Justus Frantz in Bad Wildbad
: „Retter des Königlichen Kurtheaters“ gewürdigt

Zum ausverkauften Konzert von Justus Frantz mit seinem Sohn Konstantin in Bad Wildbad gab es gleich zu Beginn eine Überraschung: Frantz wird Schirmherr des Königlichen Kurtheaters.
Von
Sabine Zoller
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Justus Frantz (von links) als „Retter des Königlichen Kurtheaters“ ist jetzt Schirmherr des Königlichen Kurtheaters. Es freuen sich mit ihm: Thomas Käppler, Vorsitzender des Fördervereins Königliches Kurtheater, und Eckhard Petersohn, einst Chefarzt der Rommel-Klinik und langjähriger Vorsitzender des Fördervereins, seit 2015 Ehrenvorsitzender des Vereins.

Zoller

Thomas Käppler, Vorsitzender des Fördervereins Königliches Kurtheater, stand auf der Bühne und hob vor Freude die Arme in die Höhe, bevor er das Publikum im voll gefüllten Saal offiziell begrüßte. Er ließ den Augenblick wirken, denn zum Konzert hatte sich der Förderverein einen besonderen feierlichen Auftakt vorbehalten: die Würdigung von Justus Frantz als „Retter des Königlichen Kurtheaters“ und die feierliche Übertragung der Schirmherrschaft.

Glücklicher Zufall

In bewegten Worten erinnerte Käppler daran, dass es ein glücklicher Zufall gewesen sei, der Justus Frantz vor über vier Jahrzehnten nach Bad Wildbad führte, und sprach diesem im Namen des Fördervereins Königliches Kurtheater Wildbad die höchste Wertschätzung und tiefste Dankbarkeit aus. „Seit den frühen 1980er-Jahren hat der international renommierte Pianist, Dirigent und Förderer der Künste mit unermüdlichem Engagement und visionärer Kraft die Grundlage für die Erhaltung und Restaurierung dieses einzigartigen Kulturdenkmals geschaffen.“

Stark verfallen Während seiner Rehabilitation in Bad Wildbad, entdeckte Justus Frantz 1983 das damals stark verfallene Kurtheater im Kurpark und erkannte dessen kulturellen Wert. Mit seinen Initiativen habe Frantz einen entscheidenden Impuls gesetzt, um das historische Gebäude vor dem drohenden Abriss zu bewahren.

Durch seine persönliche Unterstützung und die Einbindung namhafter Künstler wie Christoph Eschenbach, Pinchas Zukerman und Will Quadflieg habe er die Bürger von Bad Wildbad für die Bedeutung ihres Theaters sensibilisiert. Legendär sei seine Fotoaktion vor dem Kurtheater mit der Parole „Rettet Wildbads Theater“, die einen Wendepunkt markierte und 1987 zur Gründung des Fördervereins führte.

Die kontinuierliche Förderung von Justus Frantz und seine „unvergesslichen Konzerte“ haben maßgeblich dazu beigetragen, dass das Königliche Kurtheater zwischen 2001 und 2014 umfassend restauriert und am 10. Juli 2014 mit einer Rossini-Aufführung feierlich wiedereröffnet werden konnte.

Das Königliche Kurtheater lockt mit besonderen Veranstaltungen und war auch am Sonntag ausverkauft.

Foto: Zoller

„Das 1864 erbaute und seit 1997 als Kulturdenkmal anerkannte Kurtheater erstrahlt dank ihm in neuem Glanz. Es ist damit nicht nur eine Bühne für das international angesehene Rossini-Festival, sondern ein lebendiger Ort, der mit hochrangigen Aufführungen das kulturelle Leben des gesamten Nordschwarzwalds bereichert“, so Käppler. „Die Verdienste von Professor Frantz haben Bad Wildbad weit über die Grenzen der Region hinaus zu einem Zentrum der klassischen Musik und Kunst gemacht.“

Urkunde überreicht

Als sichtbares Zeichen dieser Wertschätzung überreichte Käppler Justus Frantz eine Urkunde zur Verleihung der Schirmherrschaft in Anerkennung seiner künstlerischen Leidenschaft und seines unermüdlichen Einsatzes für die Bewahrung des Königlichen Kurtheaters mit den Worten: „Sie ist Ausdruck unserer tiefsten Dankbarkeit und Bewunderung. Sein Vermächtnis wird in den Mauern dieses Theaters und in den Herzen der Menschen, nicht nur in Bad Wildbad, für immer weiterleben.“

Dramatische Ereignisse Eckhard Petersohn, einst Chefarzt der Rommel-Klinik und heute Ehrenvorsitzender des Fördervereins, berichtete eindrucksvoll über die Anfänge: „1983 hatte der Retter des Königlichen Kurtheaters einen Unfall und kam nach Bad Wildbad. Auf einem Spaziergang fragte er mich nach dem Kurtheater. Ich sagte: ‚Das Land will es abreißen.‘ Er antwortete sofort: ‚Das könnt ihr nicht zulassen, ihr müsst es retten.‘ Zwei Wochen später kauften wir das Gebäude vom Land Baden-Württemberg für eine D-Mark.“

Er lobte die Bürger, die das Theater immer wieder unterstützen

Unermüdlicher Einsatz

Frantz dankte und erinnerte an die dramatischen Ereignisse. Er betonte, dass diese Dramatik nicht in Vergessenheit geraten dürfe: „Ich hatte einen Unfall, an den ich mich überhaupt nicht erinnern kann. Dr. Petersohn hat mich damals wieder auf die Beine gestellt, und dafür bin ich ihm unendlich dankbar.“ Als er das Haus in Wildbad sah, standen bereits Leute mit einer Abrissbirne davor. „Ich sagte sofort: ‚Das ist völlig ausgeschlossen! Nur über meine Leiche!‘“

Dank des unermüdlichen Einsatzes von Justus Frantz, des Fördervereins und der Unterstützung international bekannter Musiker konnte das Kurtheater nicht nur gerettet, sondern zu einem lebendigen Kulturort entwickelt werden.

Als Visionär und Schirmherr dachte Justus Frantz dabei immer einen Schritt weiter: „Zum ersten Mal in meinem Leben überlegte ich, ob wir mit einer der großen Bühnen dieser Welt eine kleinere Rossini-Oper in Bad Wildbad aufführen könnten. Das wäre eine Sensation und würde Bad Wildbad sofort in den kulturellen Mittelpunkt rücken.“

CW-News
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Kreis Calw Montag bis Samstag im kompakten Überblick.