Ausstellung: „Heimat Albstadt“ - so viel mehr als Spätzle und Natur

15 Lebensgeschichte, 15 Protagonisten: Die Präsentation „Ankommen in Albstadt“ geht auf ehrliche Spurensuche – zwischen Heimisch-Werden und Dableiben. Mit aufs Gruppenfoto stellten sich die Initiatoren Claudia Bitzer und Albert Sauter sowie Oberbürgermeister Roland Tralmer und Festrednerin Dr. Ingrid Helber.
Katja Weiger-SchickDie Ausstellung „Ankommen in Albstadt“ lässt Bürgerinnen und Bürger zu Wort kommen, die hier aber nicht geboren sind. Die sich bewusst für Albstadt entschieden haben oder die es hierher verschlagen hat, wie man so schön sagt. Und das aus den verschiedensten Gründen. Albert Sauter, Sponsor und Mitinitiator, brachte es am Mittwochabend auf den Punkt: „Sie alle bereichern unsere Stadt. Die Vielfalt ist es, die uns stark macht.“ Anlass für die Präsentation, die die Agentur „imländle“ sowie die Denkfabrik Zollernalb unterstützt haben, ist ein besonderes Jubiläums. In diesem Jahr feiert das Ebinger Heimatmuseum den 100. Geburtstag. Ein Anlass, um nachzudenken und innezuhalten, befand Sauter: „Denn was bedeutet eigentlich Heimat?“ Die Antworten kommen von den 15 Protagonisten der Ausstellung. Sie erzählen von schwäbischen Lieblingswörtern oder netten Anekdoten, sie berichten von Problemen mit frischen Temperaturen oder der einen oder anderen Sprachbarriere. Sie beschreiben aber auch Nähe, klare Luft, Gemeinschaft und kurze Wege.
Wie auf der Schwäbischen Alb aus Unsicherheit langsam Heimat wird
Die Geschichten bewegen sich dabei in zwei Richtungen. Sie haben Fremdsein zum Inhalt und das, was auf der Schwäbischen Alb ungewohnt war. „Sprache, Wetter, Essen“, zählte Albert Sauter auf. Vor allem jedoch geht es ums Heimisch-Werden – eindringlich, authentisch, ehrlich und aufrichtig. Die Porträtierten, die der Initiative vertrauensvoll ihr Herz geöffnet haben, kommen aus dem Iran, aus Uruguay, Mazedonien, Brasilien, Italien, Griechenland und der Ukraine. Oder sie stammen aus Deutschland und damit aus Städten wie München oder Fulda. Leonardo Scarlatellas Heimat ist beispielsweise Sizilien. Er liebt längst nicht nur Pasta, sondern auch Spätzle und Co, die herrliche Natur sowie die Gemeinschaft in seinem Kegelverein.
Mitinitiatorin Claudia Bitzer griff diesen Ansatz auf. Heimat, argumentierte sie, sei eine individuelle Wahrnehmung und ein Gefühl. Die Ursprünge des Wortes „Heimat“ ließen sich zurückverfolgen bis ins 11. Jahrhundert: „Ursprünglich bezog sich ‚Heimat‘ auf den Wohnort oder das Herkunftsland einer Person.“ Ein vergleichsweise nüchternes Wort also, verwendet in juristischen und geografischen Kontexten. Zu Zeiten der Industrialisierung wandelte sich die Bedeutung. „Heimat wurde begrifflich zum Sehnsuchtsort.“ Heimat sei nichts Statisches, so Claudia Bitzer: „Sie verändert sich, täglich, ständig. Weil wir uns entwickeln. Weil sich die Menschen um uns herum verändern und damit die Stadt und ihre Gesellschaft. Heimat ist eine Mischung aus Liebgewonnenem und Neuem.“ Oberbürgermeister Roland Tralmer setzte an diesem Punkt an. Eine dynamische Stadt wie Albstadt, mahnte er, sei das, was man daraus mache – idealerweise gemeinsam. Er freute sich über das Wiedersehen mit gute Bekannten. Manche der 15 Ausstellungsprotagonisten leben schon seit vielen Jahren hier.
Dr. Ingrid Helber blickte in ihrer Festrede als Historikerin auf die Definition von Heimat. Außerdem ging sie detailreich auf die Gründe ein, die Menschen dazu brächten, ihr Zuhause zu verlassen: die Liebe oder ein neuer Arbeitsplatz beispielsweise. Aber auch Naturkatastrophen, der Klimawandel oder Kriege seien bis heute Gründe für Flucht und Umzug. Die Menschen in der Ukraine seien nicht gefragt worden, ob sie ihre Heimat verlassen wollten, betonte Helber nachdenklich: „Viele kamen hier an, und ihnen waren nur noch zwei Koffer aus ihrem bisherigen Leben geblieben. Das sollten wir nicht vergessen, wenn ihnen Albstadt zur Heimat werden soll.“