Albstadt
: Ein Lokal mit Familienanschluss

Das  kultige"TomTom" ist vor dem Abriss heute und morgen zum letzten Mal geöffnet.
Von
Karina Eyrich
Oberndorf
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Die Stammgäste des "TomTom" waren für Inhaber Giorgio Vitulli (Dritter von rechts) und seine Angestellten – rechts Mitarbeiterin Tina – wie eine Familie.

Eyrich

Albstadt-Ebingen - 26 Jahre alt ist das "TomTom" geworden – zu jung, um von der Bildfläche zu verschwinden, finden die Stammgäste. Das "Wohnzimmer" vieler Albstädter schließt . Und Inhaber Giorgio Vitulli hat nie mehr Ärger mit Navigationsgeräte-Nutzern.

"Den Namen hätten wir uns schützen lassen sollen", sagt Giorgio Vitulli. "Zeitweise hat zwei, drei Mal pro Woche jemand angerufen und sich beschwert, dass sein Navigationsgerät nicht funktioniert", berichtet der Inhaber des "TomTom". Sein Pech: Den Namen des Lokals am Bürgerturmplatz trägt auch ein Elektronik-Hersteller. "Ein Anrufer hat mir nicht geglaubt, dass wir nichts mit der Firma zu tun haben", sagt Vitulli. "Er war so aufgebracht, dass ich schließlich auflegen musste."

Nicht auflegen, aber aufhören muss Vitulli als Wirt des Szene-Treffs, wird das Haus, in dem sich das "TomTom" befindet, doch im Frühjahr abgerissen. Als "Waldhorn" war das Lokal bis vor 26 Jahren bekannt und wurde dann von zwei Wirten namens Thomas und Thomas übernommen.

"Hier weiß ich immer, wer da ist"

Sie haben vor 13 Jahren aufgehört – den Namen und die Stammgäste jedoch hat Giorgio Vitulli übernommen, Stammgäste wie Frank Fent, der gar nicht weiß, "wo man jetzt hingehen soll in der Mittagspause und als Raucher". Er schätzt am "TomTom" die Atmosphäre und das Publikum: "Hier weiß ich, wer da ist", sagt Fent – etwas, worauf Giorgio Vitulli auch bei seinem Team Wert legt: Mehrere seiner derzeit acht Service-Kräfte sind schon seit Jahren dabei, "und jeder von ihnen hat an seinem Tag seine Stammgäste".

Trotz Kontinuität bei Personal und reellen Preisen: Vitulli ist stets mit der Zeit gegangen, hat immer wieder neue Getränke auf die Karte genommen und im vergangenen Jahr das Lokal moderner gestaltet: "Weil mir die Stadt einen Riesen-Platz vors Haus gestellt hat." Die alte Tischplatte vom Stammtisch hat Vitulli aber noch: "Darauf haben sich die Paare verewigt, die sich bei uns kennengelernt haben", berichtet er. "Manche von ihnen sind inzwischen 20 Jahre verheiratet."

Verändert hat sich aber nicht nur das Gesicht des "TomTom", sondern auch die Gepflogenheiten: Dort darf geraucht werden. Als das Rauchverbot in Lokalen Gesetz wurde, hat Vitulli zuerst ein Raucherzimmer eingerichtet. Doch bei 80 Prozent Rauchern unter den Stammgästen war schnell klar: Der Raum war zu klein. So wurde das Lokal zur Raucherkneipe – nur für Erwachsene. Das Publikum freilich ist sei je her mittleren Alters.

Einige Musiker-Karrieren haben im "TomTom" begonnen – etwa die von "Chocco Mocco", die wie andere Albstädter Bands ihre ersten Auftritte dort hatten: Früher gab es mindestens einmal im Monat Livemusik.

Giorgio Vitulli sucht nach Alternative

Nun, da das Haus abgerissen wird, um einem dritten "Stadthaus" mit Geschäften und Wohnungen Platz zu machen, sucht Giorgio Vitulli nach einer Alternative in der Ebinger Innenstadt, ist es ihm auf Dauer doch zu wenig, sich auf das Gasthaus "Rad", sein zweites Standbein auf Neuweiler oberhalb von Tailfingen, zu konzentrieren. Bei der Suche hilft ihm auch der Eigentümer des Hauses, dem es selbst leid tue, wie alles gekommen ist, sagt Vitulli.

Er und andere Geschäftspartner des Wirts sind am Sonntag zu Gast, wenn im "TomTom" zum letzten Mal gefeiert wird. Zuvor – heute und am Samstag – gehört das Lokal aber nochmal ganz den Stammgästen. "Was mir fehlen wird", sagt Frank Fent", "werde ich erst wissen, wenn es weg ist."

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