Kirchweih in Bad Herrenalb: 1905 öffneten sich zum ersten Mal die Türen von St. Bernhard

Kirchenmusikdirektor Karl Echle (links) aus Freudenstadt und Pfarrer Matthias Weingärtner gestalteten einen Kirchweih- und Gedenkgottesdienst.
Dietmar GlaserVor 120 Jahren wurde die Katholische Kirche Sankt Bernhard in Bad Herrenalb geweiht. Vor 275 Jahren starb der Komponist Johann Sebastian Bach. Die beiden Jahrestage hat Pfarrer Matthias Weingärtner am vergangenen Sonntag zu einem festlichen Kirchweih- und Gedenkgottesdienst zusammengefasst.
„Am 1. August 1905 frühmorgens um acht Uhr haben sich bei herrlichstem Wetter die Türen dieser Kirche zum ersten Mal geöffnet“, las Pfarrer Matthias Weingärtner aus der Kirchenchronik vor. Vor ihm saßen die Gläubigen der Seelsorgeeinheit Bad Herrenalb, Dobel und Loffenau in den Kirchenbänken. Viel mehr erfuhren sie nicht zum Kirchenbau, denn „wir feiern nicht nur das Jubiläum eines Gebäudes, sondern vielmehr ein Fest des Glaubens“, so Pfarrer Weingärtner.
Platznot war einst einer der Gründe für den Neubau
Angesichts der Lücken in den Bankreihen bemerkte er, dass die Zahl der Gottesdienstbesucher zurückgegangen sei. Platznot, welche einer der Gründe für den Kirchenneubau vor 120 Jahren war, ist Geschichte. „Manche sagen: Früher war alles voller und lebendiger. Ja, aber war es auch glaubwürdiger? Oder war da nicht viel Routine, viel Pflicht, viel Äußerlichkeit?“ Was sich nicht geändert habe, sei die Sehnsucht nach Sinn, die Fragen nach Gott und die Hoffnung, dass das Leben mehr ist als der berufliche Erfolg, der gesellschaftliche Status und das Hetzen von einem Termin zum nächsten.
Zusammenhalt in der Seelsorgeeinheit
Weil Kirche nicht nur ein Gebäude ist, sondern Beziehung zu Gott und untereinander, bekräftigte Pfarrer Weingärtner den Zusammenhalt in der Seelsorgeeinheit. „Denn wenn wir zusammenhalten und zusammen feiern, dann sind wir nicht wenige.“ Schließlich beteten die Versammelten für die Erbauer der Kirche und für die Generationen von Gläubigen, welche die Kirche 120 Jahre lang mit Leben füllten.
Beim Thema Gebet lenkte Pfarrer Weingärtner die Aufmerksamkeit auf die Musik von Johann Sebastian Bach. Seine geistlichen Werke seien in Töne gegossener Glauben. „Was ist diese Musik anderes als Gebet?“ An Bachs berühmter Toccata und Fuge in d-Moll erläuterte er: „Dieses Musikstück durchbraust das ganze Leben: Unruhe, Zweifel, Mut und am Ende in der Fuge Ordnung und Ziel. Es ist, als wollte Bach uns sagen: Gott vollendet alles und führt zusammen, was zerrissen und gespalten ist.“
Die Gemeinde lauschte dem Orgelspiel von Kirchenmusikdirektor Karl Echle aus Freudenstadt, der mit verschiedenen Bachwerken den Gottesdienst festlich begleitete. Spiritueller Höhepunkt war die gesungene Gabenbereitung durch Pfarrer Weingärtner. Im Anschluss an den Gottesdienst gab es einen Umtrunk und geselliges Beisammensein im benachbarten Gemeindehaus.