Räder aus Rosenfeld
: Blickle liefert Schlüsselkomponente für Tunnelbau am Brenner

Die Firma Blickle aus Rosenfeld hat ein Produkt hergestellt, das entscheidend für den Bau des Brenner-Basistunnels ist.
Von
Alissa Rütschle
Oberndorf
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Der geschäftsführende Gesellschafter für den Bereich Technik David Blickle (links) und der Konstrukteur Thomas Zimmer mit den Spezialrädern

Blickle

Ein Rad mit 1,31 Metern Durchmesser verlässt nicht jeden Tag die Produktionshallen der Firma Blickle. Für ein Großprojekt im Tunnelbau entwickelte das in Rosenfeld ansässige Unternehmen eine Speziallösung, die in ihrer Dimension neue Maßstäbe setzt. Das Produkt kommt beim Bau des Brenner-Basistunnels zum Einsatz – einem der größten Infrastrukturprojekt Europas.

Der Auftrag ging an Blickle über eine Anfrage der Marti Technik AG aus Österreich. Wie aus dem Unternehmen Blickle zu erfahren war, sei die Kontaktaufnahme über den Außendienst in Österreich erfolgt. Es wurde schnell klar, dass ein Standardprodukt den komplexen Anforderungen des Tunnelbaus nicht gerecht werden würde. Daraufhin wurde die Entwicklung einer Sonderlösung an den Hauptsitz in Rosenfeld übergeben.

Was nicht passt, wird passend gemacht

Blickle sei in der Branche für Räder und Rollen für seine große Produktpalette bekannt – über 30 000 Standardartikel umfasse das Sortiment. Wenn darunter jedoch nicht das passende Produkt dabei ist, entwickelt Blickle maßgeschneiderte Sonderlösungen für seine Kunden. Die notwendige Kompetenz dafür sei am Standort Rosenfeld vorhanden: Konstruktion, Fertigung und Logistik befinden sich unter einem Dach.

Für das Tunnelbauprojekt war ein Rad gefragt, das in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich sein musste. Es sollte nicht nur ein erhebliches Gewicht – bis zu 75 Tonnen pro Achse – tragen, sondern dies unter schwierigen Bedingungen leisten: im feuchten, kalten Tunnelklima. Besonders herausfordernd sei die geforderte geringe Flächenpressung gewesen, also der Druck, den das Rad auf die Betonoberfläche ausübt.

Als Lösung entwickelte Blickle ein sogenanntes Schwerlast-Anflanschrad. Dabei handelt es sich um eine spezielle Radkonstruktion, die fest an einem stabilen Bauteil verschraubt wird und hohe Lasten tragen kann. Das Rad hat einen Durchmesser von 1,31 Metern. Dies sei laut dem Unternehmen das größte Rad, das jemals dort gefertigt wurde. Technisch und logistisch stellte das Produkt die Beteiligten vor einige Herausforderungen. Aufgrund von Gewicht und Größe mussten spezielle Transportpaletten konstruiert und Bohrungen im Radkörper vorgesehen werden, um die Handhabung mit Kränen zu ermöglichen.

So wird die Konstruktion eingesetzt

Eingesetzt wird das Schwerlastrad im Rahmen des Tunnelprojekts auf sogenannten Fahrwerken – das sind bewegliche Unterbauten, auf denen schwere Bauteile transportiert werden. In diesem Fall tragen die Fahrwerke eine sogenannte Sohlbetonbrücke. Dabei handelt es sich um eine große, bewegliche Plattform, mit der der Beton für den Tunnelboden eingebracht wird. Sie ermöglicht es, den frischen Beton gleichmäßig zu verteilen und zu glätten, während gleichzeitig schwere Maschinen darauf stehen oder mitfahren können.

Innerhalb von 15 Wochen – von der ersten Anfrage im Februar bis zur Auslieferung Ende Mai 2024 – seien Konstruktion, Produktion und Logistik abgeschlossen worden. Auch wenn das Rad derzeit ausschließlich für den Tunnelbau konzipiert ist, sei ein Einsatz in anderen Bereichen grundsätzlich denkbar, erklärt das Unternehmen.

Die Erfahrung habe gezeigt, dass man auch unter hohem Zeitdruck komplexe Aufgaben bewältigen könne.

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