Vandalismusschäden gingen zurück: Nachtwanderer in Bad Wildbad zum 100. Mal auf Tour

Wolfgang Treiber (von links), Karla Arp und Ralf Kuhnle bei der 100. Nachtwanderung vor dem Wildbader Foto-Point.
Hans SchabertWie so oft, wenn davon auszugehen ist, dass sich junge Leute draußen an ihren Treffpunkten zusammenfinden, starteten die Nachtwanderer Bad Wildbads jüngst zu ihrer 100. Tour über Plätze, Straßen und durch den Kurpark. Das November-Wetter hatte schließlich beinah spätsommerliche Züge.
Dennoch gab es diesmal nur einige Begegnungen. Eine davon erfolgte gleich beim Gang durch das Parkhaus beim Bahnhof. Musik erklang, und es tauchten drei Freunde „junger Klänge“ auf. „Ah, die Nachtwanderer“, war von ihnen das Quartett in seinen roten Jacken gleich erkannt. Man kam freundlich mit Anhängern und dem Sänger einer Musikgruppe mit „323“ im Namen ins Gespräch.
Nein, Sprühdosen hätten sie keine, sie machten eher via Instagram auf sich aufmerksam, versicherten sie. Natürlich freuten sie sich, dass man von ihnen Notiz nimmt. Aber sie wirkten auf ihre Follower ein, nicht sachbeschädigende Sprühspuren zu hinterlassen. Solche mit „323“ sind bekanntlich immer wieder in der Stadt zu finden.
Ruhig und doch interessant verlief die 100. Tour
Am Ende trägt um Mitternacht Karla Arp in der Wilhelmschule in den Bericht ein: „Ruhige Wanderung, wenige aber interessante Kontakte“. Auch von einer „eventuellen neuen Mitwanderin“ ist zu lesen. Aus einer Gruppe Passanten zeigte sich beim Forum König-Karls-Bad (FKKB) eine Frau an den Aufgaben der Nachtwanderer interessiert. Von Organisator Ralf Kuhnle mit Informationen versorgt, wurde sie zum Monatsstammtisch eingeladen, der teils zur Arbeitsbesprechung, teils der Kameradschaftspflege dient.
Die Geschichte hinter den Nachtwanderern
Wie kam es überhaupt in der Stadt zu den Nachtwanderern, die sich als Partner für die Jugend und Vermittler zwischen den Generationen verstehen?
Der Stadtteil Calmbach litt 2014 sehr unter Vandalismus. Der damalige Bürgermeister und heutige Bundestagsabgeordnete Klaus Mack wusste, dass eine solche – ähnlich der Feuerwehr – an die Stadt angelehnte Einrichtung in Öhringen für Abhilfe bei vergleichbaren Problemen sorgte. Nach einem Informationsabend im FKKB bildete sich dann in Calmbach eine Gruppe dieser ehrenamtlicher Streetworker für die Jugend. Sie hatten durch Besuch der Brennpunkte und Gesprächen auf Augenhöhe fast jede Woche zwei Mal den ersten Sommer über großen Erfolg: Innerhalb eines Jahres gingen die Vandalismusschäden um 70 Prozent zurück. Im Jahr 2015 fanden sich dann auch in der Kernstadt ehrenamtlich Wirkende für die Aufgabe zusammen. Die Nachtwanderer gehen dann auf Tour, wenn Veranstaltungen oder Witterung vermuten lassen, dass es Gruppen junger Menschen nach draußen zieht. Schon manches Mal sei auch ein junges Mädchen froh gewesen, wenn es nachts mit der S-Bahn ankam und die Nachtwanderer in mindestens Dreier-Besetzung an seiner Seite wusste.
Im Fünftälerort ist es ruhig geworden
In Wildbad war man jetzt zum 100. Mal unterwegs. In Calmbach sind inzwischen gut Zweidrittel mehr Wanderrunden zusammengekommen. Allerdings ist festzustellen, dass es im Fünftälerort – was Jugend-Treffpunkte anbetrifft – recht ruhig geworden ist.
Die mehr als 20 Mitglieder der Gruppe sind sich einig, dass die Arbeit jedem von ihnen wertvolle Nebeneffekte erbringt. Außer der Bewegung nennen sie vor allem die Kameradschaft, die beim gemeinsam auf Tour gehen und Gesprächen über dies und das entsteht. So trifft man sich schon auch gelegentlich zu einem Ausflug oder wie demnächst zum „Lichterzauber“ auf dem Baumwipfelpfad mit Abschluss beim Wildbader Weihnachtsmarkt.
Über die ehrenamtliche Arbeit der Nachtwanderer wird im Internet unter www.nachtwanderer-bad-wildbad.de informiert. Wer der Gruppe beitreten oder probewandern möchte, kann mit Ralf Kuhnle telefonisch unter 07081/58 63, per E-Mail an rikuhnle@web.de, oder im Rathaus mit Hauptamtsleiter Alexander Rabsteyn telefonisch unter 07081/93 01 10 oder via E-Mail an a.rabsteyn@bad-wildbad.de, in Verbindung treten.