Trauer um Dieter Riediger
: Ebingen verliert ein Original

Wäre es kein Naturgesetz, niemand hätte vermutet, dass Dieter Riediger einmal das Leben verlassen könnte: Bis ins hohe Alter strotzte der gebürtige Ebinger vor Kraft und Sportsgeist.
Von
Karina Eyrich
Oberndorf
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Dieter Riediger ist im Alter von 83 Jahren friedlich eingeschlafen.

Foto: Archiv

Albstadt-Ebingen -  Am Donnerstag ist er im Alter von 83 Jahren im Kreis seiner Familie und Freunde nach einem erfüllten – und spannenden – Leben friedlich eingeschlafen.

Im Herzen Ebingens, im Hof, war Dieter Riediger, geboren am 26. Januar 1938, aufgewachsen – ohne Vater, der ihm zeitlebens gefehlt hat, denn der war 1941 im Zweiten Weltkrieg gefallen. Umso enger war die Bindung zu seiner Mutter Berta, geborene Rominger, bis sie 1980 starb.

Die Liebe zu seiner späteren Frau, Ingrid Meiser, begann schon früh, denn beide drückten in der selben Klasse der Handelsschule die Schulbank, nach der Riediger eine Lehre in der Ebinger Trikotfabrik Friedrich Maag, einen Katzensprung von seinem Elternhaus entfernt, absolvierte, um sich anschließend im Textiltechnikum in Reutlingen weiterzubilden.

Sein Traum aber hieß schon immer: Amerika. So wagte Dieter Riediger nach der Ausbildung den Sprung über den großen Teich, nach New Jersey – um zu bleiben. Eine "Green-Card", die ihm die Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis bescherte, hatte er, und seine Zeit an der Ostküste genoss er oft bei Besuchen in New York City. Kurios: Bei einer Sportveranstaltung im Shea Stadium lernte er Ebinger kennen, die ebenfalls ausgewandert waren, und traf sich mit ihnen fortan zum "Ebinger Stammtisch". Bis zuletzt pflegte er Beziehungen zu amerikanischen Freunden, war 2019 gar noch einmal in den USA und 2018 in Kuba.

Aus den USA zurück in die Heimat

Es war die Politik, die ihm 1961 einen Strich durch seine Pläne machte, konkret: ein Einberufungsbefehl zum Militär – für Dieter Riediger die Initialzündung, mit einem Frachtschiff in die Heimat zurückzukehren. Dort packte er in der elterlichen Firma an, baute den Brenn- und Mineralstoffhandel "Louis Rominger" kontinuierlich aus und baute auf dem frisch erworbenen Grundstück in der Kientenstraße, wo die Tankstelle "Rominger & Blaier" der jüngste Sprössling der Nachfolgefirma ist.

Nun konnte Riediger auch endlich seine Ingrid heiraten: 1965 traten sie vor den Altar der Tailfinger Peterskirche, wurden 1967 Eltern von Tochter Catrin und 1972 von Nesthäkchen Kerstin.

Die Reiselust hat ihn nie verlassen

Die Reiselust ließ den Weltenbummler freilich nie los, wobei er auch in der Ferne seinen sportlichen Leidenschaften, etwa dem Tennis- und später dem Golfspiel, frönte. Seine größte Leidenschaft aber war das Skifahren, bei dem Riediger alles andere als ein Hasenfuß war: Steile Pisten, ja sogar nach Sprüngen aus dem Hubschrauber, meisterte der drahtige Ebinger spielend und fuhr auch in höherem Alter noch vielen Jüngeren elegant davon.

Seine sportliche Heimat – und seine zweite Familie – war für Dieter Riediger der Wintersportverein Ebingen, in dem er sich auch als Funktionär stark engagierte. "Tscheff", wie er dort liebevoll genannt wurde, und dem langjährigen Vorsitzenden Siegfried Binder hat der WSV am meisten zu verdanken: 43 Jahre lang hatte sich Riediger im Führungsteam engagiert, davon 41 Jahre als Vize-Chef, und sein großes Herz, das in einer nur scheinbar rauen Schale steckte, gehörte vor allem der Jugend- und Nachwuchsarbeit. Dass Riediger seinen drei Enkelkindern Caroline, Louis und Lilli-Marie ein warmherziger Opa – und ein sportliches Vorbild – war: selbstredend.

Neben dem Sport war es aber auch die Geselligkeit, die Dieter Riediger im Verein schätzte, nicht nur im WSV, auch in der Tennisgesellschaft Ebingen, der er 63 Jahre lang angehörte. Mit Freunden am Stammtisch zu sitzen, über das Zeitgeschehen zu diskutieren und Geschichten aus seinem spannenden Leben zu erzählen, genoss Dieter Riediger bis vor kurzem noch regelmäßig, dank der Hilfe von Freunden, denn die körperliche Kraft hatte ihn zuletzt verlassen. Die geistige freilich nie, was es ihm ermöglichte, sich kurz vor seinem Tod von engen Weggefährten zu verabschieden.

"Hoal mei Soal" als letzter Gruß

Den WSV-Gruß "Hoal mei Soal" hatte Dieter Riediger seinem engen Freund Siegfried Binder im Juni 2018 am offenen Grab nachgerufen. Nun folgt er ihm, und der WSV verliert ein weiteres seiner tatkräftigsten Mitglieder. Die Trauerfeier für Dieter Riediger beginnt am Dienstag, 24. August, um 14.30 Uhr auf dem Friedhof Ebingen.

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