Junk-Journal-Basteln in Albstadt
: Ein Hobby wie eine Wundertüte

„Junk Journals“ sind keine „Müll-Tagebücher“, wie die Übersetzung suggerieren mag. Tatsächlich handelt es um ein immer mehr beachtetes Hobby aus den USA.
Von
Susanne Conzelmann
Oberndorf
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Ein wunderschönes Hobby: Junk-Journals zu basteln, macht in jedem Alter Spaß.

Susanne Conzelmann

„Junk Journals“ haben auch in Deutschland zahlreiche Freunde gefunden. Vielmehr: Freundinnen. Zumindest sind es beim Workshop in Albstadt nur Frauen, die sich für das „Junk Journaling“ begeistern. Und Sandra Udovicic fällt erst nach langem Nachdenken ein Mann ein, der sich bei einem Workshop für diese Art des Bastelns erwärmt hat. Sandra – in der Junk-Szene sind alle sogleich per Du („Wir sind alle eine große Familie!“) – hat nach dem großen Erfolg im Herbst auch den zweiten Workshop dazu nach Albstadt geholt. Sie selbst ist seit 2021 dem aus den USA herübergeschwappten Hobby verfallen.

Auf der Suche nach einer kreativen Methode, ihre vielen als Hobbyfotografin geschossenen Bilder ansprechend in ein Album zu verpacken, stieß sie im Internet auf Lehrfilme zum „Junk Jornaling“. Viele davon sind in englischer Sprache, doch mit Susanne Bisch, wohnhaft im Schwarzwald, fand sie auch eine deutsche You-Tuberin. „Und ich war sofort angefixt“ berichtet die Ebingerin strahlend. So wie die meisten, die die ersten Schritte mit dieser kreativen Basteltechnik gehen.

Manche sind schon wahre Profis

So sind es bei diesem zweitägigen Workshop im „Gleis 4“ nur zwei oder drei Neueinsteigerinnen, andere kennen schon manche Kniffe und weitere sind wahre Profis. Wobei – erlaubt ist, was gefällt! „Es gibt keine Junk-Journal-Polizei“, erklärt Sandra Udovicic, und Susanne Bisch ergänzt: „Die Ergebnisse werden nicht beurteilt oder bewertet, sondern bestaunt!“

Die beiden sind die eine Hälfte der vier „Bollenhut-Mädels“, auch die dritte im Bunde, Saarländerin Kerstin Chambalu, ist an diesem Wochenende in Albstadt mit dabei, Doreen Weber ergänzt das Quartett. Die vier geben Tipps, organisieren Workshops, halten die wachsende „Junk Journaling“- Familie zusammen. Susanne Bisch ist mit „Bollenhut Art“ in sozialen Medien vertreten und dreht seit 2020 nahezu jede Woche ein Video über ihre Aktivitäten. Waren es zu Beginn knapp zwei Dutzend Follower, haben ihre You-Tube-Videos mittlerweile eine Reichweite von 11 800 Abonnenten. Mehrere Stunden investiert sie pro Woche in ein solches Video.

Mit Abfallproduktion hat es nichts zu tun

Neben ihrem Beruf gestaltet sie auch noch wunderschöne Design-Papiere, von denen jede Teilnehmerin zu Beginn einige bekommen hat. Doch was ist „Junk Journaling“ denn nun genau? Mit Abfallprodukten – es dürfen aber auch speziell dafür erworbene Materialien sein – werden Bücher gestaltet, die als Notiz- oder Tagebücher dienen, in denen Erinnerungen aufgeschrieben werden oder als Adresskladden verwendet werden.

Bücher streicheln – wie geht das?

Manche Bücher werden nur „gestreichelt“ – so nennen es die Junk-Fans, also liebevoll betrachtet und gefühlt. Alle Frauen berichten, dass sie viele Dinge nicht mehr wegschmeißen und der ganze Bekanntenkreis mit unterwegs ist auf der Suche nach alten Fotos, Büchern und Zeitungen, Stoff- und Fadenresten, alten Einkaufstüten und Kalenderblättern. Eine Seminaristin hat geplättete Baumrinde erstanden, anderen trocknen Blumen oder sammeln Perlen und Knöpfe.

Farben aller Art – Acryl- und Wassermalfarben, Wachsstifte und Strukturpaste – dürfen genutzt werden. Daraus werden die Journale neu gestaltet oder bei der „Altered Book“- Technik bestehende Bücher verziert. Es wird geklebt, gerissen, gefaltet, genäht und gestickt. Konzentriert und mit viel Freude arbeiten die Workshopteilnehmerinnen an ihren Werken, von denen natürlich ein Unikat ist.

Drei Frauen haben Heimspiel

Dazu kommen sie aus der Schweiz und aus Österreich, aus Nordrhein-Westfalen und aus dem Großraum Stuttgart nach Albstadt, drei Frauen haben an diesem Wochenende ein Heimspiel. Eine davon ist Birgit. Sie ist Multiplikatorin und hat ihrerseits einen lose Reihe von Bastelabenden bei der evangelischen Kirchengemeinde Tailfingen gestartet: Das „Bible Journaling“, bei dem ein Bibeltext dem kreativen Arbeiten zugrunde gelegt wird. Der nächste Termin ist am Montag, 7. Juli, im Gemeindezentrum Stiegel – Anmeldung per E-Mail gemeindebuero.tailfingen@elkw.de). Wer Interesse an einem der Kurse im nächsten Jahr hat, kann sich bei booksbysusa@gmx.de informieren. Tipps und Tricks, um „sich an die weiße Seite heranzutrauen“ gibt es bei „Bollenhut Art“.

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