Wertschöpfung in Albstadt: Damit mehr Geld in der Region bleibt

Die Lokalstoffmacher (von links): Patrick Herter von Edelweiss Jersey in Lautlingen, Sebastian Keller und Christian Weiß von der Textilveredlung Keller und Andreas Merkel, Gebr. Otto.
UnternehmeniGlobale Lieferketten gelten in der Textilindustrie als preislich überlegen. Ein Projekt aus Baden-Württemberg zeigt, dass regionale Alternativen wirtschaftlich darstellbar sein können.
Unter dem Namen „Lokalstoffmacher“ haben drei Unternehmen eine regionale Strickstoffkette aufgebaut. Der Fokus liegt dabei auf wirtschaftlicher Tragfähigkeit und Transparenz entlang der gesamten Lieferkette. Gesponnen wird die spanische Faser bei Gebr. Otto in Dietenheim (Alb-Donau-Kreis) bei Ulm. Der Strickstoff entsteht in Lautlingen bei Edelweiss Jersey. Bei der Textilveredlung Keller in Öschingen (Kreis Tübingen) bekommt er sein Finishing. Die Unternehmen berichten darüber in einer Pressemitteilung.
Initiiert hat das Projekt Patrick Herter, Geschäftsführer von Edelweiss Jersey, im Frühjahr 2025. Ihm war es wichtig, eine bewusst aufgebaute, stabile Kooperationskette zu etablieren. Mit im Boot: Christian Weiß und Sebastian Keller, die sich die Geschäftsführung der Textilveredlung teilen.
Potenzial für Stoffe
Potenzial für die Strickstoffe der Lokalstoffmacher ist vorhanden, das ist sich Andreas Merkel, Geschäftsführer der Spinnerei Gebr. Otto sicher. Ob sich die Kooperation aus wirtschaftlicher Sicht gelohnt hat, können die drei Partner noch nicht beantworten. Die Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette gestärkt habe das Projekt auf jeden Fall. „Mit der Spinnerei hatten wir bisher keinen direkten Kontakt, da war immer ein Glied dazwischen“, so Sebastian Keller. „Es geht uns hier gewiss nicht um Abschottung oder Lokalpatriotismus, sondern um das Bewusstsein, dass an einem lokal hergestellten Produkt auch Arbeitsplätze hängen“, unterstreicht Merkel.
Er sieht deshalb öffentliche Ausschreibungen als einen Zielmarkt für Produkte der Lokalstoffmacher. Bisher werden öffentliche Aufträge aus Preisgründen meist außerhalb Deutschlands vergeben. Allerdings sei die zugrundeliegende Preisbetrachtung unvollständig. Andreas Merkel: „Als Hersteller zahlen wir in Deutschland Steuern sowie vielfältige Abgaben und Umlagen. Diesen Block müsste man in einem realistischen Preisvergleich abziehen.“ In der Konsequenz hieße das: „Würden die öffentlichen Auftraggeber ihre Aufträge in Deutschland platzieren, bekämen sie eine sehr hohe Qualität zu wettbewerbsfähigen Preisen.“
Derzeit sprechen kurzfristige Kostenargumente noch häufig dafür, Produkte zu günstigeren Preisen zu importieren. Mit dem zunehmenden Druck auf dem Arbeitsmarkt und steigenden Sozialkosten müsse der Staat, der als öffentlicher Auftraggeber Geld ausgibt, so investieren, dass er den bestmöglichen „Pay-Back“ habe.