Hochschule Albstadt-Sigmaringen: Studentinnen gewinnen Gold aus Elektro-Schrott

Marlena Haag, Selin Yavuz und Anna Kraus (vorne, von links) haben sich mit der Rückgewinnung von Gold aus Elektroschrott beschäftigt. Betreut wurden sie von Jörn Lübben (hinten, links) von der Fakultät Engineering. Ein weiteres Projekt an der Fakultät Life Sciences soll folgen – es wird von David Drissner begleitet.
Hochschule/Corinna KorinthWie lässt sich Gold aus Elektro-Schrott möglichst umweltfreundlich, wirtschaftlich und sozialverträglich zurückgewinnen? Mit dieser Frage haben sich Marlena Haag, Anna Kraus und Selin Yavuz für ihr Industrieprojekt im Studiengang Sustainable Engineering an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen beschäftigt.
Das interdisziplinär begleitete Projekt mit dem Titel „Goldfinger“ zeigt: In Elektroschrott steckt nicht nur viel Potenzial – sondern auch jede Menge echtes Gold.
Elektronische Geräte enthalten wertvolle Rohstoffe wie Gold, das wegen seiner ausgezeichneten chemischen und physikalischen Eigenschaften in der Elektronik-Industrie unverzichtbar ist. Gleichzeitig wächst der Elektro-Schrott-Berg stetig: Allein im Jahr 2022 wurden in der EU rund fünf Millionen Altgeräte entsorgt – oft unsachgemäß und auf Kosten von Mensch und Umwelt.
Recyclingquote in Europa liegt bei rund 43 Prozent
Dabei enthält eine Tonne Elektro-Schrott im Schnitt etwa 250 Gramm Gold – fünfzigmal so viel wie eine durchschnittliche Goldmine. Trotzdem liegt die Recyclingquote in Europa aktuell nur bei rund 43 Prozent.
Vor diesem Hintergrund analysierte das Projektteam unter der Betreuung von Jörn Lübben verschiedene alternative Verfahren zur Goldrückgewinnung. Dabei wurden laut Mitteilung nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische und soziale Aspekte berücksichtigt. Die Studierenden zerlegten 11,9 Kilogramm Elektro-Schrott, trennten beispielsweise vergoldete Kontakte heraus und testeten und bewerteten anschließend mehrere Rückgewinnungsmethoden.
„Ich finde es sensationell, was Sie in gut drei Monaten zusammengetragen und geleistet haben“, wird Jörn Lübben zitiert. Besonders überzeugt hat dabei die Bewertung der Umweltauswirkungen: In einer Ökobilanz zeigte sich, dass vor allem der eingesetzte Strommix den CO₂-Fußabdruck der Verfahren bestimmt – grüne Energie kann hier entscheidend sein.
Interesse in anderer Fakultät geweckt
Das Projekt weckte auch Interesse in der Fakultät Life Sciences: Der Mikrobiologe David Drissner, der die Abschlusspräsentation besuchte, sieht großes Potenzial in der biologischen Rückgewinnung von Gold mithilfe von Bakterien. Ein entsprechender Stamm wurde bereits bestellt, und ein Nachfolgeprojekt ist in Planung – für mindestens zwei der drei Studentinnen werde es in ihre Bachelorarbeit münden, heißt es.
Das Projekt mache deutlich, wie viel Innovationspotenzial in der Kombination aus praxisnaher Lehre, interdisziplinärer Zusammenarbeit und Nachhaltigkeitsfokus steckt, äußerte sich Drissner. „Es ist außerdem ein sehr gutes Beispiel dafür, welchen Beitrag junge Ingenieurinnen und Ingenieure für die Kreislaufwirtschaft der Zukunft leisten können.“