Einziges überlebendes Kind: Zweijähriger aus Balingen kämpft sich nach Schicksalsschlag durchs Leben

Svenja Varin und ihr Mann Stéphane wollen ihrem schwerbehinderten Sohn Lio (2) ein möglichst schönes Leben schenken.
PrivatDas Leben von Familie Varin ist seit zweieinhalb Jahren nicht mehr so, wie es einmal war - und das, obwohl zuvor eigentlich alles gut zu sein schien: Im Frühling des Jahres 2022 ist Svenja Varin schwanger geworden. Ihr ging es gut, sie und ihr Mann freuten sich sehr auf ihr erstes gemeinsames Kind. Doch dann infizierte Svenja sich mit Covid-19.
„Eines Nachts hatte ich starke Kopfschmerzen und bekam plötzlich mehrere epileptische Anfälle. Das hatte ich davor noch nie und danach auch nie wieder. Ich wurde bewusstlos, stürzte und schlug mit dem Kopf auf dem Klodeckel auf“, erinnert sich Lios Mama. Sie bekam Hirnblutungen und schnell war klar, dass sie dringend eine MRT-Untersuchung machen lassen musste. „Schwanger geht das aber nicht. Deshalb musste Lio schon in der 31. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt geholt werden“, erklärt sie.
Im Oktober 2022 erblickte Lio dann das Licht der Welt. Sofort wurde das Frühchen auf die Intensivstation verlegt. „Erst nach einer Woche konnte ich ihn das erste Mal sehen, weil mein Corona-Test noch so lange positiv war“, erinnert sie sich. Ihren kleinen Sohn dann endlich in den Armen zu halten, sei für sie das schönste Gefühl überhaupt gewesen. „Seine Geburt war unter Vollnarkose. Deshalb habe ich daran überhaupt keine Erinnerungen. Das hatte ich mir im Vorfeld natürlich alles anders vorgestellt und erhofft“, sagt sie wehmütig.
Lio infiziert sich als Frühchen mit Krankenhauskeim
Trotz der Umstände ging es Lio nach der Geburt jedoch zunächst gut. „Er strampelte, weinte und tat all das, was ein Kind, das eine Woche alt ist, eben kann“, erinnert sich seine Mutter. Am Abend bekamen die Eltern dann einen Anruf aus dem Krankenhaus: Lio habe sich mit einem Krankenhauskeim infiziert. Man wisse nicht, ob das Kind die Nacht überleben wird. „Weil er Hirnblutungen hatte, wurde er sofort ins künstliche Koma gelegt. Uns hat diese Nachricht den Boden unter den Füßen weggerissen.“
Seither ist Lio schwerbehindert. Dass er überhaupt noch lebe, sei ein Wunder: „In den vergangenen 40 Jahren haben sich laut den Ärzten nur acht weitere Kinder in dem Alter mit diesem Keim infiziert, sieben davon sind gestorben, vom achten weiß man nichts“, berichtet sie. Wie Lios Zukunft aussieht, ist deshalb völlig ungewiss.

Der kleine Lio ist das einzige bekannte Kind, dass die Infektion mit diesem Krankenhauskeim überlebt hat.
Foto: PrivatDer heute Zweieinhalbjährige sei gewissermaßen immer noch wie ein Baby, erklärt seine Mutter: „Seine Bewegungen sind sehr eingeschränkt, essen und trinken fällt ihm schwer. Ernährt wird er deshalb über eine Magensonde.“ Um sich und vor allem dem kleinen Lio das Leben ein bisschen zu erleichtern, absolviert seine Mama derzeit eine spezielle Ausbildung, um mit ihm an seiner Feinmotorik zu arbeiten. „Neuroscanbalance heißt das. Im Juli bin ich damit fertig und froh, es zu machen. Wir sehen schon einige Fortschritte bei Lio“, berichtet sie stolz.
Eltern wollen Lio ein glückliches Leben ermöglichen
Zwar wissen Svenja und ihr Mann Stéphane nicht, wie ihre Zukunft mit Lio aussehen wird - aber sie sind zuversichtlich: „Wir lassen jeden Tag auf uns zukommen. Seine Defizite sehen wir gar nicht und sind einfach dankbar über jeden Fortschritt.“ Ihr Glaube an Gott würde dem Paar dabei sehr helfen. „Er rüstet uns jeden Tag mit Kraft und neuem Mut aus, gibt uns Hoffnung und Zuversicht. Und wir hoffen ganz fest darauf, dass eines Tages ein Wunder geschieht und Lio vielleicht ganz gesund sein darf.“
Vor allem wünschen die Eltern aber ihrem Sohn, dass er ein möglichst normales Leben führen kann und glücklich ist. Ein Traum von ihnen ist ein Camper, mit dem sie Lio die Welt zeigen können, „oder zumindest mal den Bodensee oder Frankreich, wo seine Großeltern leben“, sagt Svenja. Fliegen sei mit Lio unmöglich, wegen seiner neurologischen Erkrankung. „In einem Camper könnten wir problemlos all seine Sachen mitnehmen und auch mal spontan losfahren, wenn wir beispielsweise am Wochenende Zeit haben“, erklärt sie.
Spendenaktion soll Familie helfen, sich einen Traum zu erfüllen
Deshalb hat die Familie beschlossen, eine Spendenaktion über die Plattform gofundme.com ins Leben zu rufen. „Wir werden auch oft von der Familie und Freunden gefragt, was sie Lio zum Beispiel zu Weihnachten oder dem Geburtstag schenken können. Aber er braucht eigentlich nicht viel. Deshalb sammeln wir nun über das Spendenkonto, um ihm und uns diesen Wunsch irgendwann erfüllen zu können.“
Fast 29.000 Euro sind bereits zusammengekommen. „Das hätten wir nie gedacht und wir sind unglaublich dankbar darüber“, sagt seine Mutter. Außerdem habe sich eine Familie aus Krefeld bei ihnen gemeldet, die einen Camper besitzt, der perfekt auf die Bedürfnisse von Lio zugeschnitten sei. Diese habe das Fahrzeug nun für die Varins reserviert. Doch weil die Familie sehr viel Zeit, Mühe und Geld in den Camper gesteckt habe, hat dieser seinen Preis, der die aktuell gespendete Summe deutlich übersteigt. „Wir wollen die Situation keinesfalls ausnutzen. Aber weil das so eine tolle Chance für uns und Lio wäre, möchten wir unser Spendenziel auf 50.000 Euro festlegen“, sagt Varin.
Damit Lio so viel wie möglich von der Welt sehen und viele schöne Momente mit seiner Familie erleben darf, geben seine Eltern die Hoffnung nicht auf. „Wir sind uns sicher, es wird einen Weg geben. Wenn es mit diesem Camper nicht klappt, dann finden wir eine Alternative“, sagt seine Mama.
Sie und ihr Mann freuen sich sehr über die positive Resonanz, die lieben Nachrichten und die unglaubliche Hilfsbereitschaft der vielen Menschen.