Bad Herrenalb: Kein Raum mehr für Spekulationen

Pastor Dieter Hampel beschäftigte sich intensiv mit der Offenbarung des Johannes. Foto: Wustmann
Schwarzwälder-BoteVon Peter Wustmann Bad Herrenalb-Bernbach. Pastor Dieter Hampel ist wohl kaum ein Buch der Bibel so vertraut wie die Offenbarung. Der heute 70-Jährige hat eine eigene Auslegung der alten Schrift verfasst.Der Pastor im Ruhestand wurde 1940 im tschechischen Trautenau im Riesengebirge geboren. Er ist ausgebildeter Bilanzbuchhalter und hat 24 Jahre im heutigen Chemnitz als Pastor gedient, danach 15 weitere Jahre in Leipzig. Seit 2003 lebt er mit seiner Frau im Bad Herrenalber Stadtteil Bernbach.
Während seiner Zeit in der damaligen DDR hat sich Dieter Hampel für den theologischen Austausch mit dem westlichen, christlichen Ausland engagiert, damals vor allem mit Schweden und Finnland, der Bundesrepublik Deutschland und den USA. Christen aus der DDR konnten nur dann ins westliche Ausland reisen, wenn sich ein Sponsor fand, der die Reisekosten trug, berichtet Hampel. Als Christ in der DDR hielt er auch offiziellen Kontakt zu den Christen in den anderen damaligen Ostblockländern. Wenn er beruflich im Ausland weilte, musste seine Ehefrau zu Hause zurückbleiben, um so seine Rückkehr zu garantieren.
Seine Offenbarungs-Auslegung profitiert davon, dass Hampel mit der altgriechischen Sprache sehr gut arbeiten kann. Es galt, die auf das Jahr um 95 nach Christus datierte Schrift des Propheten Johannes den Spekulanten wieder zu entziehen und sich exakt ans Schrift-Wort zu halten, unterstreicht Hampel.
Seine Auslegung der Offenbarung geht auf eine grundlegende Arbeit des Baptistenpredigers Adolf Pohl zurück, aber auch auf seine eigenen Kenntnisse der griechischen Sprache. Die Ausarbeitung des Pastors ist Lehrmaterial für das Theologische Seminar in Erzhausen bei Darmstadt, dem er als Kuratoriums-Vorsitzender angehörte. Eine CD mit Dieter Hampels Lehrmaterial für das Theologische Seminar Erzhausen existiert bereits, ein Internetauftritt ist in Vorbereitung.
Die Offenbarung sei griechisch geschrieben, aber hebräisch gedacht, mit zahlreichen Verweisen auf das Alte Testament, erklärt Hampel. Viele der zahlreichen Ausleger seither seien der griechischen Sprache aber gar nicht mächtig gewesen. Manches sei daher ins Schriftwort hineingelegt und es sei eine erschütternd unwissenschaftliche Auslegung praktiziert worden.
In der orthodoxen Kirche und ihrem Kanon der Heiligen Schrift fehlt die Offenbarung laut Hampel völlig. Es habe auch eine starke Vereinseitigung gegeben und eine besondere Vernachlässigung des Zukunfts- und des Hoffnungs-Themas. Der wesentliche Inhalt der Offenbarung sei die Darstellung Jesu Christi in seiner göttlichen Macht und durch ihn die deutliche Demaskierung des Bösen. Außerdem verdeutliche die Offenbarung, dass Gott und Jesus nicht auseinanderdividiert werden können.
Als eine letzte Zukunftsaufgabe hat Dieter Hampel sich vorgenommen, 2011 wieder zurück ins Erzgebirge zu seiner zweiten Tochter zu ziehen, um sich der Erziehung der beiden von ihr adoptierten Töchter zu widmen – ihre eigene Ehe blieb kinderlos.
Es handelt sich um zwei Schwestern, die durch sexuellen Missbrauch in ihrer Kindheit schwer seelisch geschädigt wurden und daher auch lernbehindert sind. Eine christliche und auch psychologisch schwierige Herausforderung.