Firma Mayer TechConcepts: Frösche brachten die Wende

Siebdruck kann mehr als Bekleidung: Mit dieser Überzeugung erschloss die Textildruckerei Mayer neue Märkte für sich.
MayerUnzufriedenheit mit seiner Arbeit in der Zollernalb-Kaserne motivierten Heinrich Mayer, eine neue Herausforderung zu suchen. Ein Verwandter riet zum Motivdruck: „‘Die verdienen Geld, die Drucker‘ sagte Karl Blickle immer“, so Mayer. Mit 39 Jahren „schon ziemlich alt“, wie er heute findet, wagte er sich in die Selbstständigkeit und begann mit seiner Frau Elsbeth am 2. Mai 1974 mit der Bemusterung der ersten T-Shirts. Bis daraus Aufträge wurden, dauerte es Monate: „Wir saßen oft schon um 9 Uhr hinterm Haus; wenn noch eine Flasche Wein im Keller lag, haben wir die getrunken, um etwas zu tun zu haben.“
Die Wende brachte im Oktober 1974 der Auftrag der Tailfinger Firma Ernst Schöller: 180 000 Frösche sollten auf T-Shirts gedruckt werden, bis Weihnachten. „Wir arbeiteten in Handarbeit“, so Mayer. „Mit früheren Kollegen und Aushilfen konnten wir mehrere Schichten besetzen, so dass wir den Auftrag fristgerecht erledigt bekamen. Im Schnitt haben wir 3000 Frösche pro Tag geschafft.“
12 000 Einzelteile und 900 Kilogramm Meterware pro Tag
Bis Mitte der 1980er-Jahre entwickelten sich Auftrags- und Mitarbeiterzahlen prächtig: 30 festangestellte Mitarbeiter und bis zu 100 Aushilfen produzierten 12 000 Einzelteile und 900 Kilogramm Meterware täglich.
Tochter Claudia wusste früh, dass sie den Betrieb übernehmen wollte. Seit Mitte der 1980er-Jahre kümmerte sich die Industriekauffrau um das Administrative: „Offen war noch, wer der Chef wird“, berichtet sie, die das nicht wollte, aber die ideale Besetzung fand. „Wobei wirklich zuerst die Liebe und dann das Geschäft kam.“ Ihr Vater sprach seinen frischgebackenen Schwiegersohn 1993 auf die Nachfolge an. Michael Steidle hatte gerade die Meisterprüfung zum Elektromechanikermeister und den Betriebswirt des Handwerks abgelegt und nahm das Angebot an, bat sich aber ein Jahr Probezeit und schonungslose Rückmeldung aus.
Am Anfang stand ein vierwöchiger Crashkurs
„Ich habe erst mal einen vierwöchigen Intensivkurs Textil in Reutlingen besucht“, sagt Steidle, der schnell „wusste, dass hier mein Platz ist“. Vier Fächer mit Bier gab es im Getränkeautomaten, als Steidle die Textildruckerei übernahm. „Das habe ich als erstes geändert – ich kam aus einer anderen Welt, da lag nichts herum, was nicht zum laufenden Projekt gehörte.“ Dass die Textildruckerei Mayer einen Preiskampf nie gewinnen würde, war ihm klar: „Wir mussten uns durch Kompetenz absetzen.“
Schmerzhaft war die Entwicklung freilich trotzdem: Über Jahre gingen Kunden verloren, erst Lohnstricker, dann Wäscheleute und Oberbekleidung. Doch Steidle sah, „dass Siebdruck viel mehr kann, als Kleidung zu bedrucken“. Er knüpfte Kontakte in den Automobilsektor, erhielt Anfragen, Silikone oder PUs auf Textilien aufzubringen.
Die Wende brachte die Anfrage eines Meßstetter Möbelherstellers nach technischer 3D-Beschichtung auf einen Arbeitsstuhl. „Als wir diese Aufgabe gelöst hatten, traute ich uns den Wandel zum industriellen Entwickler zu“, so Steidle. Chemnitz, Tunesien, Griechenland und Bulgarien: So wie die Kunden ihre Fertigung ins Ausland verlegten, gründete die Textildruckerei Niederlassungen an Standorten mit niedrigeren Lohnkosten.
Technische Lösungen – auch für die Medizintechnik – tragen in die Zukunft
Mittlerweile lebt das Unternehmen von technischen Lösungen – neben der Keramikbeschichtung vor allem Flächenlösungen mit Sensorik, etwa leicht formbares Material mit flächigem Drucksensor, das bei medizinischen Geräten eingesetzt wird. Oder eine Flächenheizung, die durch Druck aktiviert wird. Dass sie auch künftig tragfähig ist, davon ist Michael Steidle überzeugt: „Mayer GmbH TechConcepts steht für kundenindividuelle Beschichtungs- und Sensorik-Lösungen sowie Entwicklungsdienstleistungen und ist damit ein wertvoller Partner für Medizintechnik, Automobil- und Möbelindustrie.”
Damit hat Michael Steidle auch sein Ziel erreicht, „den Betrieb auf eine Basis zu stellen, der es der Generation nach uns erlaubt, damit über eine längere Zeit ein erfolgreiches Geschäft zu führen.“