Band-Sommer klingt aus: „No Change“ bringen 1200 Fans auf den Bürgerturmplatz

Ein Blick ins Publikum: viele Menschen, dicht gedrängt, im Rhythmus wippend.
Demmer„Albstadt, ich will Eure Hände sehen“, ruft Bandchef Michi Hess ins Mikro. Der Himmel hat nach dem Gewitter am Samstagnachmittag beschlossen, am Abend auf Regen zu verzichten. Mehr als 1200 Fans bevölkern zum Abschluss des Band-Sommers den Bürgerturmplatz. Manche wippen, wenige tanzen. Michi Hess und sein neuer Kollege am Mikrofon, Alex Lorch, lassen im Partnerlook die Hüften kreisen: „Wo sind die Ladies?“
Versuch an der Gitarre
Eine steht auf der Bühne: Sängerin Angie Helfrich flankiert Alex Lorch, Michi Hess, der auch Gitarre spielt, ebenso wie Christoph Lorch, Matthias Blaich am Schlagzeug, und am Bass ist Simon Zintgraf aktiv. In schneller Abfolge bieten sie thematisch sortierte Songblöcke, meist ohne Soli, auf zwei Refrains reduziert, verweben Nenas „99 Luftballons“, „Skandal um Rosie“ und „Major Tom“. Höhepunkt folgt auf Höhepunkt. Auf der Videoleinwand explodieren die Gefühle visuell dazu. Auf, hinter und neben der Bühne steht kein Keyboard. Alles, was am Abend etwas mit Synthie zu tun haben wird, kommt vom Band. „I Feel Hardcore“ sagen Scooter. Das Publikum stört es nicht.
Ein vorsichtiger Versuch der Rebellion
Dann „L’amour toujours“, das 2024 auf Sylt einen kleinen Skandal mit widerlich hinzugereimtem Text heraufbeschwor. Es ist schon eine Entscheidung, das Lied noch zu spielen. Eine weitere ist es, ein paar Meter entfernt, den Skandaltext laut mitzusingen. „Albstadt, seid ihr noch da?“ Daneben: ein Typ mit Stones-Aufnäher. Keine Kutte – nur so ein kleiner, vorsichtiger Versuch von Rebellion: „Ich freue mich nachher auf die Rockrunde.“
Band will die Hände sehen
Julian Köhnlein vom Kulturamt, vor Ort umtriebig, jederzeit ansprechbar, immer gut gelaunt und verantwortlich, ist mit dem Bandsommer insgesamt sehr zufrieden: „Es ist toll zu sehen, dass sich die Veranstaltungsreihe immer weiterentwickelt und auch so gut angenommen wird.“ Ob es im nächsten Jahr wieder eine innerstädtische Konzertbühne geben wird, sei noch nicht sicher. Aber: „Die Vorzeichen stehen ganz gut.“
Musikalisch geht es nun durch die 1990er: „Hände nach vorne, zweimal hüpfen, Feuerzeuge an, nochmal hüpfen, dann eskalieren – und wo sind die Ladies?“ Es ist Sommer, es ist Samstag.
„Nicht jede Bühnenshow ist ein Konzert“
Pause. Und dann Bon Jovi, AC/DC. Auch bei „We Will Rock You“ fehlt das Solo. Mehrstimmige Gesänge sind den ganzen Abend markant schräg. Monitoring Probleme? Irgendwann „Engel“, „Purple Rain“, „Hey Jude“ – nur das „nana“ – und dann aus. Halt, eins noch: „Ich wollte nie erwachsen sein“ von Maffay, und schon ist es 23 Uhr, Lichter an.
Zum Schluss noch ein Blick auf die Kulisse und diesen letzten Band-Sommer-Abend: „Nicht jede Bühnenshow ist ein Konzert“, meint eine Besucherin. Doch „No Change“ beweisen: Sie sind begnadete Motivatoren. Absolut legitim.