Fasten fürs Klima in Albstadt: Statt Süßigkeiten oder Alkohol

Kaffeebohnen – ein wertvoller Rohstoff, dessen Dasein in der Wohlstandsgesellschaft nicht hinterfragt wird. Das Klimafasten soll auch zu einem bewussten Umgang mit Alltäglichem führen.
Christin KloseSüßigkeiten, Alkohol, Fleisch: Seit Aschermittwoch wird in einigen deutschen Haushalten wieder gefastet. Besonders bei jungen Menschen steht der Verzicht auf Liebgewonnenes für rund sieben Wochen bis zum Ostersonntag hoch im Kurs. 85 Prozent der unter 30-Jährigen finden einen bewussten Verzicht auf Genussmittel und Konsumgüter sinnvoll, wie jüngst eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit ermittelte.
Besonders beliebt sei dabei nach wie vor das Fasten von Süßem, Alkohol oder Fleisch. Eine ganz andere Art der Entbehrung bringt das Klimafasten mit sich. Die bundesweite Aktion wird von verschiedenen Trägern, darunter evangelische und katholische Einrichtungen, aber auch Hilfswerke wie Brot für die Welt oder Misereor, ausgerichtet. Der Fokus liegt dabei auf Klimaschutz und Gerechtigkeit. Das Motto in diesem Jahr: „So viel du brauchst“.
An der Aktion nimmt auch das junge ökumenische Albstädter Klimabündnis teil. Dieses hat sich auf die Fahne geschrieben, die Klimabewegung mit der Kirche zu verknüpfen. Nach einem bereits gut besuchten Vortrag zum Thema „Unser täglich Brot: Klima - Gerechtigkeit - Landwirtschaft“ im vergangenen November, hat sich die Gruppe entschlossen, nun beim Klimafasten mitzumachen.
Bundesweite Aktion
Das örtliche ökumenische Klimabündnis hängt sich dabei an die bundesweite Aktion an, setzt mit ihrem Programm aber eigene Impulse, wie Bastian Seiz, Mitorganisator und evangelischer Kirchengemeinderat in Tailfingen, informiert. Die bundesweite Aktion Klimafasten gibt jede Woche ein Wochenthema mit einem passenden Bibelvers vor. Zu den einzelnen Wochenthemen trifft sich das Klimabündnis jeweils am Montagabend und richtet ihre eigene Veranstaltung aus.
In der ersten Woche lautet das Thema beispielsweise „Genug. Beschenkt“, den Bibelvers liefert Psalm 104. Die Albstädter haben das Thema genutzt, um einen Waldspaziergang zu unternehmen. In den weiteren Wochen geht es unter anderem um Gesundheit, internationale Verantwortung sowie Nachhaltigkeit in verschiedenen Formen. Das konfessionsübergreifende Albstädter Klimabündnis nutzt diese Losungen, um das Kaufwaschcafé zu besuchen und sich dort über den bewussten Umgang mit Kleidung zu informieren. Weiter sei geplant, einen Film im Weltladen anzusehen. Auch auf dem Programm: gemeinsam kochen aus übrig gebliebenen Lebensmitteln. Und nicht zuletzt beschäftigt sich die Gruppe mit Ehrenämtern. Erörtert werden soll dabei, wie Zeit sinnvoll genutzt werden könne. Der Abschluss ist am Ostermontag mit Pfarrer Uwe Stier.
Gedanken zum Überfluss
Grundsätzlich sollen die Teilnehmer sich Gedanken machen, was die Gesellschaft in Deutschland im Überfluss hat und womit sie beschenkt wurde. Aber auch, warum dieser Reichtum im Alltag nicht immer wertgeschätzt wird. „Es geht darum, sich an dem zu freuen, was da ist“, sagt Bastian Seiz.
Die montäglichen Treffen des ökumenischen Albstädter Klimabündnisses sind offen; wer Lust hat vorbeizukommen, ist eingeladen. Informationen zu den einzelnen Treffpunkten gibt es beim evangelischen Pfarramt in Tailfingen. Ein Auftakttreffen hat bereits stattgefunden, bei welchem Informationsmaterial ausgegeben wurden. Neueinsteiger sind ausdrücklich erwünscht.
Gegründet hatte sich die Albstädter Gruppe im vergangenen Jahr. Derzeit sind es rund ein Dutzend Aktive. Nun wolle man erstmal schauen, wie die Veranstaltungen angenommen werden. Mit den sieben Wochenthemen zum Klimafasten stehen erstmal einige Veranstaltungen auf dem Programm.
