Inklusiver Kurs
: Wie „Rolli-Zumba“ in Killer Sport für alle möglich macht

Rolli-Zumba bringt Bewegung in den Zollernalbkreis: Ein inklusiver Kurs begeistert Teilnehmer zwischen 35 und 93 Jahren – und zeigt, wie viel Spaß Sport für alle machen kann.
Von
Jennifer Merk
Oberndorf

Trainerin Angela Lachner-Wehrmann (unten in der Mitte) und die Teilnehmer des Rolli-Zumba-Kurses.

BoT

Die Musik setzt ein – ein treibender Latin-Beat, wie man es aus jedem Zumba-Kurs kennt. Der Saal im Bürgerhaus in Killer ist mit weit auseinanderstehenden Stühlen für die Teilnehmer bestückt. Zwischendrin sitzen auch Menschen in Rollstühlen. Sie strahlen, begrüßen sich teilweise noch kurz, lachen und freuen sich sichtlich auf den gleich beginnenden Kurs.

„Wir starten mit dem Warm-up“, ruft Angela Lachner-Wehrmann. Sie ist zertifizierte Zumba-Trainerin und gestaltet den Rolli-Zumba-Kurs – ehrenamtlich. Das habe sich zufällig ergeben: Sie wurde auf die Selbsthilfegruppe „Barrierefrei on Tour Zollernalbkreis“ (kurz BoT) aufmerksam. Im Austausch habe sich herausgestellt, dass es im Landkreis nicht viele Sport-Angebote für Menschen mit körperlichen Einschränkungen gibt. Deshalb beschloss sie kurzerhand, ihr Zumba-Training auch im Sitzen anzubieten.

„Aber eigentlich kann jeder beim Rolli-Zumba mitmachen. Auch Menschen, die nicht im Rollstuhl sitzen oder auch gar keine Bewegungseinschränkungen haben. Die können dann entweder mit einem Stuhl oder im Stehen trainieren“, erklärt Lachner-Wehrmann. Hauptsache das Angebot mache es jedem möglich, mitzumachen, Sport zu treiben und vor allem eines: Spaß zu haben.

Großes Interesse an inklusivem Angebot

Trainiert werden dabei die Ausdauer, die Koordination und die Muskulatur. „Vor allem natürlich die Rumpfmuskulatur, da wir ja hauptsächlich mit dem Oberkörper arbeiten. Also Schultern, Brust- und Bauchmuskeln“, erläutert sie.

Wir waren beim Rolli-Zumba dabei:

Nicht nur die Teilnehmer freuen sich jeden Montag auf das Angebot – „auch für mich ist es immer ein Highlight Anfang der Woche“, sagt Lachner-Wehrmann strahlend. Sie findet es schön, dass der Kurs so gut angenommen wird. Bereits im Winter habe es ein paar Einheiten gegeben, zu denen sich damals etwa zehn Menschen angemeldet haben. Der aktuelle Kurs findet fünf Mal statt, begann im März und die Anzahl hat sich auf 25 bis 30 Teilnehmer erhöht. Die Trainerin fasst das als Lob auf.

Zu wenige Angebote für Menschen mit körperlichen Einschränkungen

Das inklusive Angebot ist offiziell ein Projekt des Vereins Amsel e.V., Kontaktgruppe Zollernalbkreis – eine Anlaufstelle für MS-Betroffene und deren Angehörige. „Wir haben das als Netzwerkpartner gemeinsam organisiert“, erklärt Steffen Baumgart, der Mitglied der Selbsthilfegruppe „Barrierefrei on Tour Zollernalbkreis“ ist.

Dabei hätten Verein und Selbsthilfegruppe schon Jahre lang immer wieder nach Möglichkeiten gesucht, Menschen mit körperlichen Einschränkungen ein Sportprogramm anbieten zu können. „Also nicht einfach nur Physiotherapie, sondern wirklich Sport. So wie andere Menschen eben auch zum Sport gehen“, erklärt Baumgart.

Zumba-Trainerin Angela Lachner-Wehrmann und das Team von der Selbsthilfegruppe „Barrierefrei on Tour Zollernalbkreis“ (von links): Oliver Kern, Ute Tatzel-Nowel und Steffen Baumgart.

Foto: BoT

Dass sich das mit Zumba-Trainerin Angela Lachner-Wehrmann so ergeben hat, sei ein glücklicher Zufall gewesen. „Ansonsten gibt es eben kaum sportliche Angebote für uns im Zollernalbkreis“, weiß Baumgart. Viele Sportstätten seien nicht barrierefrei, deshalb sei er der Ortsverwaltung Killer sehr dankbar dafür, dass sie den Saal des Bürgerhauses nutzen können.

Nächster Kurs soll im Spätsommer stattfinden

Im Spätsommer soll dort noch einmal ein Rolli-Zumba-Kurs stattfinden. Baumgart hofft, dass sich dann noch mehr Menschen anmelden. „Und es kann wirklich jeder mitmachen. Egal wie eingeschränkt man ist – oder eben auch nicht – , woher man kommt oder wie alt man ist. Bei diesem Kurs jetzt haben wir eine Altersspanne von 35 bis 93 Jahren.“

Und alle Teilnehmer seien mit Freude dabei. Genau das sei Trainerin Angela Lachner-Wehrmann auch am wichtigsten: „Dass die Menschen abschalten, ihre Batterie wieder aufladen können und einfach Spaß an der Bewegung haben.“

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