Landratsamt Zollernalbkreis
: Walter Stocker sieht sich als Vermittler

Walter Stocker ist der neue Bürgerbeauftragte des Zollernalbkreises. Wie er den Überblick im Verwaltungslabyrinth behält.
Von
Sophie Holzäpfel
Oberndorf
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Selbst leidenschaftlicher Segler: Walter Stocker in seinem Büro im Landratsamt neben seinem Lieblingsbild. Das Motiv zeigt einen Uferabschnitt am Bodensee.

Sophie Holzäpfel

Von seinem Büro im fünften Stock des Landratsamts kann Walter Stocker die sanft fallenden Hügel hinter den Grenzen der Eyachstadt sehen. An guten Tagen, bei klarer Sicht, sieht er bis auf die Schwäbische Alb. Die Unterlagen auf seinem Schreibtisch sind fein säuberlich sortiert. Der 57-jährige Stettener ist ein organisierter Mensch, der den Überblick behält.

Seit 1995 arbeitet er im Landratsamt, leitet dort das Rechnungsprüfungsamt. Am 1. Januar hat der Mann der Zahlen ein weiteres Amt übernommen: Walter Stocker ist der neue Bürgerbeauftragte. Er ist damit Nachfolger von Karl Wolf, dem bisherigen Dezernenten der Hauptverwaltung, der in den Ruhestand verabschiedet wurde.

„Es schlägt jeden Tag ein neuer Fall auf“, sagt Stocker. Keine Sekunde habe er gezögert, als Landrat Günther-Martin Pauli ihn im vergangenen Sommer gefragt habe, ob er sich künftig den Bürgerfragen annehmen wolle. Gut vorbereitet habe er sich gefühlt – der ehemalige Ortsvorsteher und Kommunalpolitiker kennt sich mit der Rolle des Vermittlers zwischen Bürgern und Verwaltung aus. Die Wege im Landratsamt seien kurz, er sei bestens vernetzt, so Stocker.

Direkte Kommunikation

Weit über 100 Anliegen erreichen den Bürgerbeauftragten jedes Jahr. Die Themen reichen von Fragen zur Bearbeitung von Anträgen über Unstimmigkeiten mit Sachbearbeitern bis hin zu Problemen mit Fachämtern. „Der Bürgerbeauftragte ist die zentrale Anlaufstelle für die Menschen im Zollernalbkreis, um sich im Verwaltungslabyrinth zurechtzufinden“, erklärt Walter Stocker. „Gleichzeitig bekommen wir als Rechnungsprüfungsamt durch die direkte Rückmeldung aus der Bürgerschaft schneller mit, wo der Schuh drückt und wo Verbesserungen möglich sind.“ Nicht zuständig ist der Bürgerbeauftragte jedoch bei Nachbarschaftsstreitereien – „hier kann ich keine Unterstützung leisten.“ Im Falle von Beschwerden wählt er stets den Weg der direkten Kommunikation: „Ich wende mich dann direkt an den zuständigen Sachbearbeiter und wir suchen gemeinsam nach Lösungen.“ Mit welchen Anliegen wenden sich die Menschen im Landkreis an ihn? „Im Grunde mit der ganzen Bandbreite vom Leben. Mit Problemen bei Anträgen zum Beispiel.“

Am häufigsten, führt Stocker weiter aus, schlagen Fälle vom Sozialamt bei ihm auf. „Die Bearbeitung von Unterlagen läuft schleppend“, sei etwa ein Satz, der häufiger falle. „Dann gehen wir den Fall durch und stellen dann oft fest, dass zum Beispiel noch Unterlagen fehlen und nachgereicht werden müssen.“

Sein Antrieb sei es, Menschen zu helfen, sagt der neue Bürgerbeauftragte. „Dazu mache ich das schließlich.“ Sein Leitgedanke: Probleme nicht nur aufnehmen, sondern lösen. Stocker will die Bürger Schritt für Schritt begleiten und stets ansprechbar sein – vom Antrag bis zur Entscheidung.

Abseits der Zahlen

Ein Großteil der Menschen wendet sich per E-Mail mit Anliegen an ihn, manche kämen hingegen unangekündigt vorbei. „Es geht auch um Schadensfälle und oft kommen Fragen nach der Zuständigkeit.“ Auch dafür sei er da, betont Stocker.

Wer denkt, dass der Bürgerbeauftragte nach Büroschluss einfach abschalten kann, der irrt. Stocker nimmt die Anliegen der Menschen mit nach Hause: „Manche Fälle gehen mir noch lange im Kopf herum. Das war schon so, als ich noch Ortsvorsteher war.“ Er habe in seiner neuen Funktion noch kein aggressives Verhalten von Bürgern erlebt. Kritik ja, aber der Dialog sei bislang konstruktiv.

Als Abwechslung zu Akten, Fällen und Zahlen spielt der 57-Jährige Trompete und Flügelhorn, verbringt Zeit auf seinem Waldgrundstück und segelt im Sommer über den Bodensee. Ja, am ehesten könne er in der Natur abschalten. Und bei der Fasnet: „Ich bin närrisch unterwegs.“

Er schiebt hinterher: „Aber Abschalten fällt mir nicht leicht.“ Sein Bedürfnis nach Ablenkung sei ohnehin nicht allzu groß: „Ich mache meinen Job sehr gerne.“ Auch nach mehr als 30 Jahren komme er noch immer gerne in sein Büro im fünften Stock. Etwas zu bewirken, weiterhelfen zu können, ist ein Gefühl, das ihn durch den Alltag trägt, sagt Walter Stocker.

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