Schömberg
: "Fasnet war wichtiger als Kommunion"

Berthold Wuhrer hört nach 42 Jahren als stellvertretender Zunftmeister auf / Narrentreiben liegt ihm "im Blut"
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Schwarzwälder-Bote
Oberndorf
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Berthold Wuhrer, langjähriger Narrenrat, steht der Schömberger Zunft auch in Zukunft als Seniorenbeauftragter sowie als Führer im Narrenmuseum zur Verfügung. Foto: Schütz

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Von Larissa Schütz

Schömberg. 42 Jahre lang gehörte er dem Schömberger Narrenrat an: Vize-Zunftmeister Berthold Wuhrer gibt sein Amt ab, nicht aber die Liebe zur Fasnet. Auch künftig will er sich in der Zunft engagieren.

Wenn ein Kind lieber auf seine Erstkommunion verzichtet als aufs närrische Treiben, muss ihm die Fasnet wirklich am Herzen liegen. Noch heute muss Berthold Wuhrer schmunzeln, wenn er an den Vorfall zurückdenkt: "Der Pfarrer hatte damals verboten, dass man Masken trägt. Es würde sonst keine Erstkommunion geben", erzählt er. "Mir war das egal. Ich hätte eher auf die Kommunion verzichtet. Mein Vater war dann mit mir beim Pfarrer, und am Ende durfte ich meinen Husar doch anziehen."

Die Schömberger Fasnet liegt Wuhrer "im Blut", oder, wie er auch sagt: "Man ist schon a bissle angehaucht." Das stimmt vermutlich: Immerhin war es sein Großvater Johann Wuhrer, der um 1900 "Da Bolanes" einführte und sein Onkel betätigte sich 40 Jahre lang als Säckelmeister im Narrenrat.

"Heute gibt es zu viele Narrenzünfte"

Dessen Ausscheiden 1971 war es auch, das Berthold Wuhrer quasi als "Ablösung" in die Runde der Narrenräte hob – damals war er gerade 19. Stellvertretender Vorsitzender wurde er schon sieben Jahre später – allerdings nur für vier Jahre. "Damals war das Amt des Vize noch mit dem des Schriftführers zusammengelegt, das wurde erst später getrennt", erinnert sich Wuhrer, der das Amt des stellvertretenden Zunftmeisters seit 2001 erneut bekleidet.

"Papierkram" hat ihm noch nie besonders zugesagt, auch heute nicht: "Das ist sehr viel mehr geworden." Wenn man früher zu einem Narrentreffen gegangen sei, habe man vorher kurz angerufen. Heute brauche man jede Menge ­E-Mails, Rückbestätigungen und so weiter, stellt er fest. Aber heute gebe es auch viel, viel mehr Narren. "Wenn wir früher vom ›Bajazzo‹ zum ›Waldhorn‹ gezogen sind, hatte der ganze Umzug mit Musikanten, Narren und Fuchswadeln im Gasthaus Platz – das ist heute unmöglich."

Viele Narren bedeuten viel Arbeit und viele Pflichten, vor allem als Narrenrat: "Nach 42 Jahren wird man schon etwas amtsmüde." Vor vier Jahren wollte er eigentlich aufhören, allerdings zählte just an dieser Fasnet sein Sohn zu den "Zwanzgern". "Da konnte ich natürlich nicht gehen", lacht er. In den vergangenen Jahren, sagt Wuhrer, sei er an der Fasnet einmal als Posaunenspieler mit der Stadtkapelle mitgelaufen, montags als Narrenrat und dienstags als Fuchswadel, dazu kam jede Menge Organisation und Verantwortung. "Man ist völlig eingespannt. Ich habe zum Beispiel noch nie einen anderen Narrensprung angesehen, dabei bin ich seit Jahren in Villingen und Rottweil eingeladen."

Das will er nun nachholen – nicht alles auf einmal allerdings, denn an der Schömberger Fasnet wird er weiterhin teilnehmen: "Als Ehrennarrenrat darf ich ja immer mitlaufen." Nur die Verpflichtungen fallen für ihn weg. Dass er trotzdem freiwillig bei vielen Dingen helfen wird, steht für ihn fest, abgesehen davon, dass er weiterhin als Seniorenbeauftragter tätig sein und die Führungen im Narrenmuseum übernehmen wird. "Einen abrupten Abbruch wird es da nicht geben", ist er sich sicher. "Und ganz aufhören werde ich auch nie."

So wird er zum Beispiel beim Einsammeln der Mitgliedsbeiträge in diesem Jahr noch einmal sein altes Gebiet übernehmen. "Dort bin ich seit Jahren unterwegs. Leute sind gestorben und Enkel groß geworden – die rufen dann ›Da kommt wieder der Bollenmann‹. So etwas ist einfach schön", erzählt der Narrenrat. Manchmal müsse man Tröster sein, wenn jemand gestorben oder etwas Schlimmes passiert sei. Manchmal verbringe man einen ganzen Abend nur in einem Haus. Man bekomme ein Schnäpsle und alles Mögliche geschenkt.

Schöne Erinnerungen und Erfahrungen hat Wuhrer in den vergangenen 42 Jahren viele gesammelt. Immerhin hat er sechs Schömberger Zunftmeister sowie vier Präsidenten bei der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte kommen und gehen sehen.

Ganz besonders und kaum zu übertreffen sei natürlich die "Zwanzger"-Fasnet gewesen, entsinnt sich der Schömberger mit leuchtenden Augen. "Normalerweise wartet man als Kind auf die Einschulung, Kommunion, Firmung und darauf, dass man 18 wird. In Schömberg wartet man darauf, dass man Zwanzger wird – danach ist der nächste Meilenstein erst wieder die Rente", scherzt er.

Ebenfalls ein großartiges Erlebnis sei der Besuch der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte in Berlin gewesen. "Wir waren mit sechs Schömbergern dabei, und es gab einen Narrensprung durchs Brandenburger Tor, bei dem alle möglichen Fernsehsender dabei waren – das war schon ein Highlight", sagt Wuhrer. Im Reichstag hätten alle Sitzungen unterbrochen werden müssen, als die Narren unter der Kuppel mit Karpatschen, Trommeln und den Glocken gelärmt haben.

Inzwischen jedoch, findet Wuhrer, gebe es zu viele Narrentreffen. "Früher ist Schömberg bei einem Narrentreffen auseinandergebrochen", erinnert er sich. Heute fänden zu viele solcher Veranstaltungen statt. Es sei schade, dass fast jede Gemeinde eine Zunft habe – ob die sich lange halten, sei eine andere Frage.

Was sich allerdings nicht ändern dürfe seien die Fasnetstraditionen: Denn, daran hält der Narrenrat unwiderruflich fest: "Die Fasnet darf auf keinen Fall verwässert werden." Das beginne bei Kleinigkeiten – etwa der Frage, ob die Schuhe schwarz sein müssen, das Fransen­kleidle eine Pralinenschachtel oder der Fuchswadel eine Narrenwurst dabei haben muss. "Solche Diskussionen ufern schnell aus, und dann geht die Fasnet ganz schnell zugrunde." Welche Erfahrungen der künftige Ehrennarrenrat sonst noch gemacht hat? "Die Fasnet im Städtle ist doch die schönste", sagt Berthold Wuhrer. "Da hängt das Herz dran."

u Berthold Wuhrer wird in der Versammlung der Narrenzunft, Beginn ist heute um 20 Uhr in der Stauseehalle, aus seinem Amt verabschiedet.

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