Schäferfest in Onstmettingen: Albstadts Wies’n ist der Raichberg

Was vom Schafe übrig blieb: Soeben hat der Deutsche Schafschermeister Felix Riedel es aus seiner Wolle gepellt – jetzt bestaunen die Kinder aus dem Publikum den textilen Ertrag.
Ulrike Zimmermann„München hat das Oktoberfest, Stuttgart den Wasen und Albstadt das Schäferfest“, so bündig formulierte Schäfermeister Rudolf Matyas am Sonntag im brummenden Festzelt den Sachverhalt. Der kaum überschaubaren Gästeschar wurden an beiden Tagen Attraktionen in Hülle und Fülle – Kulinarisches, Musikalisches, Unterhaltsames, Wissenswertes – geboten, und genau diese Mischung aus Information und einem umfangreichen Beiprogramm ist der Erfolgsgarant für das Familienfest, das zugleich einem ganzen Berufsstand, den Schäfern und Schafhaltern, als Forum für seine Öffentlichkeitsarbeit und die Botschaft dienen, dass Schafe nach wie vor gebraucht werden: Ohne sie würde die artenreiche Heidelandschaft verbuschen und verwalden.
Aber das ist natürlich längst nicht alles. Wie vielseitig die Produkte aus der Schafhaltung sind, davon konnten sich die Besucher an den Marktständen überzeugen: Das Angebot geht weit über Fleisch hinaus; es reicht von Bekleidung über Decken bis zu Pflegeprodukten. Und Kuscheltiere aus Schafwolle sind kaum zu toppen.
Meister Riedel braucht gerade mal zwei Minuten
Zumal, wenn die Kinder zuvor eine Schafschur miterlebt haben. Zwei Coburger Fuchsschafe wurden unter den Augen vieler kleiner und großer Zuschauer aus ihrer Wolle gepellt, und zwar von einem Vollprofi, nämlich Felix Riedel aus Schwenningen. Der Deutsche Meister im Schafscheren benötigte dafür knapp zwei Minuten, und das Spektakel, das Rudolf Matyas moderierte, ging ganz ohne Blessuren ab. Fast schien es, als seien die „nackten“ Schafe dankbar fürs „Entkleiden“. Die Wolle durften die Zuschauer nicht nur anfassen, sondern auch mitnehmen.
Ähnlich viele Zuschauer zog das Schauhüten an. Beeindruckt verfolgten sie, wie der Border Collie die Schafherde umkreiste und zurück zum Schäfer trieb, und erfuhren noch viel über verschiedene Schafrassen und Wollqualitäten.
Eine Zeitreise in die Vergangenheit
Den Charakter einer Zeitreise in frühere Jahrhunderte hatte auch das Stelldichein beim Kohlenmeiler, den Aktivisten des Onstmettinger Albvereins in traditioneller Manier gebaut hatten und am Samstagmittag anzündeten. Viele Jahre lang hatte dabei Gottlob Ast ehrenamtlich Regie geführt; als er 2017 mit 86 Jahren schweren Herzens aus gesundheitlichen Gründen aufhörte, beschlossen Franz Prassl und Gerhard Schlei am Stammtisch: „Wir machen weiter“. Seither ist Franz Prassl Onstmettinger Schauköhler – wohlgemerkt nicht ohne Schützenhilfe von Schlei, Michael Gulde, Gerd Lehmann und Harald Böttcher.
Wer beim Anzünden des Meilers auf den Geschmack gekommen war, durfte sich anschließend ein typisches Köhlermahl – Brot, Schmalz, Schwarzwurst und Zwiebeln – munden lassen. Wem das zu deftig war, hatte immer noch eine reiche Speisen- und Getränkeauswahl an den diversen Food Trucks.
„Luschdiga Schwoba“ und Jagdhornbläser
Vielfältig war auch das Rahmenprogramm. Im Festzelt machten „die luschdiga Schwoba“ vom Städtischen Orchester Albstadt, die Musikkapelle Frohsinn Lautlingen und der Musikverein Meßstetten Stimmung. An den Ständen regionaler Vereine und Vereinigungen wurde Expertenwissen weitergegeben. Am Sonntag knatterten Oldtimer-Traktoren auf das Festgelände, die Jagdhornbläser Balingen bliesen am Stand der Kreisjägervereinigung kräftig in ihre Hörner, und die kleinen Gäste konnten sich auf der Stroh- oder Hüpfburg austoben, Karussell fahren, Zaubererkunststücke bestaunen oder Kasperletheater anschauen. Und wo kann man so hübsche Alpakas streicheln und Albesel füttern wie auf dem Onstmettinger Schäferfest?