Kräuterkasten Ebingen
: „Wir machen Musik, da geht euch der Hut hoch!“

Das Trio „Spätzlesbrett“ ist im Ebinger Kräuterkasten aufgetreten. Mancher Zuhörer hofft danach auf ein Wiedersehen.
Von
Ute Büttner
Oberndorf
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Uli Kalbrecht (von links), Hannegret Bausinger und Uli Barth

Ute Büttner

Hannegret Bausinger (Gesang und Geige), Uli Barth (Gesang und Tenorhorn) und Uli Kalbrecht (Gesang, Klavier und Akkordeon) traten im Kräuterkasten auf. „Spätzlesbrett“, nennt sich das Trio.

„Wir machen Musik, da geht euch der Hut hoch“, verspricht das Trio. Doch nicht nur die drei, sondern auch die Gäste beteiligen sich, singen den Refrain oder teilweise den ganzen Text mit, bewegen sich zum Rhythmus, lassen nicht den Hut sondern die Arme hochgehen. Denn es erklingen bekannte Schlager von den 20er- bis in die 80er-Jahre.

Das Programm ist gut ausgewählt. Es zeigt, was immer gleich bleibt, was verschieden ist. Etwa bei Lokalen: Der arme Bolle kriegt in Pankow nichts zum Essen und die kleine Kneipe in unserer Straße bietet Peter Alexander Wohlgefühl. Dagegen beweist der Kriminaltango, wie gefährlich es in der Taverne sein kann.

Kaktus, Rosen oder Tulpen

Das Meer macht Hans Albers melancholisch oder bringt eine Mutter zur Verzweiflung, weil ihr Junge doch bald wieder nach Haus kommen soll. Der kleine Kaktus sticht und sticht, wussten schon die Comedian Harmonists. Rosen, vom letzten Geld bestellt, bringen Anneliese nicht zum Erscheinen. Dagegen erwecken Tulpen aus Amsterdam Glücksgefühle.

Schon in den 50er-Jahren versuchte man sich an vegetarischer Ernährung. Doch schon damals halfen Salat, Spinat, Rote Rübe nicht gegen Dicksein.

Frauen sollen einfach nur schön sein, Männer dagegen stark, so dass Frauen sich angezogen fühlen. Doch welches Elend in den Beziehungen: Männer warten vergeblich, Frauen flüchten in den Alkohol und Eunuchen heulen im Harem, weil der Sultan despotisch herrscht.

Musik und Texte genial umgesetzt

Musik und Texte sind genial umgesetzt. Der Lenz und der Kaktus werden nur vom Klavier begleitet, Hannegret Bausinger und Uli Barth ahmen mit Blicken und Gesten die Comedian Harmonists nach. Uli Kalbrecht verdeutlicht am Klavier mit einem schnellen Lauf in die tiefen Töne, wie die Blumen ins Wasser geworfen werden.

Uli Barth ist überzeugt, dass er die Herzen der stolzesten Fraun bricht, obwohl er genau so leidenschaftslos und träge wie Heinz Rühmann singt. Hannegret Bausinger findet im Saal ihren Egon, zeigt mit Stimme und Bewegung, dass sie aus Liebe zu ihm zu viel getrunken hat. Sie stellt sich als das Mädchen von Pyräus vor und erzählt mit Akzent, was in Griechenland anders ist als in Deutschland – etwa die Rolle von Hermes.

Uli Kalbrecht begleitet sich selbst, während er erzählt, was ihm gut tut. Mit dem Akkordeon zeichnet er die Stimmung, wenn nicht nur das Trio, sondern der ganze Saal vor der Laterne steht und wartet wie einst Lili Marleen.

Mancher hofft auf ein Wiedersehn

Stimmung kann auch anders sein: Que sera, sera singen alle selig mit, doch unwillkürlich denkt man dabei an Doris Day, wenn sie im Film mit verzweifeltem Blick dieses Lied fast herausschreit.

Das Trio ist gut abgestimmt, die drei sprechen sich witzig ab, lassen dem den Vortritt, der gerade das Singen, Sagen oder Spielen hat. Hannegret Bausinger begleitet mit der Geige, wenn sie nicht singt, Uli Barth greift zum Tenorhorn, wenn Uli Kalbrecht nach der schönen Frau sucht.

„Das gibt’s nur einmal?“ Nun, jetzt ist November und nicht Mai, aber dieses Trio gibt es hoffentlich nicht nur einmal im Kräuterkasten zu hören. „Auf Wiedersehn, auf Wiedersehn, bleib nicht so lange fort“ – dieses Lied, zum Abschluss geboten, entspricht ganz dem Wunsch der begeisterten Zuhörer.

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