Motorradbekleidung in Albstadt: Geschäft schließt - „Corona war der Knackpunkt“

Der Räumungsverkauf bei Mash Motorradbekleidung hat begonnen
Horst SchweizerAus kleinsten Anfängen hat sich Jörg Leukhardt einen Familienbetrieb aufgebaut, den es im Umkreis von rund 100 Kilometern kein zweites Mal gibt.
Vergleichbares ist nur in der Bodenseeregion oder in Karlsruhe zu finden. Sein Ziel war, Motorradbekleidung für jeden Biker, für jeden Fahrstil und für jede Jahreszeit seiner Kundschaft noch einige weitere Jahre anzubieten. Wäre auch alles so schön gewesen, hätte es die Pandemie nicht gegeben.
„Corona war der Knackpunkt für meinen Betrieb, wie auch für viele andere im Facheinzelhandel“, resümiert Jörg Leukhardt nachdenklich. „Die Leute hatten Zeit, beschäftigten sich verstärkt und länger mit dem Internet, stöberten im Online-Handel“, so der 64-Jährige. Mit der Folge, dass die Umsätze deutlich zurückgingen.
Anfänge in Balingen
Begonnen hat alles 1991 in der Neue Straße in Balingen. „Meine Idee und zugleich mein Anlass war damals, etwas zu schaffen, was es nicht gab“, so Jörg Leukhardt. Er fuhr seit seinem 18. Lebensjahr Motorrad und wusste daher schon früh, was der Biker benötigt. Bereits nach zwei Jahren verließ er Balingen, eröffnete in der Tieringer Straße in Weilstetten auf 170 Quadratmetern den etwas größeren Betrieb. Das Sortiment wuchs, der Platz wurde kleiner und enger.
Leukhardt packte 2015 die Chance am Schopf, zog in das Biha-Gebäude nach Pfeffingen. Dort hatte er rund 600 Quadratmeter Verkaufsfläche zur Verfügung. „Das Geschäft hat sich hier sehr gut entwickelt, eben bis nach Corona“, resümiert er. Bis zu fünf Mitarbeiter standen der großen Kundschaft beratend beiseite. Deren Einzugsgebiet war und ist groß. „Ich habe Kunden im Umkreis von mehreren 100 Kilometern. Selbst aus Dresden, Leipzig, Hannover oder Passau machten sie sich auf den Weg nach Pfeffingen“, so der stets bodenständig gebliebene Inhaber.
Viele Kunden seien aus der Schweiz und Österreich gekommen, „weil wir Marken führen, die sonst keiner hat und unsere Produkte gut ankamen“, so Jörg Leukhardt, der auf rund 60 Lieferanten verweist. Wert habe er und sein Team vor allem auf Reparaturen in Pfeffingen gelegt, wie Druckknöpfe anbringen, Reißverschlüsse an der Kleidung ersetzen. „Wir konnten dies für unsere Kunden als erstklassiger Service viel schneller und günstiger ausführen, sonst hätte deren Weg in eine Spezialnäherei führen müssen“, so der 64-Jährige. Da sich Jörg Leukhardt schon früh intensiv mit Helmen beschäftigte und seine langjährige Erfahrung einbrachte, sei er bald in Bikerkreisen „Helmdoktor“ genannt worden. Biker seien auch oft 100 Kilometer hierhergefahren, wenn der Helm am Kopf drückte. Er hat in seinen 35 langen Jahren seiner Kundschaft hunderte Helme angepasst.
Vorfreude auf mehr Freizeit
Das alles wird bald der Vergangenheit angehören. Spätestens zum Saisonende im September werden die Lichter in Pfeffingen ausgehen. Der Räumungsverkauf, erzählt er, sei sehr gut bestückt und 90 Prozent aller Produkte seien reduziert. Jörg Leukhardt bittet seine Kundschaft, die noch vorhandenen Gutscheine zeitnah einzulösen.
Obwohl er früher als angedacht ins Rentnerleben geht, werde es ihm sicher nicht langweilig, sagt Jörg Leukhardt. Er sei schließlich ein grundsolider Mensch, stehe mit beiden Beinen auf dem Boden, lege Wert auf Wahrheit und freue sich auch auf Reisen. Ebenso gebe es mit seinen beiden Hunden genug zu tun.