei Facebook etwa, hat Kalkbrenner eine Suchmeldung eingestellt. Dort meldeten sich weitere Katzenbesitzer, auch per privater Nachricht.
„Es sind schon mehrere Katzen verschwunden“, sagt Mikeschs Besitzer. Die Theorie der Katzenfreunde: Womöglich lockt jemand die Tiere an und sperrt sie dann zu Hause ein. Das sei, berichtet eine Nutzerin, häufiger der Fall, als man denke, sie verstehe nicht, warum man Tiere stehle, statt sich selbst welche zu kaufen.
Ihr eigener Nachbar habe eine ihrer zwei Katzen mit Futter angelockt und lasse das Tier nicht mehr gehen. „Er ist unbelehrbar“, schreibt sie.
„Er hat hier das geilste Leben“
Die Vorstellung, dass sein agiler Kater in einer Wohnung eingesperrt sein könnte ist für Kalkbrenner ein Alptraum. „Er muss jagen und klettern, das ist doch sein Leben.“ Dass Mikesch von sich aus weggelaufen ist, hält sein Besitzer für mehr als unwahrscheinlich. Direkt hinter dem Haus in der Roßwanger Zinkenstraße sei eine Wiese, dann komme der Wald. „Er hat hier das geilste Leben“, sagt Kalkbrenner.
Leider sei das Tier nicht gechippt und somit registriert. Kalkbrenner hat Mikesch von seiner Exfreundin übernommen. „Sie hat nach der Trennung alles mitgenommen, nur den Kater nicht.“
Sicher sei, sobald der Stubentiger, der ja eigentlich ein Freigänger ist, wieder auftauche, bekomme er ein GPS-Halsband. Bis dahin treiben Kalkbrenner viele Fragen um: Hat Mikesch sich mit dem Falschen, einem Fuchs womöglich, angelegt? Unwahrscheinlich, sagt er, Bekannte hätten den Wald durchkämmt. Und auch einen Autounfall schließt Kalkbrenner aus, nirgendwo sei eine tote Katze im Straßengraben gefunden worden.