Gesundheit im Zollernalbkreis: Klinik-Chef Hinger – Reform unumgänglich

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion (von links): Tom Bschor, Gerhard Hinger, Nabil Atassie, Henriette Neumeyer und Francesco De Meo
StotzAls sich am vergangenen Freitagabend vier Gesundheitsexperten trafen, um über das Thema Krankenhaus der Zukunft zu diskutieren, waren zahlreiche Zuhörer in die Schwelhalle in Frommern gekommen.
Die Veranstaltung startete mit einem Impulsvortrag des Leiters der Regierungskommission am Bundesgesundheitsministerium, Tom Bschor. Demnach geht es derzeit um die Perspektivfragen: Was brauchen Patienten und Krankenhäuser, und wie effizient ist die Gesundheitsversorgung?
2029 soll die Reform abgeschlossen sein
Bschor zufolge liegt die Bettenauslastung deutscher Krankenhäuser derzeit bei rund 70 Prozent. Effizienz beginne jedoch erst bei 85 Prozent, sagte er. Die hohen Gesundheitsausgaben zwängen daher zu einer Reform. Diese sei bereits in der letzten Legislaturperiode angestoßen worden und werde nun laut Koalitionsvertrag vollendet. Ab Oktober 2026 sollen die einzelnen Bundesländer den Krankenhäusern sogenannte Leistungsgruppen zuweisen. In den darauffolgenden beiden Jahren soll das Prinzip der Vorhaltefinanzierung abgeschlossen sein. In vier Jahren, nämlich 2029 soll die Reform dann, inklusive der Finanzierungssystematik vollständig abgeschlossen sein.
„Dass wir etwas ändern müssen, ist allen Beteiligten klar“, konstatierte Gerhard Hinger in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer des Zollernalb Klinikums. Seinen Worten nach, sei die Reform vor allem auch deshalb unumgänglich geworden, um unstrukturierte Schließungen zu vermeiden.
Digitalisierung wird forciert
Der Moderator der Veranstaltung, Nabil Atassi, stellte unter anderem die Frage wie heute die Medizin von morgen konzeptioniert werden könne, da sich so viel so schnell ändere. Hinger wies in diesem Zusammenhang auf den beschlossenen Bau des Zentralklinikums hin. Hier werde heute bereits in die Zukunft investiert, nicht zuletzt forciere man die dringend nachzuholende Digitalisierung.
In ihrer Funktion als stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft wies Henriette Neumeyer mehrfach auf die schlechte Personalsituation hin. Gegenwärtig ziehe man das Personal, das im Ausland häufig teuer ausgebildet worden sei, aus den jeweiligen Ländern ab, um den Personalbedarf hierzulande abzudecken. Auch werde die Medizin nicht ressourceneffizient genutzt. Es bestünde daher eher ein relativer Mangel an medizinischem Personal, als ein absoluter Mangel. Entscheidend sei es deshalb, die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten zum Positiven zu verändern. Darüber hinaus warb sie für den vermehrten und besseren Einsatz von Künstlicher Intelligenz sowie von Telemedizin.
Vertrauen muss zurück gewonnen werden
Doktor Francesco De Meo, ehemaliger Vorsitzender des Helios-Konzerns und ehemaliges Vorstandsmitglied des Medizintechnik- und Gesundheitsunternehmens Fresenius, kritisierte die noch immer bestehende Aufteilung in zweierlei Sektoren: die ambulante und die stationäre Medizin. Das sei nicht mehr zeitgemäß. Außerdem „brauchen wir die Möglichkeit, das Budget regional zu verteilen“, forderte er. Es sei genügend Geld im System. Nur die Verteilung stimme nicht mit dem Bedarf überein.
De Meo sieht das Problem auch im verloren gegangenen Vertrauen der Menschen ins Gesundheitswesen. Das müsse dringend wieder hergestellt werden, indem es verlässliche Strukturen gäbe.