„Kulturundso“ Albstadt
: Therapie für die Seele

Der Künstler Mathias Rehfeldt kombinierte in einer bemerkenswerten Performance Kirchenorgel, Synthesizer und visuelle Effekte.
Von
Susanne Conzelmann
Oberndorf
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Matthias Rehfeld spielte die Kirchenorgel, begleitende Synthesizer-Spuren und visuelle Effekte hatte er vorprogrammiert.

Susanne Conzelmann

Das war Therapie für die Seele: Das „Dark Matter Projekt“ des Münchner Komponisten Matthias Rehfeldt bot ein immersives Programm.

Darauf, ein Programmheft auszulegen, verzichtete er bewusst. Den Zuhörenden sollte möglich sein, ganz eigene Erfahrungen mit der Präsentation zu machen und eigenen Interpretationen zu folgen.

Vorgegeben war nur der Name des Zyklus’: „The Nights“ – „Die Nächte“, die er in seiner ganzen Vielfalt ins Ohr und auf die Augen bannte.

„Dark Matter“

Foto: Susanne Conzelmann

Rehfeldt spielte die Rensch-Orgel in der Martinskirche. Den Part des Synthesizers hatte er vorab aufgenommen und ließ diesen parallel laufen.

Synthesizer und Kirchenorgel hätten, so Rehfeldt in einer kurzen Einführung, auf den ersten Blick nichts miteinander gemein. Auf den zweiten Blick offenbare sich allerdings die gemeinsame Idee, welche die beiden Instrumente verbinden würden: Ein einziger Musiker spiele ein ganzes Orchester.

In der Tat ergänzten sich die beiden ungleichen Instrumente sich beim „Dark Matter Projekt“ aufs Vorzüglichste. Zu der überwältigenden Klangexplosion kam ein Fest des visuellen Sinns. Rehfeldt hatte auch die Videoprojektion, welche seine Musik begleitete, selbst kreiert.

„Blau“

Foto: Susanne Conzelmann

Nur fast, wünschte sich der Kunstfreund an diesem Abend, dass die Martinskirche mit einfarbig weißen Wänden ausgestattet sei. Dem Künstler selbst gefiel es so: Die Fresken störten bei seinen Farbspielen keineswegs, die Brüche würden das optische Erlebnis noch spannender machen.

Das links oben über dem Altar angebrachte Bildnis des segnenden Christus’ passte oft wunderbar in die Nacht- oder Naturterrains. Schloss der geneigte Konzertbesucher sonst gerne die Augen, um sich auf die Musik zu konzentrieren, so hätte er sich in diesem Fall einer weiteren Erlebniskomponente beraubt.

Durch die multisensorische Erfahrung konnten die Besucher selbst in die Kunst eintauchen und Teil davon werden. Diese Erfahrung bot geradezu therapeutische Ansätze.

„Kreis“

Foto: Susanne Conzelmann

Die Videoprojektion spielte vor allem mit kräftigen Farben. Zuweilen waren deutlich Objekte zu erkennen, etwa eine Skyline, ein nächtlicher Wald oder Vögel, die in der morgendlichen Dämmerung den Tag mit fröhlichem Gezwitscher begrüßen.

Interpretiert wurde der Vogelgesang durch die Musik. Hektisch wurde diese in der Stadt, die auch nachts nicht zu schlafen scheint, besinnlich beim klaren Sternenhimmel, unter der Wasseroberfläche oder bei einer Seenlandschaft.

Rehfeldt zauberte aus seinem Synthesizer Geräusche für Regen aller Art: Es nieselte oder schüttete, im Gewitter rockte er zusätzlich die Orgel und ließ die ehrwürdigen Kirchenmauern erbeben.

„Stern“

Foto: Susanne Conzelmann

In anderen Sequenzen spielte er mit Formen, ließ Sterne, Kreise oder Kreuze mit seinen zahlreichen Beamern auf den Wänden aufleuchten. Geradezu apokalyptisch wurde es, als der Besucher zerstörte Städte und Feuerregen zu erkennen glaubte.

Sollte Hollywood-Regisseur Roland Emmerich für seinen nächsten dystopischen Blockbuster noch einen Komponisten für die Filmmusik benötigen: In Mathias Rehfeldt, der schon mehr als 100 mehrheitlich deutsche TV- und Filmproduktionen bedient hat, hätte er definitiv den richtigen.

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