Tiefe Baugrube in Bad Wildbad: In günstiger Lage entsteht neuer Wohnraum

Der Aushub der Baugrube und die Vorbereitungen zur Errichtung eines Mehrfamilienhauses sind am Ende der Wilhelmstraße zum Haus Charlotte benachbart voll in Gang.
Hans SchabertWo die Wilhelmstraße bei der Postbrücke in die Laienbergstraße übergeht, stand bis zum Abbruch im Jahr 2016 das zuletzt lange leerstehende Hotel „Vier Jahreszeiten“ alias Hotel Frey oder ganz früher auch Bahnhofhotel.
70 bis 90 Quadratmeter
Barrierefrei In der zur Großen Enz hin bis vor Kurzem auf Straßenniveau aufgefüllten Fläche wurde in den vergangenen Tagen eine tiefe Baugrube ausgehoben. Die „Gutekunst Kern KG“ aus Enzklösterle wird an dieser Stelle ein Mehrfamilienhaus mit 13 Wohnungen errichten und diese vermieten. Das Unternehmen hat schon das Gebäude Wilhelmstraße 90 gegenüber trotz der in die schwierige Coronazeit fallenden Arbeiten mit elf Mietwohnungen zügig erstellt.
Wie dieses soll auch der jetzt begonnene Neubau mit Energieeffizienz 55 und barrierefrei errichtet werden. Er wird um ein Geschoss höher als das Gegenüber.
Die Wohnungen bekommen eine Größe von 70 bis 90 Quadratmetern. Drei davon werden Penthousewohnungen. Elf Carports, deren Dächer begrünt werden, entstehen auf dem freien Platz auf der anderen Straßenseite. Darunter sind zwei Behindertenstellplätze.
In der vorhandenen Tiefgarage daneben gibt es weitere elf Stellplätze. Schon 2016 sprach im Zusammenhang mit den anlaufenden Abbrucharbeiten der damalige Bad Wildbader Bürgermeister und heutige Bundestagsabgeordnete Klaus Mack davon, dass er für das zunächst von der Stadt übernommen Areal an barrierefreien Wohnraum denke.
Ebene Wege
Diplom-Restaurator Aus dem Nachbargebäude „Haus Charlotte“ kommt beim Besuch unserer Redaktion auf dem schmalen Weg neben dem Bauzaun entlang der Baugrube gerade der Besitzer Andreas Siejek. Er hält sich momentan in Bad Wildbad im von ihm verwalteten Elternhaus auf. Sonst ist er überwiegend in Amsterdam. Dort kommt der renommierte Diplom-Restaurator schwerpunktmäßig seiner Arbeit nach. Er freue sich, dass auf dem brach gelegenen Gelände jetzt wieder etwas entstehe. Die Lage sei ja vorzüglich, wenn man an den Bahnhof oder die Einkaufsmöglichkeiten und die ebenen Wege bis in den Kurpark denke.
Seinem stattlichen Haus, das schon früher eine ähnliche Nachbarschaft hatte, tut dies keinen Abbruch. Es sei das einzige auf dieser Enzstrecke, das hinter dem Gebäude zum Fluss hin einen kleinen Garten besitze.
Noble Unterkunft
„Privatbad und WC“ Ganz so viele Menschen wie vor 60 Jahren im Vorgängerbau werden in dem neuen Mehrfamilienhaus wohl nicht ein- und ausgehen. Die noble Hotel-Unterkunft warb damals für ihre 60 Zimmer mit „Privatbad und WC“.
Eine hauseigene Brücke verband zu Post und Bahnhof auf die andere Seite der Enz zusätzlich zur öffentlichen Postbrücke.
Auch ein Kino – als zweites neben dem in der alten Linde bestehenden – war schon in den Räumen des verschwundenen Hauses: Am 10. Januar 1925 hatte das Thalia-Theater im Saal des Bahnhofhotels als zweites Lichtspieltheater in der Bäderstadt mit einem „Prunkfilm“, der Fürstentragödie „Königin Karoline von England“ und dem „bestens erheiternden Beiprogramm“, der Filmgroteske „Fatty als Meisterboxer“, eröffnet.