Abfall im Zollernalbkreis: Wann der Müll hoffentlich wieder pünktlich abgeholt wird

Restmüll- und Biomülltonnen auf dem Gehweg entlang der Färberstraße in Balingen
Kauffmann„Wozu haben wir überhaupt einen Abfallkalender, wenn der Abfall nach Gutdünken, Lust und Laune des Abfuhrunternehmens durchgeführt wird?“ – das fragt eine genervte Leserin aus Rosenfeld in einem Leserbrief, und damit steht sie stellvertretend für die ratlose Verärgerung vieler Einwohner des Zollernalbkreises.
Seit Pfingsten wird der Müll nicht mehr regelmäßig abgeholt, und auch Landrat Günther-Martin Pauli lässt das Thema nicht kalt. Er, der auch gerne auf Schusters Rappen unterwegs ist, berichtet von der Ferienwanderung in Unterdigisheim, wo ihn Teilnehmer auf das Müll-Chaos angesprochen hatten.
Überall ein Ärgernis
Die Stimmung im Hinblick auf dieses Thema kommt bei ihm an, deshalb geht er mit einem Pressegespräch im Landratsamt Balingen in die Offensive. „Das ist überall ein großes Ärgernis“, sagt Pauli nüchtern, nicht nur im Zollernalbkreis, sondern landesweit in allen Landkreisen, in denen der Anbieter PreZero in der Müllabholung tätig sei.
Nicht Neapel oder Berlin
Pauli beschreibt die Stimmung in der Bevölkerung so: „Wir spüren, dass sich der Ärger aufstaut“, denn man sei ja „nicht in Neapel oder in Berlin“ – und daher gewöhnt an funktionierende Strukturen. Der Landrat spricht in diesem Zusammenhang gar vom „Volkszorn“ und untermauert das mit Zahlen: An einem Tag seien schon 700 Anrufe und 150 E-Mails wegen nicht abgeholten Abfalls im Landratsamt eingegangen. Den Zustand bei der Müllabholung „kann man nicht schön reden“.
Deutliche Worte an Anbieter
Nur, wie geht es nun weiter? Pauli: „Es ist nicht so, dass wir die Hände in den Schoß legen.“ Die Mitarbeiter des Abfallwirtschaftsamts würden gegenüber PreZero deutliche Worte finden. Das Unternehmen mit Sitz in Porta Westfalica (Nordrhein-Westfalen) übernimmt die Abfuhr von Bio- und Restmülltonne seit 1996 und scheint nun aus dem Abholungsrhythmus gekommen zu sein.
Personal kaum zu finden
Pauli begründet dies mit technischen Ausfällen an den kompliziert konstruierten Fahrzeugen. Neun davon sind im Zollernalbkreis unterwegs, fallen nur wenige aus, macht sich das sofort bemerkbar. Darüber hinaus gebe es Herausforderungen in personeller Hinsicht, denn es gibt ganz offensichtlich nicht mehr viele Menschen, die entsprechende Berufe ausüben wollten. Pauli: „Da reißen sich nicht viele drum.“
„Kein Schuhabstreifer“
„Wir können nur erklären, was die Ursache ist“, stellt Pauli klar. „Das Landratsamt ist kein Schuhabstreifer der Gesellschaft“, aber der Unmut komme natürlich an. „Wir verstehen den Ärger“, berichtet Lisa Tillinger, Leiterin des Amts für Abfallwirtschaft, was fehlt, sei die „Verlässlichkeit“. Pauli im Hinblick auf den aktuellen Dienstleister: „Ich befürchte, dass wir nicht mehr ganz so glücklich werden.“
Infos in der App
Im Moment könne das Landratsamt die Unannehmlichkeiten nur abfedern. Dies geschieht zum Beispiel, indem das Grosselfinger Entsorgungsunternehmen Bogenschütz ab Herbst einspringt. Diese Unterstützung kostet den Landkreis zusätzlich, bislang ein mittlerer fünfstelliger Betrag, der PreZero in Rechnung gestellt wird, berichtet Tillinger auf Nachfrage.
Pauli verweist auch auf die App „Abfall ZAK“ und auf die Internetseite, wo die Abholtermine ständig aktualisiert werden. Tillinger berichtet von der Ankündigung der Entsorgungsfirma, dass sie ab September zum Normalen Abhol-Rhythmus zurückkehre, „wir hoffen auf die Aussage von PreZero“.
Niedrige Müllgebühren
Pauli ließ während des Gesprächs durchblicken, dass auch die rechtliche Ebene betrachtet werde. Weiter ins Detail konnte er in diesem Zusammenhang zum aktuellen Zeitpunkt nicht gehen. Mehrere Leserbrief-Autoren hatten zuvor eine „Vertragsstrafe“ in ihren Zuschriften erwähnt. Sie schrieben auch von Müllgebühren – deren Zahlung ein Anrecht auf Abholung doch rechtfertige. Pauli erklärte dazu, dass die Müllgebühren im Zollernalbkreis zu den niedrigsten landesweit gehörten.
Und er relativiert: „Wenn die Gesellschaft sich nur über Müll aufregt, könnte ich mich zurücklehnen.“ Die Welt gehe nicht unter, und in der Zeitung stehen schlimmere Themen, „ich bitte um mehr Verständnis in der Gesellschaft“. Es gebe „keinen Hebel, den man umlegt, und dann ist alles OK“. Pauli: „Wir hoffen, dass wir in bessere Zeiten schlittern.“
Ein Weckruf an die Verbraucher
Abfall vermeiden
Landrat Günther-Martin Pauli sieht die aktuelle Situation auch als Weckruf an die Verbraucher. Dass der Abfall nicht mehr pünktlich abgeholt wird, ruft ins Bewusstsein, „dass wir jeden Tag Müll produzieren“. Für Konsumenten gebe es zahlreiche Möglichkeiten, Müll zu vermeiden. Er appelliert, Abfall von vorne herein zu vermeiden – auch unabhängig von der aktuellen Lage bei der Müll-Abholung. Pauli: „Jeder ist gefordert, Müll zu vermeiden.“