Albstadt
: Versuchte Entführung war erfunden

Zehnjährige flunkert ihrer Mutter was vor. Nachricht verbreitet sich via Facebook und WhatsApp. Kurz darauf Entwarnung.
Von
(gu)
Oberndorf
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Über Internet-Plattformen wie Facebook verbreiten sich gepostete Beiträge schnell. Sie können geteilt, ergänzt und kommentiert werden. Und in manchen Fällen erweisen sie sich erst nachträglich als Falschmeldungen.

dpa-Zentralbild

Albstadt-Tailfingen - Es klang alarmierend: "Leute, in Tailfingen hat ein Mann versucht, meine Nichte zu entführen!", postet eine Frau am Montag auf der Internet-Plattform Facebook.

"Er hielt ihr den Mund und die Nase zu, damit sie nicht schreien konnte! Er sprühte ihr Pfefferspray in die Augen, damit sie nichts sehen konnte! Sie konnte sich wehren und davonrennen. Doch was ist, wenn er zuschlägt und ein neues Opfer findet, das sich nicht wehren kann?", heißt es in dem Beitrag der Tailfingerin. Via Facebook und ­WhatsApp verbreitete sich die Nachricht in Verbindung mit der Aufforderung: "Passt auf eure Kinder auf, denn das Ganze ist kein Scherz!"

Die Polizei wurde informiert, und die Kripo schaltete sich ein. Fieberhaft wurde ermittelt, bis sich gestern Morgen die Mutter des vermeintlichen Opfers bei der Polizei meldete und Entwarnung gab. Ihre zehnjährige Tochter habe den Überfall frei erfunden, erklärte die Frau als Entschuldigung.

Der Vorgang sei von Anfang an "fragwürdig" gewesen, sagte Polizeisprecher Peter Mehler auf Nachfrage. Eine Entführung sei wohl nicht im Spiel gewesen, in der stark frequentierten Hechinger Straße hätte es gewiss Dutzende Zeugen für den Vorfall gegeben. "Aber wenn eine solche Nachricht online verbreitet wird, ist es für viele Eltern beunruhigend", räumt Mehler ein. "Und wenn sie einmal im Internet kursiert, ist es sehr schwer, sie wieder herauszunehmen." Die Polizei stelle in dem Zusammenhang noch weitere Ermittlungen an.

Ähnlich gelagerte Fälle hat es laut Mehler in diesem Jahr schon zwei oder drei gegeben. Dass ein Kind aus Geltungsbedürfnis die Fantasie spielen lasse, sei nicht ungewöhnlich. Das Problem dabei: Andere Nutzer würden den Beitrag lesen. "Die haben dann auch irgend etwas gehört und posten ihrerseits Beiträge dazu." So werde die Geschichte immer mehr aufgebauscht.

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