Balingen: Plettenbergschule: Hausverbot für möglichen Betreiber

Michael Klören hält die einstweilige Verfügung in Händen: Er darf das Gelände der Plettenbergschule nicht betreten. Den Schülern und Lehrern der insolventen Bildungseinrichtung verspricht er derweil, dass es auf jeden Fall weitergehen werde.
UngureanuBalingen-Engstlatt - Schüler und Lehrer der Plettenbergschule in Engstlatt sind verunsichert. Michael Klören, Geschäftsführer der Medischulen, der die bankrotte Bildungseinrichtung unter neuem Namen weiterführen will, hatte für Montag zum Infogespräch eingeladen – und erhielt prompt Hausverbot.
Die Situation ist vertrackt: Birgit Mast, Inhaberin des Gebäudes mitsamt Einrichtung, ist pleite. Das Haus könnte unter den Hammer kommen. Oliver Pausch, der die Immobilie gepachtet und die Schule als Eugefa GmbH weiterbetrieben hat – ohne die erforderliche Schulgenehmigung vom Regierungspräsidium, demnach auch ohne Fördergelder – ist ebenfalls pleite. Die Staatsanwaltschaft sitzt ihm im Nacken, und er hat Insolvenz beantragt. Kein Wunder also, dass keiner der Interessenten – weder die Medischulen noch die SRH-Kliniken – bis zum Ablauf der Gebotsfrist am vergangenen Mittwoch, 20 Uhr, ein Angebot gemacht hat.
Michael Klören tritt optimistisch auf, will motivieren – und steht vor verschlossenen Türen. Insolvenzverwalter Alexander Kästle übergibt ihm eine einstweilige Verfügung des Landgerichts Hechingen, die nicht nur Klören, sondern auch der Eigentümerin den Zutritt zum Gebäude untersagt. Die Begründung: Das Haus sei an die Eugefa GmbH verpachtet. Der Pachtvertrag sei verbindlich, auch wenn seit Monaten keine Pacht mehr bezahlt worden sei.
Falsch, kontert Klören, seine Anwälte hätten den Vertrag geprüft, er sei nicht wirksam, es gebe einen Passus, der eine "aufschiebende Wirkung" vorsehe. Wie dem auch sei, Michael Klören steht auf "Niemandsland", auf einem Durchgangsweg, der keinem gehört. Schüler, Dozenten und Eltern haben sich im Halbkreis um ihn versammelt. Er habe Schüler und Lehrer am Donnerstagabend per WhatsApp beziehungsweise E-Mail informiert, dass er beziehungsweise die Medischulen eine neue Schule eröffnen werden, sagt er. Wenn nicht in diesem Gebäude, dann eben in einem anderen.
Denn es gebe auch noch einen "Plan B": "Ich habe die komplette Ausstattung für eine Therapieschule in Containern", sagt Klören. "Dann miete ich eben andere Räume an und führe die Schule nahtlos weiter." Die Stadt Balingen habe Interesse daran, dass die Schule weitergeführt werde und wolle bei Bedarf auch Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Einen Termin bei OB Reitemann habe er schon. Aber so weit werde es wohl nicht kommen. Schüler und Lehrer werde er übernehmen, die Schulleitung benennen, ein wachsames Auge drauf haben, "bis es läuft".
Mit dem Regierungspräsidium habe er Kontakt, am Freitag werde es ein Gespräch geben. Von Abteilungspräsident Tobias Schneider sei ihm signalisiert worden, dass es eine "ganz schnelle Lösung" gibt: "Wir werden bis zum 1. Oktober die staatliche Anerkennung bekommen. Das krieg’ ich hin, sonst wär’ ich heute nicht hier." Den Antrag habe er bereits gestellt.
Auf diese Anerkennung komme es an, denn ohne sie können die Schüler keine staatlich anerkannte Prüfung ablegen. Sprich, sie würden am Ende des Schuljahrs vor dem Nichts stehen.
Man zahle sich als Eltern dumm und dämlich, sagt eine Mutter. "Aber wo ist das Geld geblieben?" Und die Lehrer hätten monatelang kein Gehalt bekommen, aber der Insolvenzverwalter habe ihnen schriftlich mitgeteilt, dass sie nicht kündigen dürften, weil der Schulbetrieb weitergehen müsse. So habe man weitergemacht. "Wir fühlen uns wie die Lemminge, die einer nach dem anderen ins Meer springen", sagt ein Lehrer. Und wer geklagt und Recht bekommen habe, der habe am Ende doch nichts bekommen.
Klören nickt, er kenne das Problem. So was, wie das hier gelaufen sei, habe er in seiner jahrzehntelangen Tätigkeit noch nicht erlebt, sagt er. Keine andere Schule in Deutschland sei personell so üppig ausgestattet. Er selbst mache keine Zusagen, die er nicht halten könne: "Ich habe keine Dollarzeichen in den Augen und fahre auch keinen Porsche, sondern ein Familienauto mit zwei Kindersitzen."
Noch während die Gespräche laufen, kommt eine Mail vom Eugefa-Geschäftsführer: Ein weiterer Interessent sei da. Die IB Schulen mit deutschlandweit rund 100 Standorten und 16 Schulen für Physiotherapeuten hätten großes Interesse, wollten die Schule "so wie sie ist" weiterführen. "Es ist sehr spannend und lustig", meint ein Dozent.
Rechtsanwalt Alexander Kästle sieht seinen Mandanten, Oliver Pausch, im Recht: Der Pachtvertrag sei gültig, die Türschlösser habe man ausgewechselt, um keinen unerwünschten Besuch zu bekommen. Und zu den IB-Schulen: Die hätten für den Fall, dass die staatliche Anerkennung bis zum 1. Oktober nicht vorliege, angeboten, die Schüler in bestehende Schulen in Stuttgart oder Mannheim zu verlegen, und zwar in Klassen, die speziell für die Balinger eingerichtet würden: "Dann spielt ein unterschiedliches Ausbildungsniveau keine Rolle." Auch Kästle betont: "Was zählt, sind die Schüler." Von denen haben sich in den vergangenen Tagen und Wochen bereits die ersten umorientiert und die Schule verlassen.