Naturdenkmal in Balingen: 140 Jahre alte Eiche vom Blitz getroffen

Die Eiche wurde durch den Blitzeinschlag schwer beschädigt.
Stadt BalingenObwohl das Gewitter am Mittwochvormittag nur von kurzer Dauer war, hat es in der Kreisstadt Balingen doch seine unerfreulichen Spuren hinterlassen. Neben dem Turm der Stadtkirche, wo ein Blitzeinschlag möglicherweise den erneuten Stillstand der Kirchturmuhren verschuldet hat, fiel dem Gewitter außerdem ein ganz besonderer Baum zum Opfer.
Eine der markantesten Eichen auf dem Heuberg, ein geschätztes Naturdenkmal, wurde vorgestern durch einen Blitzschlag schwer beschädigt und sei nicht mehr zu retten, wie die Stadt in einer Pressemitteilung berichtet. Die jahrhundertealte Eiche, die für ihre beeindruckende Größe und majestätische Erscheinung bekannt war, wurde durch den Einschlag irreparabel beschädigt.
Nicht mehr verkehrssicher
Baumkontrolleur Michael Brehmer hat die Eiche untersucht und festgestellt, dass sie nicht mehr als verkehrssicher eingestuft werden kann. „Von der Krone abwärts bis zum Stamm weist der Holzkörper viele Längs- und Querrisse auf. Die Rinde und das Kambium sind größtenteils verdampft, und die verbleibende Rinde ist nicht mehr mit dem Stamm verbunden“, erläuterte Brehmer. „Die Bruchsicherheit der Krone beziehungsweise des Stammes ist daher nicht mehr gewährleistet.“
Für Tiere erhalten
Jens Ruggaber, zuständig für Naturdenkmale, betont die Bedeutung des Baumes für die Region und erklärt, dass mögliche weitere Vorgehensweisen mit dem Denkmalamt abgestimmt werden müssten. „Die Erstellung einer Habitatsstruktur wäre denkbar, um den Baum als Lebensraum für verschiedene Tierarten zu erhalten“, so Ruggaber.
Im Jahr 2000 als Naturdenkmal ausgewiesen
Die Stadt Balingen bedauert den Verlust dieser Eiche als Teil der wertvollen Baumgruppe „Luthereiche, Karlseiche, Wilhelmslinde“ auf dem Balinger Lindle, die bereits mit Verordnung vom 15. Februar 2000 als Einzelnaturdenkmal ausgewiesen wurde. Dabei handelt es sich um historische Einzelbäume.
Historische Bedeutung für Balingen
Der älteste davon ist, so schrieb es der mittlerweile verstorbene Waldemar Rehfuss in einem Beitrag für die Heimatkundlichen Blätter 1996, die sogenannte Kronprinzen-Eiche: Sie wurde 1823 zu Ehren des frischgeborenen Karl gepflanzt, Sohn des damaligen württembergischen Königs Wilhelm I. und dessen Frau Pauline.
Die sogenannte Wilhelms-Linde folgte 1841, Anlass war das Regierungsjubiläum des Königs.
Baum war 140 Jahre alt
Der nächste in der Reihe der besonderen Exemplare ist die 1883 gepflanzte Luther-Eiche; Anlass war dessen 400. Geburtstag. Man wolle damit „der Freude und Verehrung über die Leistungen des großen Reformators“ Ausdruck verleihen, heißt es im dazugehörigen Gemeinderatsbeschluss. Sie ist es, die dem Blitzeinschlag zum Opfer fiel.
Über die weiteren Schritte zur Erhaltung der natürlichen Vielfalt und Sicherheit wird die Stadt die Öffentlichkeit auf dem Laufenden halten.