Geislingen
: Zum Bilderbuchkapitän fehlt nur der Bart

Max Reginka aus Geislingen steht auf der Brücke großer Kreuzfahrtschiffe / Offizierspatent hat er in Rekordzeit erworben
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Schwarzwälder-Bote
Oberndorf
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Seit zwei Jahren ist Max Reginka als Offizier beim Kreuzfahrtunternehmen AIDA Cruises angestellt. Die meiste Zeit hat er dabei an Bord des Passagierschiffs AIDAaura (Bild: im Hafen von New York) verbracht. Foto: AIDA Cruises

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Von Wolf-Ulrich Schnurr

Geislingen. "Mit zwölf habe ich meinen Eltern gesagt: Ich werde Kapitän", erinnert sich Max Reginka. Jetzt, mit 28, hat er diesen Traum wahr gemacht und das Patent erworben."Es ist der einzige Beruf, bei dem noch ein bisschen Abenteuer ist", beschreibt Reginka seine Faszination, als Kapitän zur See zu fahren. "Ich wollte die Welt sehen. Und wenn man damit Geld verdient – umso besser."

Max Reginka wurde in Hechingen geboren und ist in Geislingen aufgewachsen. Aus der kleinen Stadt im Zollernalbkreis zog es ihn in die weite Welt: "Mit 19 bin ich ausgeflogen."

Er war schon als Kind viel unterwegs, mit seinen Eltern vor allem in Thailand und meist am Meer – dort lernte er schwimmen. Früh erwachte sein Interesse an Schiffen und Technik. Bei Besuchen in Hamburg wollte er nie weg vom Hafen. Mit 15 machte Reginka ein Praktikum und verbrachte sechs Wochen auf einem Containerschiff. Die Reise führte von Hamburg in den Golf von Mexiko. "Das hat mich in meinem Vorhaben bestärkt." Er wollte so bald wie möglich auf ein Schiff. Ihm fehlte aber noch ein Schulabschluss.

Nachdem er an der Waldorfschule in Frommern die Mittlere Reife gemacht hatte, lernte er in Cuxhaven drei Jahre lang Schiffsmechaniker. 30 Wochen hatte er in dieser Zeit Berufsschule, in zehn Wochen absolvierte er eine Schlosserausbildung. "Deswegen weiß ich, was meine Matrosen machen." Dies fördere den gegenseitigen Respekt zwischen ihm und der Mannschaft.

Die meiste Zeit war er auf See: Auf Frachtschiffen verschiedener Reedereien fuhr er um die Welt. Einmal arbeitete er auch auf dem Mehrzweckschiff "Neuwerk" der Küstenwache.

Nach dieser Ausbildung besuchte Reginka die Fachschule in Leer und strebte das Patent "Kapitän auf großer Fahrt" an. Zwölf weitere Monate Zeit verbrachte er an Bord, ehe er das Patent als Erster Offizier erhielt.

Im vergangenen August hat er nun auch das lang ersehnte Kapitänspatent beantragt. Wenn er das erhält, darf er als "Master" oder "Captain" auf die Brücke von Schiffen jeder Größe, vom Küstenfrachter bis zum Supertanker.

Wohl gab es während seiner bisherigen Karriere Momente, in denen er sich fragte: "Warum tue ich mir das eigentlich an?" Monatelang gibt es kein freies Wochenende, bei Familienfesten und Feiertagen ist er oft fern der Heimat auf hoher See, während alle anderen zuhause sitzen. "Aber das sind nur kurze Momente", sagt er. "Denn es macht einfach Spaß", ist Reginka noch immer von seinem Beruf angetan.

Er hat in Rekordzeit sein Patent erworben, nun lasse er es ruhig angehen. "Und Erfahrung kann man nie genug haben." Das sei das Wichtigste, um als Kapitän ernst genommen zu werden – ansonsten fehle ihm höchstens noch ein weißer Rauschebart, sagt der junge Mann grinsend. Wer zum Kapitän befördert wird, darüber entscheidet ohnehin der Arbeitgeber, die Reederei.

Seit zwei Jahren ist Reginka als Offizier bei AIDA Cruises angestellt. Er war hauptsächlich auf dem Passagierschiff AIDA­aura tätig, für eine Reise auch auf der AIDAluna.

Von der Arbeit her sei diese Tätigkeit nicht viel anders als auf einem Frachter, berichtet Reginka: "Die ›Seemannschaft‹ ist die gleiche." Der Unterschied liege vor allem im Freizeitangebot für die Crew – und in den strengeren Sicherheitsvorschriften.

Zudem ist die Mannschaft bei einem Passagierschiff viel größer: 18 Personen sind für einen Frachter typisch, rund 390 kümmern sich auf einem Schiff wie der AIDAaura um die Gäste.

Reginka ist bei AIDA Cruises als Offizier für "Life-Saving Appliances" (LSA) tätig, zu deutsch: Sicherheitsoffizier. Das ist die letzte Stufe, bevor er tatsächlich Ranghöchster auf der Brücke ist. In dieser Funktion hat er relativ viel Kontakt zu den Passagieren. Er leitet beispielsweise die Sicherheitsübungen, trainiert die Besatzung, überwacht Pflege und Wartung aller Sicherheitseinrichtungen.

Brenzlige Situationen blieben ihm bislang erspart, obwohl er gelegentlich Hobby-Skippern begegnet, die einfach den Autopilot steuern lassen und gar nicht darauf achten, ob sie den Kurs eines viel größeren Schiffs kreuzen. Nur bei einer Begegnung seines damaligen Frachtschiffs mit einem Wal musste er einmal ein Ausweichmanöver fahren. Eine solche "Hartruderlage", bei der sich das Fahrzeug zur Seite neigt, würde er mit einem Passagierschiff nicht steuern. "Da heißt es vorausschauend fahren."

Das Faszinierende an der Seefahrerei ist die Abwechslung: "Keine Minute ist wie die andere." Man müsse natürlich flexibel sein und rasch auf neue Situationen reagieren können. "Aber es wird nie langweilig."

Die Verantwortung fasziniert ihn ebenso. Und Angst hat er nie – immerhin hat er die Mannschaft in Sachen Sicherheit selbst ausgebildet.

Außerdem schätzt er, dass man auf den dreimonatigen Fahrten viele Eindrücke sammle und Menschen kennen lerne. 25 Nationalitäten sind allein an Bord der AIDAaura beschäftigt.

Zu den Höhepunkten seiner bisherigen Reisen zählte die Straße von Singapur, durch die der gesamte Verkehr von Asien nach Europa fährt. Dort reiht sich Schiff an Schiff. "Das sieht gigantisch aus und ist unheimlich anspruchsvoll", sagt Reginka.

In fernen Häfen geht der leidenschaftliche Sportler für sein Lauftraining gerne von Bord: "Zu Fuß lernt man die Stadt viel besser kennen", ist er überzeugt. Auch auf das Hobby Fußball muss Reginka nicht verzichten, der beim TSV Geislingen von der F-Jugend bis zur ersten Mannschaft gespielt hat: Auf manchen Containerschiffen und den großen AIDA-Schiffen ist sogar dafür Platz.

Nur eines vermisst Max Reginka gelegentlich: Die grüne Natur und den Wald. Wenn er bei seinen Eltern in Geislingen zu Besuch ist, wird deshalb gelaufen. Beispielsweise im Gebiet rund um den Kaiserstein, Richtung Isingen, tankt er dann wieder Natur für die nächste lange Reise auf hoher See.

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