Meßstetten: Das schönste Geschenk hat er schon

Die Kernfamilie der "Interstuhl"-Familie (von links): Susana Martin de Vidales, Karin Link, Joachim Link, Jubilar Werner Link, Helmut Link, Lenore Link und Georgia Link. Foto: Eyrich
Schwarzwälder-BoteVon Karina Eyrich
Das Schrauben und Tüfteln ist noch immer sein Hobby. Mit welchen sonstigen Fähigkeiten Werner Link "Interstuhl" von der Dorfschmiede zum Branchenprimus ausgebaut hat und warum er trotz des Erfolgs ein feiner Kerl geblieben ist, haben seine Söhne beim Fest zu Links 75. Geburtstag verraten.
Meßstetten-Tieringen. "Was ›Interstuhl‹ heute ist, ist Dein Werk – Herausforderung und Verpflichtung für uns. Bleibe uns bewährter Ratgeber und Mentor – wir brauchen dich noch lange!" Die Glückwünsche seiner Söhne Joachim und Helmut sowie ihr erfolgreicher Einsatz für den führenden Hersteller von Sitz- und Büromöbeln, den Werner Link seit 1961 aus der Dorfschmiede seines Heimatorts Tieringen heraus aufgebaut hat, waren das schönste Geschenk für ihn zu seinem 75. Geburtstag, wie er bekannte.
Ein zweites: seine "Interstuhl-Familie", zu der inzwischen 650 Mitarbeiter zählen, eine eigene Kapelle, die zum Fest in der Interstuhl-Arena aufspielte, inklusive. "Bei uns steht der Mitarbeiter nicht auf der Kosten-, sondern auf der Haben-Seite der Bilanz", betonte Helmut Link, und sein Bruder Joachim zählte die "besonderen Fähigkeiten und Tugenden" auf, die seinen Vater zum Unternehmer im besten Sinne machten: sein "Ja" zu Veränderungen, "dass er sich heute die Frage stellt, was er tun muss, um morgen noch erfolgreicher zu sein", Neugier, die Fähigkeit, vernetzt zu denken und zu handeln, seine "intellektuelle Leistungsfähigkeit, seine hohe emotionale Stabilität" – und die Bereitschaft, Fehler zuzulassen, seien sie doch das "perpetuum mobile" der Entwicklung.
Schon mittwochmittags habe Werner Link seine 35-Stunden-Woche hinter sich gehabt, habe oft morgens gesagt: "Heute Nacht ist mir etwas eingefallen!", verriet Joachim Link und zollte dem "Paradebeispiel eines Autodidakten" Respekt für seine Fähigkeit, die Bedürfnisse des Marktes aufzuspüren und daraus Ideen zu entwickeln.
Obwohl "Interstuhl" längst "Global Player" sei, sei Werner Link – "bodenständig, ehrlich, kantig, echt" – stets seiner Heimat Tieringen treu geblieben, lasse sie an seinem Erfolg teilhaben als Förderer aller Vereine im Ort und, darüber hinaus, als Mäzen für Kunst, Kultur und Sport. Dafür dankten ihm Bürgermeister Frank Schroft und Ortsvorsteher Jürgen Löffler mit einem Geschenk, wenngleich Link sich nur Spenden für den Förderverein für krebskranke Kinder in Tübingen gewünscht hatte. "Sie haben Großartiges geleistet", sagte Schroft, "Sie sind ein Unternehmer, der sein Unternehmen mit Weitblick aufgebaut und der Stadt und Region weitergebracht hat. Aus dem Orts- und Stadtgeschehen sind Sie nicht wegzudenken."
Gesunden Menschenverstand, Fleiß, Weit- und Umsicht bescheinigte Betriebsratsvorsitzender Lothar Reiser dem Jubilar: "Wir, die Interstuhl-Familie, durften durch Ihr Wirken sehr viel Glück erfahren, und ich wünsche mir, dass wir Sie als wichtige Stütze noch viele Jahre bei guter Gesundheit im Unternehmen erleben dürfen."
Ein ausgefallenes Geschenk hatte Klara Stingel zusammengestellt: einen Film vom Dorffest 1990, in dem Link mit seinen Söhnen seinem Vater beim Schmieden eines Kettenglieds zuschaut, sowie mit Aufnahmen aus der Produktion dieser Jahre. "Was Dich besonders auszeichnet, ist, dass Du das ›Wir‹ in den Mittelpunkt stellst", kommentierte Helmut Link. "Das Wohl Deiner Mitarbeiter ist Dir wichtig – weit über das normale Maß hinaus." Das schlage sich in der Qualität nieder.
Damit will "Interstuhl", wie Link verriet, seinen Exportanteil auf 50 Prozent und seinen Umsatz auf 200 Millionen Euro jährlich steigern. "Doch unsere Vision ist, ein Familienunternehmen zu bleiben", versprach Link dem Jubilar, der gerührt für alle Glückwünsche dankte. "Eine Aufgabe zu haben, die einen erfüllt und nicht daran erinnert, dass man älter wird, ist ein Glück in meinem Alter", betonte Werner Link und bekannte, das Aufgeben seiner operativen Funktionen sei ihm nicht leicht gefallen, "weil ich alles, was ich gemacht habe, gerne gemacht habe". Link dankte auch seiner Frau Karin, seiner Schwester Lenore und den Frauen seiner Söhne sowie "allen, die mir den Mut und die Energie gegeben haben, das Unternehmen aufzubauen und voranzubringen", wobei er die Mitarbeiter besonders hervorhob.
"Hier in Tieringen bin ich verwurzelt", sagte er an Schroft und Löffler gewandt: "Damit wir weiter wachsen können, haben wir Ideen gesät und Investitionen getätigt."
Sein Herzenswunsch sei es, dass die Verlegung der Landesstraße 440 – nötig für die weitere Expansion – "bis zu meinem nächsten runden Geburtstag fertig ist". Werner Links Credo, "dass der Erfolg drei Buchstaben hat: tun", wie Joachim Link sagte, bleibt auch dabei die Maxime.