Strasser-Areal Balingen: Nun fehlen 1,6 Millionen Euro

Das Strasser-Areal bleibt wohl noch eine ganze Weile unbebaut.
Andrea MauteEs ist kaum vorstellbar, wie viel Zeit und Energie Stadtverwaltung, Gemeinderat und Wohnbaugenossenschaft im vergangenen Jahr in das Thema Bebauung des Strasser-Areals gesteckt hatten. Vor einem Monat dann der Nackenschlag: Das Projekt ist gescheitert. Wir haben uns noch mal bei der Stadt und der Balinger Wohnbaugenossenschaft nach den Hintergründen erkundigt und gefragt, wie es nun weitergeht.
Geschäftsführer der Wohnbau Matthias Aigner benennt noch mal die Gründe, wieso letztlich die Reißleine gezogen werden musste: So sah das Konzeptvergabeverfahren der Stadt eine ansprechende hochwertige Architektur und Bauweise sowie eine umfangreiche „öffentliche Nutzung“ für das Gebäude und den Platz vor. „Leider scheitert es aktuell an den öffentlichen Nutzern“, so Aigner auf unsere Anfrage.
Probleme im Bausektor
„Weder Ärzte, Physiotherapeuten, Gastronomie, Biomärkte, Bäckereien, Cafés, etc. können sich die aktuellen Preise, egal ob Miet- oder Kaufpreise leisten. Das gibt das jeweilige Geschäftsmodell nicht her“, lautet die schonungslose Analyse. Trotz vieler Verhandlungen sei niemand bereit gewesen, an diesem Standort zu den benötigten Preisen einzusteigen.
Aigner betont dazu, dass dies keine Problematik ist, die das Strasser-Areal gepachtet hat. „Generell ist die Lage im gesamten Bausektor, egal in welcher Projektgröße, sehr herausfordernd. Die Bau- und Grundstückspreise steigen derzeit nicht wesentlich, verharren aber auf hohem Niveau.“ Dazu kämen strenge gesetzliche und konzeptrelevante Vorgaben und der Fachkräftemangel im Handwerk.
Besorgt zeigt sich neben der Genossenschaft auch die Balinger Verwaltungsspitze: „Ich bedauere, dass es aufgrund der allgemein nach wie vor schwierigen Lage am Immobilienmarkt nicht zur Umsetzung des Konzepts der Balinger Wohnbau gekommen ist“, meint Balingens OB Dirk Abel. Dies sei jedoch auch eine gute Chance, das Strasser-Areal nochmals neu zu denken.
Weiter Thema im Rat
Und genau das ist der Plan. „Das Thema wird in der ersten Jahreshälfte 2026 im Rat weiter intensiv diskutiert werden“, schreibt Stadtsprecher Dennis Schmidt und betont: „Alle Entscheidungen obliegen dem Gremium.“
Die Verwaltung selbst mache sich weiter „intensiv Gedanken über die weitere Nutzung und eine mögliche Bebauung. Konkrete Pläne unsererseits liegen nicht final vor“, so die Aussage der Stadt. Vorstellbar wäre eventuell eine Bebauung für einen öffentlichen Zweck. Das wird dann alles Gegenstand der Bewertungen im Gemeinderat.
Gelände bleibt unberührt
Dieser Austausch dürfte spannend werden. Schon das geplante und nun gescheiterte Baukonzept stieß im Gremium nicht nur auf Gegenliebe. Vor allem SPD und FDP äußerten sich immer wieder kritisch zum Entwurf. FDP-Fraktionschef Dietmar Foth sagte einmal: „Der Vorschlag der Wohnbau ist enttäuschend, der Entwurf bietet nichts Besonderes. Wir forderten für das Strasser-Areal ein Vorzeigeprojekt – davon ist hier überhaupt nichts zu erkennen.“
Das Gelände an der Eyach bleibt erst einmal weiter unberührt. Solange das der Fall ist, will die Stadt die Fläche wie bisher als Aufenthalts- und Veranstaltungsfläche nutzen. Fußballfans kamen hier zum Beispiel im Sommer 2024 zusammen, um gemeinsam der Fußball-Nationalmannschaft bei der Heim-EM zuzujubeln. Auch der Christkindlesmarkt findet mittlerweile zum Teil auf der Plaza statt.
Haushalt im Blick
Neben Wohnraum und Platz für Einzelhändler gehen der Stadt mit der Entscheidung auch noch 1,65 Millionen Euro durch die Lappen. Sie viel hätte die Wohnbau für den Bauplatz überweisen müssen. Das Gelände bleibt nun aber vorerst in städtischer Hand. Das Problem: Diese Summe war für den diesjährigen Haushalt eingeplant. „Wir werden die Haushaltsentwicklung im Laufe des Jahres genau beobachten und dann gegebenenfalls mit anderen Verkäufen oder weiteren Ausgabenreduzierungen reagieren“, so Schmidt.
Und könnte die Stadt mithilfe der neuen Bürgerstiftung ein annehmbares Bauprojekt realisieren? Stadtsprecher Schmidt verneint: „Das Gründungskapital der Bürgerstiftung ist aktuell nicht so dimensioniert, dass hier entscheidende finanzielle Unterstützungen möglich sind. Im Übrigen liegen die Entscheidungen über die Verwendung der Mittel der Bürgerstiftung ausschließlich beim Stiftungsrat.“
Bis auf der Plaza also die Bagger anrollen, wird noch viel Wasser die Eyach runterfließen. Energie und Zeit müssen wohl weiterhin von allen Beteiligten investiert werden.
