Caritas Schwarzwald-Alb-Donau
: Familienpatenschaften geben jungen Eltern Halt

Zwei Beispiele zeigen, wie Familien durch den Einsatz von Patinnen gestärkt und ermutigt weitere Lebensabschnitte alleine bewältigen können.
Von
red/pm
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Monika Hipp (von links), von der Caritas Schwarzwald-Alb-Donau, Familienpatin Sabine Hufnagel-Walz, Ilona Weßner mit Tochter Malin, Familienpatin Birgit Lindemann und Koordinatorin Anja Lüders

Hipp

Als Ilona Weßner ihre Tochter Malin zur Welt brachte, war die Freude groß. Doch kurz nach der Geburt erkrankte das Baby und musste mehrere Wochen im Krankenhaus bleiben. Erst danach durfte die junge Mutter ihr Kind mit nach Hause nehmen. So sehr sie sich über die Genesung freute, so sehr wuchs auch die Unsicherheit. Die ersten Wochen mit einem Neugeborenen sind für viele Eltern eine Herausforderung – für Ilona besonders, da sie ihre eigene Mutter nicht mehr um Rat fragen kann.

Die Chemie stimmte

Während des Krankenhausaufenthalts erfuhr Ilona Weßner von dem Projekt „Familienpatenschaften“ der Caritas Schwarzwald-Alb-Donau. Projektkoordinatorin Anja Lüders stellte den Kontakt zu einer passenden Patin her – mit viel Fingerspitzengefühl und einem Blick dafür, wer gut zusammenpassen könnte. Nach einem ersten Kennenlernen fiel die Wahl auf Sabine Hufnagel-Walz. Die Chemie stimmte. Seitdem besucht Sabine die junge Familie einmal pro Woche für etwa zwei Stunden. Sie bringt ihre eigenen Erfahrungen als Mutter ein, hört zu, begleitet und stärkt.

Der Austausch hat sehr geholfen

„Gerade in der ersten Zeit, als ich mit meinem Baby ganz auf mich allein gestellt war, hat mir Sabine ein Gefühl von Sicherheit vermittelt“, sagt Ilona Weßner. „Der Austausch mit ihr hat mir sehr geholfen .“

Auch die Familienpatin profitiert von ihrem Engagement. Die kleine Malin hat sie längst ins Herz geschlossen. Es erfüllt sie, mitzuerleben, wie sich das Mädchen gesund und fröhlich entwickelt – und wie sie die junge Mutter entlasten kann. Nach einigen Monaten Begleitung hat sich der Einsatz als Familienpatin mehr als gelohnt: Aus der ehemals unsicheren Mutter ist eine selbstbewusste und strahlende junge Mutter geworden, die nun auf die zusätzliche Unterstützung verzichten kann.

Zusätzlicher Sinn und Freude

Birgit Lindemann ist ebenfalls Teil des Teams der ehrenamtlichen Familienpaten. Ihr Wunsch, sich zu engagieren, entstand aus Dankbarkeit: „Ich habe es gut – und möchte etwas zurückgeben.“ Sie habe ihre Entscheidung keinen Tag bereut, sagt sie. „Das Ehrenamt ist etwas fürs Herz – es gibt meinem Leben zusätzlichen Sinn und Freude.“

Derzeit unterstützt Birgit Lindemann eine Mutter von Zwillingen, die neu in die Region gezogen ist. „Die Mutter ist unglaublich dankbar, wenn ich für ein paar Stunden Ruhe in ihren Alltag bringe. Oft reicht schon ein Gespräch – und ich fahre jedes Mal bereichert nach Hause.“ Durch die Familienpatenschaft hat die Zwillingsmama von zusätzlichen Angeboten in der Region erfahren und konnte nun eine Tagesmutter zur zeitweisen Betreuung erhalten. Auch die Vernetzung vor Ort ist durch die Unterstützung der Familienpatin besser gelungen. So kann sie sich auf ihre Rückkehr in die Berufswelt in Ruhe vorbereiten.

Auch Männer sind willkommen

Zwei hoffnungsfrohe Beispiele, wie die Familien durch den zeitweiligen Einsatz der Familienpatinnen gestärkt und ermutigt die weiteren Lebensabschnitte alleine bewältigen können. Das Projekt der Familienpatenschaften ist integriert in das Angebot der Frühen Hilfen des Landkreises und somit auch mit anderen familienunterstützenden Trägern gut vernetzt. „Auch Männer sind herzlich willkommen“, betont Anja Lüders. „Ein Familienpate ist bereits dabei, pausiert aber momentan aus zeitlichen Gründen.“ Der Bedarf ist sehr groß – viele Familien warten auf Unterstützung.

Niemand wird ins kalte Wasser geworfen

Besondere Voraussetzungen sind nicht erforderlich. Wichtig sind Einfühlungsvermögen, Verlässlichkeit und die Bereitschaft, regelmäßig etwa zwei Stunden pro Woche zu investieren. Wer eigene Kinder großgezogen hat, bringt zusätzlich wertvolle Erfahrungen mit. Niemand wird ins kalte Wasser geworfen: Es gibt Einführungsgespräche, regelmäßige kostenfreie Schulungen und Austauschmöglichkeiten mit der Projektkoordinatorin und untereinander. Auch Fahrtkosten werden erstattet. Die Patenschaft ist zeitlich begrenzt.

Monika Hipp, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit bei der Caritas Schwarzwald-Alb-Donau, sieht in dem Angebot eine Antwort auf gesellschaftliche Veränderungen: „Früher gab es in vielen Familien ein tragfähiges Netzwerk. Heute müssen wir solche Strukturen bewusst aufbauen. Die Familienpatenschaften leisten dazu einen wertvollen Beitrag. Es wäre daher schön, wenn wir noch mehr Menschen dafür begeistern könnten.“

Kontakt für Interessierte: Anja Lüders, Projektkoordinatorin Familienpaten, Telefon: 07431/ 95 73 225; E-Mail: albstadt@caritas-dicvrs.de

ZAK News
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Zollernalbkreis Montag bis Samstag im kompakten Überblick.