Tradition auf Teamgeist: Teilnehmerrekord beim Stäffeleslauf in Bad Wildbad

Manch einer der über 400 Teilnehmern wuchs über sich hinaus.
Sabine ZollerDie Kurstadt bebte – vor Energie, Begeisterung und unzähligen Gänsehautmomenten: Beim 17. Stäffeleslauf, ausgerichtet vom TSV Bad Wildbad mit großem Herzblut und beeindruckendem Organisationstalent, wagten sich über 400 Teilnehmer bei strahlendem Sonnenschein an die 1987 Stufen vom Tal bis zur Bergstation des Sommerbergs – so viele wie noch nie. Ein Rekord, der die Begeisterung für dieses Sportereignis zeigt.
Unter den Läufern waren nicht nur ambitionierte Sportler aus ganz Deutschland, sondern auch ganze Feuerwehrteams in voller Montur, Kinder, Jugendliche, erfahrene Spitzenläufer – und solche, die einfach nur sich selbst und dem inneren Schweinehund zeigen wollten: Ich schaffe das.
„Wer sich dieser Herausforderung stellt, ist schon ein Sieger – ganz gleich, nach welcher Zeit das Ziel erreicht wird“, sagte Bürgermeister Marco Gauger bei der Eröffnung – und brachte damit die Grundstimmung auf den Punkt: Hier geht es um mehr als Zeiten. Es geht um Überwindung, Zusammenhalt und das Gefühl, wenn man oben ankommt – ausgepowert, aber glücklich.
Christian Riedl – der König der Stufen
Bei den Herren war es erneut ein vertrautes Gesicht, das die Treppen wie im Flug nahm: Christian Riedl sicherte sich mit unglaublichen 8,06 Minuten den Gesamtsieg – und bewies einmal mehr, dass er zu den stärksten Treppenläufern des Landes gehört.
Auf den Plätzen folgten Andreas Crivellin (9,01 Minuten) und Arved Pfeil (9,10 Minuten), beide mit Top-Leistungen.
Bei den Frauen begeisterte Sarah Seher, die mit 10,33 Minuten einen beachtlichen Sieg einlief, dicht gefolgt von Lara Ela Eckhardt (10,38 Minuten) und Hannah Schulz (11,22 Minuten), die mit eisernem Willen und fliegenden Schritten das Ziel erreichten.
Große Emotionen gab es auch beim Mini-Stäffeleslauf, der mit rund 500 Stufen von der Talstation bis zur Mittelstation eine kindgerechte Herausforderung bot. Fast 50 junge Läuferinnen und Läufer – einige kaum älter als fünf Jahre – gingen an den Start.
Fabian Wünderlich (U14) beeindruckte mit einer Zeit von 2,08 Minuten. Dahinter folgten Tabea Wentsch (U10) vom TSV Wildbad mit 2,21 Minuten und Merle Ahsbahs (U14) mit 2,28 Minuten.
100 Feuerwehrleute mit echtem Sportsgeist
Ein absoluter Publikumsmagnet war auch in diesem Jahr wieder die Feuerwehrwertung – mit über 100 Feuerwehrleuten aus Deutschland und den Niederlanden, und alle in voller Ausrüstung. Mit Atemschutzgeräten, Schutzkleidung, Helmen – und trotzdem mit vollem Tempo.
Der Schnellste: Daniel Henz von der Feuerwehr Illingen mit 14,26 Minuten. Ihm folgten Fabian Missfelder (Berufsfeuerwehr Stuttgart, 15,13 Minuten) und Remy Harpes vom „Corps grand-ducal d’incendie et de secours CIS Useldange“ aus Luxemburg.
Sascha Unsöld von der Freiwilligen Feuerwehr Nürtingen war bereits zum achten Mal dabei und meisterte die Strecke mit knapp 25 Kilogramm Ausrüstung in 19 Minuten. „Wir trainieren regelmäßig in einem Hochhaus mit 22 Stockwerken“, verriet er. „Aber das hier ist noch mal etwas anderes – dieses Gemeinschaftsgefühl, das hier entsteht, ist einfach einzigartig.“
Ein Moment, der alle berührte
Ein stiller, aber zutiefst emotionaler Höhepunkt war der Lauf von Maurice-André Iseli (26). Einst querschnittsgelähmt, kämpfte er sich – mit Krücken – zum zweiten Mal die gesamten 1987 Stufen hinauf.
Über eine Stunde war er unterwegs, aber als er oben ankam, strahlte er wie ein Sieger: „Ich war schneller als im letzten Jahr. Und ganz ehrlich: Das ist das Beste, was man machen kann.“ Ein Vorbild an Willensstärke und ein Zeichen dafür, dass beim Stäffeleslauf der Mensch im Mittelpunkt steht – mit allem, was er mitbringt: Mut, Geschichte, Kraft.
Nicht weniger eindrucksvoll war Alwin Wurster, geboren 1940 – der älteste Teilnehmer. Bereits zum siebten Mal bewältigte er den Lauf, diesmal in 23,59 Minuten.
„Ich mache jeden Morgen 15 Minuten Gymnastik – das hält fit“, sagte er lächelnd. Und fügte an: „Mir macht der Lauf einfach Spaß.“ Heute lebt er im Nagoldtal, nachdem er 44 Jahre in Südafrika verbracht hat. Der Applaus war ihm sicher.
Gemeinschaft, Gänsehaut und ganz viel Herz
„Das ist unser sportliches Highlight des Jahres“, schwärmt TSV-Vorstand Beate Braun-Sonnenschein, die gemeinsam mit Trainer und Hauptorganisator Udo Schmidt und über 30 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern den Lauf koordinierte. „Wir hatten Anmeldungen aus ganz Deutschland – sogar aus Berlin und den Niederlanden. Das zeigt, wie sehr sich der Stäffeleslauf zu einem sportlichen Magneten entwickelt hat.“
André und Kerstin Enders aus Renningen waren zum ersten Mal dabei – frisch verheiratet: „Wir haben gesagt, wir probieren das gemeinsam aus – auch wenn diese Treppe von unten aussieht, als würde sie nie enden.“
Ein Lauf, der Menschen verbindet
Der Stäffeleslauf war 2025 mehr als ein Wettkampf. Es war ein Fest der Gemeinschaft, der Ausdauer, des Ehrenamts – und der vielen kleinen Heldengeschichten, die sich Stufe für Stufe nach oben schreiben.
Wer diese 1987 Stufen meistert, kommt nicht nur ins Schwitzen. Sondern wächst über sich hinaus. Und wer einmal oben an der Bergstation steht, weiß: „Das war’s wert. Und nächstes Jahr bin ich wieder dabei.“