Bad Herrenalber Geschichte: Die Schweizer Wiese war weit mehr als nur ein Spielplatz

Die Schweizer Wiese nach der Jahrhundertwende.
Archiv ZollerDie Schweizer Wiese war für Richard Clauer weit mehr als ein Ort seiner Kindheit und Jugend. Er berichtet und erinnert sich beispielsweise an einen jungen Bürgermeister mit Visionen.
Mit der Schweizer Wiese verknüpft Clauer auch Stadtgeschichte. „1948 wurde Robert Langenstein nach über zwei Jahrzehnten Amtszeit in Conweiler zum Bürgermeister in Herrenalb gewählt.“ Als Langenstein 1960 verabschiedet wurde, suchte Herrenalb einen Nachfolger. 19 Kandidaten stellten sich 1961 vor, darunter ein junger Bewerber: Robert Traub, gerade einmal 27 Jahre alt.
Clauer erinnert sich gut an den Informationsabend im Gasthaus Hirsch in der Kullenmühle. „Mein Vater Fritz Clauer war von ihm begeistert. Er sagte immer: ‚Ein Robert geht, ein Robert kommt.‘“ Traub sprach vom Aufbruch, von Chancen, vom Thermalwasser und den Perspektiven eines modernen Kurorts. Seine Vision überzeugte und am 7. Mai 1961 wurde Traub mit fast 70 Prozent der Stimmen gewählt.“
Suche nach Thermalwasser
Nur wenig später sollte die Schweizer Wiese erneut zur Bühne der Stadtgeschichte werden. Im Sommer 1964 begann man dort nach Thermalwasser zu bohren, zunächst jedoch ohne sichtbaren Erfolg. „Im Gemeinderat ging es hoch her“, erinnert sich Clauer. Die Frage stand im Raum: Weiterbohren oder aufgeben? Jeder Meter kostete damals 1000 Mark.“ Doch Traub blieb hartnäckig. Er drängte auf Durchhalten und soll sogar gedroht haben, Herrenalb zu verlassen, wenn man aufgab. „Schließlich lag er richtig: Thermalwasser wurde gefunden und Traub blieb.“
Der Weg zum Thermalbad
Dem großen Vorhaben, ein Thermalbad für Herrenalb zu errichten, ist man 1967 ein gutes Stück nähergekommen. Ein Architektenwettbewerb brachte fast 90 Vorschläge hervor. Im März 1969 begann der Bau auf der Schweizer Wiese, und im September desselben Jahres konnte bereits Richtfest gefeiert werden. Im Februar 1970 folgte eine Baubesichtigung, und am Samstag, den 2. Januar 1971, wurde das Thermalbad seiner Bestimmung übergeben.
„Fernsehen und Funk berichteten, denn es war ein Thermalbad nach den neuesten medizinischen Erkenntnissen“, so Clauer, der diese Tatsache als „ein echtes Highlight“ bezeichnet. „Gratulationen und Lob gab es in Hülle und Fülle. In meinem Archiv stapeln sich die Zeitungsberichte dieser Zeit. Journalisten aus allen großen deutschen Städten gaben sich in Herrenalb die Hand“, berichtet der akribische Sammler und Bewahrer zeitgenössischer Berichte.
Am 20. Oktober 1971 erhielt Herrenalb den Titel „Bad“, ein Verdienst, das Clauer ganz klar Robert Traub zuschreibt: „Das war Robert Traubs Werk. Er war ein Macher.“
Sie soll bleiben, was sie ist
Immer wieder gab es Vorstöße, die Schweizer Wiese zu bebauen: 1947 plante Oskar Hurrle eine Großtankstelle, später wurde über zwölf große Wohnblöcke entlang der Ettlinger Straße nachgedacht. Doch der Zeitzeuge sieht es heute deutlich: „Wenn ich vom Falkenstein auf meine Heimatstadt schaue, eingebettet in sieben Täler, umgeben von Wäldern und davor ausgerollt wie ein grüner Teppich die Schweizer Wiese, dann denke ich: Lassen wir die Wiese doch das sein, was sie ist, eine Erholungswiese für unsere Gäste und für uns selbst.“
Für Clauer ist die Schweizer Wiese ein Erholungsraum, ein Stück Natur, ein geschichtsträchtiger Ort. Hier spielten er selbst, seine Kinder und seine Enkel. Hier fließt noch heute die Alb ein naturbelassener Bach.
Er ruft zum Bewahren auf
Zum Abschluss betont Clauer einen Satz, der wie ein Vermächtnis klingt: „Erhalten wir doch unsere schöne Schweizer Wiese. Bewahren wir unsere Naturschönheit für die kommenden Generationen, damit auch sie sich an der Schweizer Wiese freuen können.“