Balingen
: "Unser Wohlstandsdenken neu definieren"

Wirtschaft: Karl-Heinz Dommes und weitere Mitstreiter appellieren in offenem Brief an Politiker: Nicht nur auf E-Mobilität setzen
Von
Bernd Visel
Oberndorf
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Karl-Heinz Dommes aus Hausen am Tann und weitere Entscheidungsträger in der Wirtschaft fordern, den Strukturwandel "technologieoffen" voranzutreiben.Foto: Privat

Schwarzwälder Bote

"Wir leben nicht, um zu wirtschaften, sondern wir wirtschaften, um zu leben": Dies ist einer der Merksätze von Karl-Heinz Dommes und seiner Mitstreiter, allesamt "Entscheidungsträger in der Wirtschaft", die nun einen offenen Brief an führende Politiker geschrieben haben.

Hausen a. T. In dem Schreiben, unter anderem an die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und an die Vorsitzenden der großen deutschen Parteien gerichtet, legen sie dar, wie ihrer Meinung nach die gesellschaftlichen Herausforderungen vor dem Hintergrund ökologischer, ökonomischer und sozialpolitischer Erfordernissen gemeistert werden könnten. Und dabei steht nicht die Corona-Krise im Mittelpunkt, sondern der Klimawandel und andere strukturpolitische Probleme, die bereits vor der Pandemie aufgetreten seien. Dommes wohnt seit 1971 in Hausen am Tann. Auch mit 70 ist er noch in der Wirtschaft aktiv, als Geschäftsführer von Immobiliengesellschaften und als Aufsichtsratsvorsitzender einer Münchner Aktiengesellschaft.

Mit im Mittelpunkt des allumfassenden Strukturwandels stehe die Frage nach der künftigen Mobilität in der Gesellschaft, sagt Dommes. Diese müsse zukunftsorientiert, nachhaltig und ökologisch ausgerichtet sein. Dabei stehe die Suche nach Antriebstechnologien an vorderster Stelle, die die "unverzichtbare Schonung der Ressourcen" gewährleisteten. Dabei müsse man technologieoffen vorgehen. Für die Verfasser des Schreibens ist die "umfassende Verwerfung der Verbrennungsantriebstechnologie und die absolute Ausrichtung auf Elektro-Motorisierung eine Fehleinschätzung". Die Folgen dieser Politik seien katastrophal: Neue Verbrenner würden nicht mehr entwickelt mit fatalen Folgen für die Umwelt, die Automobilindustrie und den Maschinenbau und damit für den Wohlstand und den Frieden – nicht nur in Europa, sondern weltweit. Stattdessen gelte es, auch die Verbrennungstechnik mit "E-Fuels" (synthetischen Kraftstoffen) zu forcieren, die mittels regenerativer Energien hergestellt werden müssten. Dommes nennt als Beispiel die Sonnenergie. Daher laute die Forderung: "Es müssen alle Alternativen betrachtet werden, denn wir brauchen mehrere Antriebstechnologien, die in ihren unterschiedlichen Einsatzszenarien zu betrachten sind, und dürfen uns nicht nur auf ein Modell fokussieren." Schließlich gehe es bei einer "intelligenten Mobilität" nicht nur um das Auto, sondern auch um den Schwerlastverkehr, um die Bahn, den Flugverkehr und anderes mehr.

Klar sind sich Dommes und seine Mitstreiter darüber, "dass dabei auch harte Maßnahmen definiert werden müssen, wie etwa beim Atomausstieg und beim Verzicht auf das Verbrennen fossiler Stoffe, aber: Dazu sind dann auch zukunftsweisende Strategien nötig, die derzeit nicht zu erkennen sind." Werde beispielsweise verstärkt die Sonnenenergie genutzt, sei auch das Brennstoffzellenfahrzeug konkurrenzfähig. Schließlich dürfe die Umweltbilanz der Elektrofahrzeuge dürfe nicht nur daran gemessen werden, dass diese sich am Ort ihrer Nutzung emissionsfrei bewegten: Zu beachten seien auch die enormen CO2-Belastungen durch die Batterieproduktion und die Stromerzeugung, die immer noch durch zahlreiche Kohlekraftwerke erfolge. Fazit: "Wir brauchen eine Energie, die sauber verbrennt, bezahlbar ist und klimaneutral hergestellt wird."

Eine daran orientierte Vorgehensweise erfordert nach Ansicht von Dommes, "dass wir auch bereit sind, eigene Interessen zum Wohl einer übergreifenden Ausrichtung zurückzustellen und dass wir bereit sind, Wohlstand und Wohlstandsdenken neu zu definieren".

Eine offizielle Antwort auf ihren offenen Brief seitens der Politik haben Dommes und seine Mitstreiter noch nicht erhalten: "Das geschieht sehr zeitversetzt." Es gebe allerdings Kontakte zu den Parteien und zu Entscheidungsträgern.

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