Kinderoper Bad Wildbad: „Ein Fantasieraum für Kinder“

Intendant Jochen Schönleber, Carolina Benedettini (Klavier), Eleonora Calabró (Text und Regie) und Schauspielerin Chiara Gistri.
Sabine ZollerDie Kinderoper im Rahmen des Belcanto Opera Festivals „Rossini in Wildbad“ ist längst mehr als nur ein Begleitprogramm – sie ist ein Herzensprojekt. Bereits seit 2023 bietet das Festival Grundschulkindern die Möglichkeit, klassische Musik ganz nah zu erleben.
Zunächst gekürzte Fassungen
In den ersten beiden Jahren waren es gekürzte Fassungen von Opern Rossinis, mit denen die jungen Zuschauer begeistert wurden. Doch in diesem Sommer wollte Intendant Jochen Schönleber gemeinsam mit seinem Team einen neuen Weg gehen – mit einer Geschichte, die eigens für den Nordschwarzwald entwickelt wurde.
Zweisprachiges Stück
Die Idee dazu kam von Eleonora Calabró, einer erfahrenen Kindertheatermacherin aus Italien, die selbst als junge Frau auf der Bühne stand. Sie schlug vor, „Alice im Wunderland“ als Vorlage zu nehmen – und das Ganze in die besondere Kulisse des Bad Wildbader Kurparks zu verlegen. Zusammen mit ihrem Onkel, einem Kinderbuchautor, entwickelte sie eine poetische Textfassung, die später in gereimte deutsche Sprache übertragen wurde – eine zusätzliche kreative Herausforderung, die das Stück zweisprachig und lebendig macht.
Hauptakteur für die Kinderoper ist Chiara Gistri, die deutsch-italienischen Schauspielerin aus der Toskana, die seit dem ersten Jahr als festes Ensemblemitglied dabei ist. In diesem Sommer schlüpfte sie in die Rolle des weißen Kaninchens und begleitete die Kinder als zentrale Figur durch die Opernreise im Park. Unter der Regie von Eleonora Calabró begeisterte das Team mit Carolina Benedetti (Klavierbegleitung) und den Sängerinnen und Sängern aus der Rossini-Akademie – ein Ausbildungspartner, mit dem das Festival seit Jahren eng kooperiert. „Wir können keine fertigen Produktionen einkaufen, deshalb entwickeln wir das Ganze selbst – und das mit jungen Talenten, die eine wunderbare Energie mitbringen“, betont Schönleber.
Raum zum Mitmachen
In diesem Jahr waren es gleich zwei Besetzungen aus Genua, die das Stück aufführten. Da sie an einem Tag nicht verfügbar waren, wurde sogar eine dritte Besetzung aus Teilnehmern der Masterclass gebildet. Die Aufführungen selbst dauerten etwa 45 Minuten – eine knappe Schulstunde –, so dass die Kinder genug Raum zum Mitmachen und Erleben hatten, ohne überfordert zu werden.
Kinder haben sich begeistert beteiligt
„Weil es in diesem Jahr häufiger geregnet hat, waren wir auch im Vogelhaus zu Gast und haben dort gespielt. Aber auch das hat die Kinder begeistert. Sie waren voll dabei, haben mitgespielt, mitgesungen, und genau das ist entscheidend“, so der Intendant.
Musikalisch setzte das Stück auf eine Mischung aus Live-Gesang und Klavierbegleitung – mit Musik von Gioachino Rossini, wie man sie in Grundschulen sonst kaum zu hören bekommt. Gelegentlich wurde auch ein Instrumentalstück eingebaut. „Wir wollten alles live machen – das ist für die Kinder eindrucksvoller, unmittelbarer“, erklärt Schönleber.
Fantasieraum für Kinder eröffnen
Und wie kam das neue Konzept an? „Ich habe nur strahlende Gesichter gesehen“, erzählt der Intendant sichtlich bewegt. Für ihn ist das Ziel klar: „Natürlich ist Rossini unser Thema, aber in erster Linie geht es darum, Kindern einen Fantasieraum zu eröffnen. Einen Raum, in dem sie Neues kennenlernen – Schauspiel, Musik, Kunst, Sprache. Und wenn nur ein paar von ihnen neugierig werden und wiederkommen, dann haben wir viel erreicht.“ Die Kinderoper in Bad Wildbad zeigt eindrucksvoll, wie kulturelle Bildung aussehen kann: mutig, lebendig, nahbar – und mit ganz viel Herz.