Minister auf dem Kaltenbronn: Wie funktioniert das Luchs-Monitoring?

Treffpunkt Kaltenbronn: FVA-Direktor Ulrich Schraml (Zweiter von links) informiert den Minister, rechts neben ihm, über das Forschungsprojekt.
Sabine ZollerUm die Population zu stärken, wurde 2023 das Vorhaben „Luchs Baden-Württemberg – Bestandsstützung der Luchsvorkommen in Baden-Württemberg und den angrenzenden Regionen“ ins Leben gerufen. Die auf vier Jahre angelegte Initiative soll den Grundstein für die dauerhafte Rückkehr des Luchses in seinen angestammten Lebensraum im Schwarzwald legen.
„Auf leisen Sohlen“
Ausrottung Einst lebte der Luchs in allen größeren Waldgebieten und Mittelgebirgen Europas, aber Lebensraumverlust und Dezimierung von Beutetieren führten ebenso wie die intensive Verfolgung des Luchses zur Ausrottung des Wildtieres. „Im Schwarzwald wurde der letzte Luchs bereits 1770 auf dem Kaltenbronn erlegt“, so Hauk, der zudem berichtete, dass seit den 1980er-Jahren immer wieder Kuder „auf leisen Sohlen“ in Baden-Württemberg, vornehmlich im Schwarzwald, eingewandert sind.
Dennoch ist der Luchs selten und wird nach wie vor auf der Roten Liste in Deutschland „als vom Aussterben bedroht“ eingestuft. Ausschlaggebend dafür ist der Lebensraum der Tiere, die zwar in weit voneinander entfernten Revieren eine Heimat gefunden haben, aber mangels weiblicher Tiere kein reproduzierendes Luchsvorkommen im Schwarzwald ermöglichen.

Minister Peter Hauk unterwegs beim Monitoring
Foto: ZollerBeobachtung Um im Schwarzwald eine stabile Population zu forcieren, wurde bereits 2004 das Wildtierinstitut der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) durch das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) mit verschiedenen Forschungs- und Umsetzungsprojekten zum Luchs beauftragt.
Mit der systematischen Beobachtung des Luchses gibt es Erkenntnisse über die Zahl und das Geschlecht der Tiere, ihre Herkunft und Verbreitung. „Hilfreich dafür sind Sichtungen, Fotofallenbilder, Losungsfunde, Risse oder Fährten, die uns in Zusammenarbeit mit der Jägerschaft und den Wildtierbeauftragten wertvolle Informationen liefern“, so FVA-Direktor Ulrich Schraml.
Monitoring bedeutet in diesem Zusammenhang aber auch die systematische Beobachtung von ausgewilderten Luchsen – mittels Halsbandsendern durch das Team der FVA – , um sichere Angaben über ihre Lebensweise und ihren Gesundheitszustand zu gewinnen.
Um die bestehenden Luchsvorkommen nicht zu beeinträchtigen, unterliegen die sorgfältig ausgewilderten Gehege-Nachzuchten strengen wissenschaftlichen Vorgaben. Diese sollen die genetische Vielfalt des Eurasischen Luchses fördern und so den Fortbestand der Art sichern.
Wichtiger Beitrag
„Martin“ „Der Luchs ist nicht nur ein Symbol für die Rückkehr großer Beutegreifer, sondern auch ein bedeutender Bestandteil der heimischen Biodiversität. Sein Vorkommen leistet einen wichtigen Beitrag zum Biotopverbund und zur ökologischen Vielfalt in Baden-Württemberg, Deutschland und Mitteleuropa“, betonte Hauk, der sich über die aktuell vor zwei Wochen stattgefundene Auswilderung des Luchskuders „Martin“ im Nordschwarzwald freut.
Durch das Monitoring konnte festgestellt werden, dass „Martin“ bereits sein erstes eigenes Reh gerissen und sich „ somit sehr schnell einen wirklich guten Start gesichert hat“, so Linda Kopaniak von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA).

Eine neue Ausstellung informiert über den Luchs
Foto: ZollerAnschauliches Beispiel „Diese Daten und ihre wissenschaftliche Auswertung sind die Voraussetzung dafür, den Schutz von Wildtieren bestmöglich zu konzipieren und umzusetzen. Denn je besser wir verstehen, wie der Luchs seinen Lebensraum nutzt, desto gezielter können wir ihn unterstützen und auch Nutzungskonflikten vorbeugen“, betonte Minister Hauk, der sich auf dem Kaltenbronn persönlich von den Möglichkeiten des Monitorings überzeugte.
Martin Hauser, Wildtierbeauftragter des Landkreises Rastatt, zeigte dem Minister, wie die Telemetrie-Antenne das Signal des Luchs-Halsbandes empfängt und so den genauen Aufenthaltsort der Tiere verrät. Ein anschauliches Beispiel für die Arbeit vor Ort, die Minister Hauk selbst einen ganz neuen Einblick in die Praxis ermöglichte.
Zentrale Grundlage
„Aktuell wissen wir dank des Monitorings von acht verschiedenen Luchsen in Baden-Württemberg. Diese Informationen bieten eine zentrale Grundlage für die effektive Stützung des Luchsvorkommens in Baden-Württemberg“, zeigt sich Minister Hauk sichtlich begeistert.