Musikalische Entdeckung: Waldkonzert in Bad Wildbad wird als Weltsensation bezeichnet

Auftakt zu Rossini war bereits im April auf dem Sommerberg an der Grillhütte (von links): Michael Pietsch-Rether, Andreas Lötterle, Jochen Schönleber, Stefan Wöhr, Petra Wöhr, Reto Müller und Benedetta Andrigo (künstlerisches Betriebsbüro).
Sabine ZollerBereits drei Monate vor dem Eröffnungskonzert trafen sich die Protagonisten vor Ort, um die Weichen für ein Ereignis zu stellen. Für Festivalleiter Jochen Schönleber, der das Konzert schon jetzt als eines der „Sahnehäubchen der Saison“ bezeichnet, ist das Waldkonzert auf dem Sommerberg mit seiner wunderbaren Akustik ein Konzert für die ganze Familie. Motor hinter diesem Projekt ist der Opernforscher Reto Müller.
Renommierter Forscher
Der renommierte Opernforscher und Rossini-Experte, der seit Jahrzehnten die Geschicke der Deutschen Rossini Gesellschaft leitet und auch den wissenschaftlichen Beirat der Fondazione Rossini in Pesaro unterstützt, hat ein Stück ausgegraben, das etwas ganz Besonderes ist.
Er hat es geschafft, die Kantate „O giorno sereno“ aus der Versenkung zu holen. „Wir spielen ein unbekanntes Stück von Rossini, eine kleine Kantate, die er eigens für Open Air komponiert hat“, erklärt Müller. Er betont: „Wir spielen sie so, wie er sie 1827 komponiert hat, und damit ist das Werk annähernd 200 Jahre später erstmals in dieser Form zu hören.“
Die Detailarbeit zur Umsetzung in der Natur ist ebenfalls enorm. Müller beschreibt das Treffen als Arbeitssitzung, in der es um die grundlegenden Fragen ging. „Besprochen wurde der Ablauf, wie die Echo-Effekte funktionieren, wer wo steht, wo die Blaskapelle platziert wird, wo der Chor und wo die Solisten.“
Kraftvolles Symbol
Auch logistischen Hürden sind für Müller ein zentrales Thema. So etwa die Frage „Wie kommen wir überhaupt mit den Musikern und dem Festivalchor hoch auf den Sommerberg?“
Profis und Amateure zusammen
Eine der größten Besonderheiten ist das Zusammenspiel der Kräfte. Neben dem Krakauer Philharmonischen Chor und den vier Solisten ist erstmals der Musikverein Neuenbürg dabei. Für den Vorstandsvorsitzenden Andreas Lötterle ist diese Premiere „etwas ganz Besonderes und gänzlich Neues“. Während Michael Pietsch-Rether als Dirigent des Musikvereins in dieser Konstellation ein kraftvolles Symbol sieht: „Das Besondere an diesem Konzert ist aus meiner Sicht, dass die Musik uns hier verbindet, nicht nur im Enzkreis, sondern kreisüberschreitend. Dass Profis und Amateure zusammenarbeiten in einem ganz tollen Setting in dieser wunderschönen Natur.“
Eine Herzensangelegenheit
Dass dabei „ein gemeinsamer goldener Schnitt gefunden wird“, um gemeinsam Musik aufleben zu lassen, ist für Pietsch-Rether das Ziel. Dass dabei ein Werk erklingt, das nun neu verlegt wurde, bezeichnet er sogar als eine „Weltsensation“.
Mit von der Partie sind Petra, Stefan und Jürgen Wöhr aus Höfen mit ihren Alphörnern. „Wir haben bereits beim ‚Wilhelm Tell‘-Projekt vor einem Jahrzehnt gespielt und freuen uns sehr auch in diesem Jahr wieder mitwirken zu dürfen“, so Stefan Wöhr, für den Rossini eine Herzensangelegenheit ist. „Wir selbst sind gerne bei den Rossini-Festspielen zu Gast.“
Tickets in der Touristik
Wenn im Juli Profis und engagierte Laien unter freiem Himmel aufeinandertreffen, wird spürbar, wie Musik Grenzen sprengen kann. Tickets von 20 bis 30 Euro für das Waldkonzert ab19.30 Uhr gibt es in der Touristik Bad Wildbad .