Bad Herrenalber Geschichte: Eine Wiese, viele Erinnerungen – Richard Clauer erinnert sich an seine Kindheit

Richard Clauers Augen beginnen zu leuchten, als er von seiner Kindheit auf der Schweizer Wiese erzählt.
Sabine ZollerWenn Richard Clauer von der Schweizer Wiese spricht, dann leuchten seine Augen. Für den 1943 geborenen Herrenalber ist sie weit mehr als ein Stück Grünfläche: Sie war Spielplatz, Landwirtschaftsfläche, Technikschauplatz und wurde als Grünfläche im Herzen der Stadt zu einem lebendigen Stück Stadtgeschichte.
Clauer wuchs unmittelbar an der Schweizer Wiese auf und erlebte ihre Entwicklung von der landwirtschaftlich genutzten Fläche bis zur Geburtsstätte des Thermalbads aus allernächster Nähe.
Wasserrinnen, Sägewerk und das erste elektrische Licht
Direkt gegenüber der Wohnung seiner Familie in der Ettlinger Straße erstreckte sich die Schweizer Wiese, eine weite Fläche, durchzogen von kleinen Bewässerungsgräben. „Die Schweizer Wiese war ein Wasserloch“, sagt Clauer, der mit diesem Ausspruch seinen Vater Fritz Clauer zitiert. Rückblickend erinnert er sich daran, wie die Wiese vom Hauptgraben entlang der Ettlinger Straße aus versorgt wurde.
Um zu verstehen, wie dieses Bewässerungssystem entstand, lohnt sich ein Blick zurück in die Geschichte. Bereits im Jahr 1671 baute die Familie Benckieser die Viehhof-Sägemühle gegenüber der heutigen Apotheke Roser. „Das war ein oberschlächtiges Wasserrad. Angetrieben vom Wasser des Kurgarten Kanals brachte es die Antriebskraft auf das Sägegatter“, so Clauer.
Das erste elektrische Licht in Herrenalb
Der heutige Kurgarten-Kanal wurde damals für den Betrieb der Säge angelegt, der ebenfalls in die Alb fließt. Ein Teil vom Kanalwasser wurde durch ein Wehr in den Hauptgraben der Schweizer Wiese geleitet und um 1908 wurde ein leistungsstarkes Elektrizitätswerk gebaut, dessen Turbinen und Generatoren die Stadt mit Energie versorgten.
„Und 1909 brannte in Herrenalb das erste elektrische Licht“, erzählt Clauer. Die Turbinen des Elektrizitätswerks wurden damals regelmäßig gewartet. Wenn sie zur Wartung stillstanden, wurde das Wehr geöffnet und das gesamte Wasser des Kurgarten-Kanals in den Hauptgraben der Schweizer Wiese geleitet. „Das Fluten haben die Mitarbeiter des E-Werks gemacht“, erinnert sich Clauer. „Oft war es Willi Gräßle, er wohnte im Nachbarhaus. Einige Male hat er mich zum Fluten mitgenommen. Für mich als Schulbub war das eine hochinteressante Sache.“
Familiengeschichte auf der Schweizer Wiese
Die Schweizer Wiese war zugleich ein landwirtschaftlich genutztes Arbeitsfeld vieler Pächter, darunter Clauers Großvater Ludwig Pfeiffer, in Herrenalb als „Soda Louis“ bekannt. Seine Getränkeproduktion und Landwirtschaft reichten zurück bis zu Urgroßvater Johann Gottfried Pfeiffer.
Drei bis vier Morgen der Wiese bewirtschaftete die Familie und erhielt zum Bewässern das kostbare Nass durch einen detailliert festgelegten Verteilerplan. „Neben dem Hauptwehr befand sich ein weiteres Wehr beim Haus Kaelin, denn neben dem Hotel Kühler Brunnen lag ein kleiner See, dessen Wasser ebenfalls zum Fluten der Schweizer Wiese genutzt wurde.“ Und damit begann die eigentliche Herausforderung, denn das Wasser musste gerecht über die gesamte Wiese und damit die einzeln bewirtschafteten Parzellen verteilt werden.
Dafür gab es einen detaillierten Verteilerplan, den der Gemeinderat festgelegt hatte, wie ein Protokoll aus dem Jahr 1949 belegt. Die Bewässerung wurde offiziell überwacht, dennoch, so erinnert sich Clauer schmunzelnd, wurde „immer wieder ein wenig gemauschelt“.
Sommer, Heuernte und die Drachenwettbewerbe
Besonders lebendig sind Clauers Kindheitserinnerungen: Mit 13 Jahre durfte er seinem Onkel Kurt Pfeiffer helfen, festgefahrene Heuwagen mit dem Unimog aus der Wiese zu ziehen. Im Jahresverlauf veränderte sich das Bild der Schweizer Wiese, besonders nach dem zweiten Grasschnitt, dem sogenannten „Oemd“. Dieser Schnitt, auch Grummet genannt, unterscheidet sich vom ersten Schnitt (Heu) durch feinere Halme, einen höheren Anteil an Kräutern und einen höheren Eiweißgehalt, wodurch er für Tiere wie Kühe, Schafe oder Ziegen besonders nahrhaft ist.
„Dann wurde für uns Kinder die Schweizer Wiese zu einem Spielplatz, auf dem sich die Fantasie entfalten konnte.“ Selbstgebaute Drachen stiegen an langen Schnüren in die Luft, flatterten fröhlich im Wind, und es gab sogar richtige Drachenmeisterschaften. „Bewertet wurden Größe, Aussehen und Flugleistung der Drachen, wer flog am höchsten, wer am längsten.“ Besonders geschickt waren dabei nach Aussage von Clauer die Jungs von der „Schönen Aussicht“, und damit die Familien Rothfuss und Romoser. So wurde die Schweizer Wiese, zwischen Arbeit und Natur, zu einem Ort voller Spiel, Freude und unvergesslicher Erinnerungen.