Filmabend in Onstmettingen
: Eine Zeitreise ins Jahr 1968

Es ist Jahrzehnte her, dass Karl-Boss in Onstmettingen seine Super-Acht-Filme drehte – jetzt hat Volker Lässing einen ausgegraben un im Philipp-Matthäus-Hahn-Museum gezeigt. Wie sah das Dorf im Jahr 1968 aus?
Von
Katja Weiger-Schick
Oberndorf
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Einen Film von Karl Boss hat Volker Lässing (links) im Philipp-Matthäus-Hahn-Museum gezeigt. Neben ihm stehen Onstmettingens Vereinssprecher Gunnar Dieringer, der Fördervereinsvorsitzende Leonhard Sassmannshausen und Museumskurator Fritz Brenner.

Weiger-Schick

Ob Neujahrsnacht, Fasnet oder Fußballspiel: Wenn sich in den 1960er Jahren etwas in Onstmettingen ereignete, was von öffentlichem Interesse war, dann war auch der Sattlermeister Karl Boss mit von der Partie – und hatte natürlich seine Kamera dabei. Die Filme, die er damals drehte, sind heute, da Albstadt Jubiläum feiert, ein besonderes Vermächtnis – nicht nur für Onstmettingen, sondern für die ganze Stadt.

Denn was wäre an einem 50. Geburtstag angemessener als der tiefe Blick in die Geschichte? Volker Lässing nahm die zahlreichen Besucher im Philipp-Matthäus-Hahn-Museum auf eine Zeitreise ins Jahr 1968 mit – ein Jahr der Rebellion, das die Gesellschaft nachhaltig prägte und veränderte, das Jahr Studentenunruhen, in dem die Jugend an althergebrachten Werten und Moralvorstellungen rüttelte, in dem junge Menschen zu Tausenden auf die Straßen gingen und Rudi Dutschke zur verehrten Kultfigur wurde.

Allerdings nicht unbedingt in Onstmettingen, das damals noch selbstständig war – auf der Alb ging es beschaulicher zu als in Berlin oder München. Technisch war man allerdings sehr wohl auf der Höhe der Zeit: Karl Boss drehte seine Super-Acht-Filme in Farbe und hielt mit der Kamera Vereinsfeierlichkeiten ebenso fest wie Festgottesdienste oder private Jubiläen.

Super-Acht ist nicht mehr letzter Schrei

Seither sind freilich an die sechs Jahrzehnte vergangen, und Super-Acht ist gründlich überholt – die Stadt Albstadt hat Boss’ Film aus dem Jahre 1968 deshalb auf Initiative Volker Lässings digitalisieren lassen: Eine Vorstellung mit Originalrolle und Filmprojektor wäre nur noch schwer zu organisieren gewesen.

Beamer statt Filmprojektor

Der Film besteht aus zwei Teilen; der erste war jetzt zu sehen, der zweite kommt im Herbst an die Reihe. Den Anfang machte in der Neujahrsnacht das Läuten der Kirchenglocken; danach war genug Schnee zu sehen, um richtig nostalgisch zu werden, dazu die wuchtige Fräse, mit der man ihm zu Leibe rückte, Wintersport am Skilift, ein wenig Fasnet, die Osterfeier und das Fußballderby gegen Bitz. Zeitgeist und Kultur der späten 1960er Jahre kamen zu ihrem vollem Recht, am Onstmettinger Straßenrand parkten VW-Käfer, Ford Capri und Opel Kapitän .

Zum gegebenen AnlassHochfrisur und Frack

Das Frühjahr brachte Krokusse, Märzenbecher und Schneeglöckchen in Massen. Die Damen trugen an Festtagen kunstvolle Hochfrisuren, die Herren stilecht Frack. Zu wichtigen Anlässen musizierte schon damals der MVO, der Musikverein Onstmettingen, für den Karl Boss erkennbar ein besonderes Faible hatte. Landschaftsaufnahmen und Ortsansichten sind auch ein fester Posten im Angebot – freilich mit deutlich weniger Häusern als heute.

Groß war das Publikumsinteresse am Film, den Karl Boss 1968 in Onstmettingen gedreht hatte.

Foto: Kasi

Die Besucher ließen sich von diesen Bildern nur zu gern zum Schwelgen in Erinnerungen animieren – und zum Rätselraten: Wer ist das Kind dort, und was war das da für ein Haus? Viele der Anwesenden Onstmettinger entdeckten Bekannte und Verwandte wieder. – und vielleicht sogar sich selbst.

All das unterlegt mit zeitgenössischer Musik – nach dem Dreh, so Volker Lässing, pflegte Karl Boss viele Stunden am Schneidetisch zu verbringen, und ohne Tonspur ging es natürlich nicht. Die Onstmettinger Vorfreude auf Teil zwei ist jetzt schon groß.

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