Praxis Bader expandiert
: Wie die Gemeinde Winterlingen bei der Ärzteversorgung Wachstum ermöglicht

Gegen Ärztemangel hat die Gemeinde Winterlingen aktiv etwas getan und ins Gebäude der Alten Schule investiert, wo Johannes Bader mit seiner Praxis expandieren konnte.
Von
Karina Eyrich
Oberndorf
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Johannes Bader und sein Ärzteteam fühlen sich rundum wohl in der Alten Schule Winterlingen, wo der Internist und Allgemeinmediziner mit seiner Praxis expandieren konnte, weil die Gemeinde das Gebäude umgebaut hat.

Karina Eyrich

„Unkompliziert“, „schnell“ und „sehr kooperativ“ lauten die Adjektive, wenn Johannes Bader von der Zusammenarbeit mit der Gemeinde Winterlingen und Bürgermeister Michael Maier spricht.

2017 hatte sich der Allgemeinmediziner als hausärztlicher Internist im früheren Grundschulgebäude niedergelassen und mit Kollegen vom Krankenhaus Sigmaringen, wo er vorher tätig war, das Haus- und Facharztzentrum Laucherttal/Alb aufgebaut, dem inzwischen 15 Ärzte, darunter eine Neurologin, und insgesamt 63 Fachkräfte angehören, die 9800 Patienten an den Standorten Winterlingen, Hettingen und Gammertingen versorgen, darunter knapp 5000 in Winterlingen. Damals hatte er die Patienten seines Kollegen Hans-Torsten Abel, der nun in seiner Praxis mitarbeitet, übernommen – aber nicht dessen Räume.

Moderne Praxisräume stehen den 15 Ärzten und dem insgesamt 63-köpfigen Team zur Verfügung.

Foto: Kristina Dirlewanger

Um ihm den Start zu ermöglichen, habe die Gemeinde die Alte Schule renoviert und umgebaut, berichtet Bader. Als im Frühjahr dann sein Kollege Brunner seine Praxis altersbedingt aufgegeben habe, standen knapp 1000 Patienten ohne Hausarzt da – und Bader, der kurz vorher zwei weitere Ärztinnen engagiert hatte, hatte „durchaus die personelle Kapazität, das aufzufangen“ – einzig nicht die räumliche.

Allerdings wusste er, dass im Haus in einem weiteren Stockwerk rund 75 Quadratmeter zusätzliche Fläche zur Verfügung standen – dort, wo bisher der Jugendraum untergebracht hat.

Im Wartebereich hängen Urlaubsbilder – so wird das Warten angenehmer.

Foto: Kristina Dirlewanger

„Binnen zwei bis drei Tagen konnten wir das mit der Gemeinde klären“, berichtet er über den Plan, das untere Stockwerk ebenfalls noch auszubauen, um die Praxisräume auf nunmehr gut 350 Quadratmeter zu erweitern. Ein Labor, ein EKG- und ein EEG-Raum, ein Verbandszimmer, ein Sprechzimmer für Patienten mit Diabetes, ein Büro für Verwaltungsarbeiten und nicht weniger als acht ärztliche Sprechzimmer stehen Bader und seinem Team nun zur Verfügung. Die Kosten für den Umbau – rund 100 000 Euro – habe komplett die Gemeinde getragen – einzig das Inventar musste der Arzt selbst finanzieren.

Durch den Umbau eines weiteren Geschosses hat das Praxisteam mehr Platz.

Foto: Kristina Dirlewanger

Dass ärztliche Versorgung zur Daseinsvorsorge und damit auch zu den kommunalen Aufgaben gehört, sei inzwischen in vielen Gemeinden angekommen, freut sich der Mediziner: Die Gemeinden Winterlingen, Bitz, Neufra, Gammertingen, Hettingen, Veringenstadt und Trochtelfingen planten deshalb auf Basis von Baders Idee, ein Stipendienprogramm für Medizinstudenten aufzulegen, um auch für die Zukunft weitere Ärzte zu gewinnen. An seinem Standort Hettingen habe die Gemeinde ebenfalls die Sanierung der Räume und sogar einen kompletten Anbau gestemmt, in Gammertingen habe die Stadt ihn beim Kauf eines Ultraschallgeräts unterstützt.

Prominentes Gebäude in der Ortsmitte: die Alte Schule

Foto: Karina Eyrich

Schöne Räume allein seien freilich nicht ausschlaggebend für Ärzte, sich irgendwo nieder- oder anstellen zu lassen, weiß Johannes Bader. „Das Gesamtpaket muss stimmen.“ In Winterlingen sei das der Fall: „Wir fühlen uns absolut wohl hier – sonst hätten wir nicht erweitert“, betont er.

Die Fachräume sind bestens ausgestattet.

Foto: Kristina Dirlewanger

Die räumliche Luft, um weitere Kollegen in sein Team aufzunehmen, hätte Bader nun. Einzig die Verwaltungsarbeit nehme dann doch irgendwann überhand. „Ich bin ja Arzt geworden, um mit den Patienten zu arbeiten“, betont er und legt Wert darauf, an vier bis fünf Tagen pro Woche selbst Sprechstunde zu halten, wenn es ihm auch nicht die vollen Tage über möglich ist. „Aber aufgeben will ich das nicht.“

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