Fronleichnam in Obernheim
: Blütenteppiche entstehen vor St. Afra

Blüten werden Kunstwerke – Freiwillige in Obernheim haben am Abend vor Fronleichnam Blumenteppiche gelegt. Einige Einblicke haben wir zusammengestellt.
Von
Alexander Kauffmann
Oberndorf
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Freiwillige formen am Abend vor Fronleichnam die Blüten zu prachtvollen Blumenteppichen.

Kauffmann

Der Abend vor Fronleichnam geht es immer geschäftig zu vor der Kirche St. Afra in Obernheim: Freiwillige legen die Blumenteppiche für das katholische Hochfest. Sie alle eint, diese Tradition zu wahren – und man sieht mit welch Sorgfalt und Hingabe zum Detail, die Helfer die Kunstwerke kreieren.

Auch die beiden Kommunionkinder legen einen Blumenteppich – ebenso eine Tradition, die in Obernheim hochgehalten wird. Den Kindern macht das Spaß und so kommen viele jedes Jahr wieder, um ein Werk zu schaffen, erklärt Elfriede Gehring.

Gerti Moser, die gerade eine Blüte auflegt: „Man muss kreativ sein wie ein Maler.“ Früher hat sie die Motive aus dem Kopf zusammengestellt, heute hilft das Internet. „Erst suchen wir die Motive, die uns gefallen und dann passen wir sie an“, berichtet Angela Moser.

Motiv wird aus dem Kopf aufgemalt

Ihre Mitstreiter schneiden nebenan die Blüten vom grünen Stengel ab. Nicht jedes Jahr gibt es die gleichen Blumen, dieses Jahr ist der Flieder zum Beispiel längt verblüht. Die Pracht, die die Blütenteppiche am Fronleichnamstag haben werden, schmälert das keineswegs. Die meisten Pflanzen kommen aus den heimischen Gärten und von Wiesen. Der Aufruf dafür erfuhr auch dieses Jahr große Resonanz.

Danach werden sie geschnitten und im Eimer gelegt, bevor sie zum Blütenteppich geformt werden. Wie Angela Moser erklärt, wird das Motiv im Format DINA4 ausgedruckt und aus dem Kopf aufgemalt. Gerti Moser erinnert sich, als Bilder mit Kreide direkt auf den Boden malte. So ändern sich die Zeiten.

Über Nacht in der Kirche

Wiederholen sich die Motive? „Jedes Jahr das gleiche Motiv hat es noch gar nie gegeben“, sagt Angela Moser. Sie und andere Freiwillige pflegen eine Art Dokumentation, dass genau dies nicht vorkommt. Sind die Konturen mit Stiften gezeichnet, kommt mit dem Pinsel zuerst der Kleber auf die Folie, der eine doppelte Funktion erfüllt: Er hält die Blüten zum einen an Ort und Stelle, zum anderen gibt er ein wenig Feuchtigkeit ab.

Sind die Teppiche zu fortgeschrittener Abendstunde fertiggestellt, werden sie in die Kirche gelegt.

Nur der Pfarrer darf die Teppiche betreten

Im Eingangsbereich liegen auch Pizzaschachteln, eine Idee aus der Corona-Zeit. In den Schachteln im Pizza-Format können Einwohner ihren eigenen Mini-Teppich legen und vorbeibringen – fast wie bei einem Lieferservice. Die einzelnen Elemente werden später zu einem großen Teppich zusammengesetzt. Elfriede Gehring zeigt davon Bilder aus den vergangenen Jahren, ein herrlicher Anblick.

Die Vorfreude auf das Fronleichnamsfest ist am Mittwochabend zu spüren. Am frühen Morgen gegen 5 Uhr werden die Teppiche ausgelegt und erhalten den letzten Schliff. Passend dazu spielen Musiker des örtlichen Musikvereins.

An der Prozession nehmen dann auch die Vereine teil, und der ganze Ort ist auf den Beinen, spätestens wenn um 9 Uhr die Festmesse beginnt.

Wie von den Helfern zu hören ist: Der Pfarrer entscheidet nicht über die Auswahl der Motive – aber ist der Einzige, der die Blumenteppiche betreten darf.

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